Namur-Tagung 2009

Stefan Kuppinger,

Reizthema Wireless

Kommunikation stand im Mittelpunkt der diesjährigen Namur-Tagung in Bad Neuenahr. Die Referenten spannten dabei den Bogen vom Feldbus über den WirelessHART-Feldtest bis zur Geräteintegration und dem zweiten drohenden Feldbuskrieg.

Nach 30 Jahren Namur-Tagung in Lahnstein begrüßte der Namur-Vorstandvorsitzende Dr. Norbert Kuschnerus rund 460 Teilnehmer erstmals am neuen Tagungsstandort in Bad Neuenahr. „Das ist zwar keine Rekordteilnahme, aber in Anbetracht der teilweise noch angespannten Situation eine mehr als zufriedenstellende Beteiligung", betont Kuschnerus und zeigt sich im Hinblick auf die Namur-Tagung 2010 zuversichtlich. Es gebe erste Indizien, die für eine Erholung der Konjunktur sprächen.

Kuschnerus betont die Wichtigkeit einheitlicher Kommunikationstechnologien und Standards. Speziell bei der aktuell diskutierten Einführung von Wireless-Technologien in der Prozessindustrie legt er den Finger in die Wunde: „Ich sehe mit Sorge, dass mit WirelessHART und ISA100.11a zwei Spezifikationen im Raum stehen, die sich im Prinzip nicht unterscheiden." Martin Schwibach, der am zweiten Veranstaltungstag die Ergebnisse des mit Spannung erwarteten WirelessHART-Feldtests vorstellte (s. Link), wurde in seinem Vortrag noch deutlicher und bezeichnete diese Entwicklung als „Arithmetik des Nonsens".

Daher lautet eine zentrale Forderung der Namur: „Einen Standard für drahtlose Sensornetzwerke und keine Standardisierung sogenannter Dual-Boot-Devices zur Kompensation von Inkompatibilitäten zwischen ISA100.11 und WirelessHART."

Eigentlich sollten die Anbieter gewarnt sein und aus Fehlern lernen. Schließlich haben sie bereits bei den Feldbuskriegen schon genug Federn lassen müssen. „Wie mühsam es ist zwei etablierte Standards wieder einzufangen und zusammenzuführen zeigt doch das Thema EDDL und FDT/DTM," verweist Kuschnerus auf ein weiteres heikles Minenfeld - die Feldgeräteintegration in die Leitsysteme. Nach jahrelangen Diskussionen zwischen der EDDL- und FDT/DTM-Fraktion, die zur Gründung des EDDL Cooperation Teams geführt haben, bringen die Leitsystemhersteller jetzt wieder Schwung in die Standardisierung: Mit ABB, Emerson, Endress+Hauser, Honeywell, Invensys, Siemens und Yokogawa haben sich die führenden Leitsystem-Anbieter auf FDI (Future Device Integration) als Integrationstechnologie in ihre Leitsysteme geeinigt.

Akzente setzten auch Dr. Gunther Kegel, Geschäftsführer des diesjährigen Tagungs-Sponsors Pepperl+Fuchs, und seine Referenten. Sie spannten den Bogen vom Feldbus als Voraussetzung für eine funktionierende Kommunikation, über die WirelessHART-Aktivitäten und die Übertragung sicherheitsgerichteter Signale über Feldbusse bis zur DART-Technologie (Dynamic Arc Recognition and Termination). Bei diesem Konzept für eigensichere Stromkreise wird das Entstehen eines zündfähigen Funkens schon im Ansatz unterbunden und nicht wie bisher üblich durch eine rigorose Begrenzung der maximalen Wirkleistung. Die höhere Leistung ermöglicht vielfältige Applikationen im Ex-Bereich, die bislang nicht realisierbar waren.

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