Augmented Reality

Martin Sporn | Davina Spohn,

Googles Datenbrille 'Glass' erfolgreich gehackt

Es ist ein Einbruch in Googles Software: Keine zwei Wochen nach Auslieferung der ersten Testversionen ist es einem amerikanischen Hacker gelungen, Googles Datenbrille 'Glass' zu entsperren und Vollzugriff auf das Gerät zu erlangen. Wie beim iPhone könnte der Jailbreak neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnen.

©  Antonio Zugaldia

Dem unter dem Synonym 'Saurik' bekannte Hacker und Entwickler Jay Freeman ist es gelungen, Googles Datenbrille Glass' nur wenige Tage nach Auslieferung der ersten Modelle an ausgewählte Tester zu hacken. Freeman gehörte zu diesem Personenkreis und fand heraus, dass auf der Brille das Betriebssystem Android 4.0.4  läuft. Er nutzte eine bekannte Sicherheitslücke, um 'Glass' zu entsperren und uneingeschränkten Zugriff auf die Android-Version zu bekommen. Über ein modifiziertes Betriebssystem-Backup gelang es ihm, der Datenbrille vorzuspielen, die Software laufe auf einem Emulator am Rechner. Am Freitagnachmittag vermeldete er den Erfolg über seinen Twitter-Account. Wie er dem amerikanischen Wirtschafsmagazin Forbes mitteilte, war der Hack "recht einfach". Er benötigte dafür nur zwei Stunden und aß nebenbei mit Freunden zu Abend. 'Saurik' ist durch seine Jailbreaks für iOS und Android bekannt und gründete den alternativen App-Store 'Cydia' für Apple Geräte. Ein anderer Entwickler namens Liam McLoughlin hatte ebenfalls Erfolg beim Hacken der Datenbrille, wie im Blog '9to5Google' bekannt wurde.

Die Technikgemeinde spekuliert nun über die Anwendungsmöglichkeiten des Jailbreaks. Grundsätzlich ließen sich damit alle von Google eingebauten Restriktionen, wie auch immer die in der Version für Endnutzer aussehen mögen, umgehen. So könnten sich Daten statt in Googles Cloud auch lokal oder auf dem via Bluetooth verbundenen Smartphone speichern lassen – eine Option, die vor allem Datenschützern gefallen dürfte. Möglicherweise könnten auch bald Entwickler-Geräte von Glass in Umlauf kommen, wenn es gelingt, die von Google angedrohte Fernabschaltung bei Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen auszutricksen. Hintergrund dieser Technik war ein Entwickler, der sein Testexemplar entgegen Googles Richtlinien online versteigern wollte.

Der Internetriese selbst ist allerdings wenig beeindruckt von den Meldungen über die erfolgreichen Hacker. Google-Mitarbeiter Tim Bray äußerte sich auf twitter lapidar: "Google Glass ist hackbar. Ach was!". Sein Kollege Stephen Lau ging sogar noch einen Schritt weiter: "Wir haben das Gerät absichtlich nicht gesperrt, damit ihr Jungs es hacken und verrückte Sachen damit machen könnt." Anders als beispielsweise Apple war Google auch in der Vergangenheit offener gegenüber derartigen Angreifern. Die Hacker selbst treten jedoch vorerst auf die Spaßbremse. Der Jailbreak sei vorerst nur für die Testgeräte nutzbar und könnte in der marktreifen Version, die 2014 Verkaufsstart feiern soll, bereits nicht mehr funktionieren.

Wozu die Brille auch ohne Jailbreak in der Lage ist, erfahren Sie in unserer Bilderstrecke.

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