Visualisierung
Exor mit neuer HMI-Strategie
Der Panel-Anbieter Exor tritt auf der SPS/IPC/Drives mit einer komplett neuen Geräte-Generation an und will sich damit auch strategisch neu positionieren. Wie dies aussehen soll, erläutert Geschäftsführer Christoph Müller.
Exor-Geschäftsführer Christoph Müller: „Die Visualisierungssoftware wird es künftig auch ‚solo, also ohne Exor-Panel, zu kaufen geben.
Herr Müller was steckt hinter den neuen eTop-Bediengeräten, die hier in Nürnberg Messe-Premiere haben?
Müller: Neu ist zum zunächst die Hardware. Während unsere bisherigen Panels auf mehreren Baugruppen und vielen einzelnen Komponenten wie Display- und Touchtreiber basieren, setzen wir bei den Geräten der eTop-Serie intern auf die von Exor entwickelte Ultimodule-Technologie. Dabei handelt es sich um ein System-on-Module-CPU-Board, auf dem sich alles befindet, was eine HMI-CPU benötigt. Diese Ultimodule-Technologie schafft somit die Grundlage für eine Plattformunabhängigkeit unserer künftigen HMI-Strategie.
Das bedeutet, dass wir - abhängig von der Applikation - in Bezug auf die eingesetzte Prozessorfamilie jeweils die beste Lösung wählen können, ohne jedes Mal ein komplettes Redesign durchführen zu müssen. So werden wir im kommenden Jahr beispielsweise erstmals auch embedded PC-Hardware anbieten. Gleichzeitig mit der neuen Hardware startet die Markteinführung unserer neuen Visualisierungsoftware J-Mobile, an der wir mehrere Jahre gearbeitet haben. Gegenüber der bisherigen Designer-Software ist diese auf unterschiedlichen Betriebssystemen wie Windows CE, XP embedded, Win Mobile oder auch Linux lauffähig und bietet eine Reihe neuer Features wie etwa Online-Simulation oder auch die Server-Client-Kommunikation.
Letzteres bedeutet: Ein Panel kann gleichzeitig Server und Client sein und es lassen sich an dieses dann preiswertere Clients anbinden. Ebenso funktioniert der Zugriff auf den J-Mobile-Server über das Internet, womit sich dezentrale Anwendungen auf einfache Art realisieren lassen. Was die Funktionalität der neuen Software betrifft, so reicht diese fast an die eines SCADA-Sytems heran, kostet aber nur einen Bruchteil und benötigt auch viel weniger System-Performance.
Neben den technischen Features ergibt sich für den Anwender bei der neuen HMI-Generation schließlich auch ein finanzieller Vorteil, da wir diese nun rund 30 % kostengünstiger anbieten können.
Bezieht sich der Aspekt der Plattformunabhängigkeit neben der Hardware auch auf die Software?
Müller: Zunächst werden wir J-Mobile zwar mit den eigenen Panels in den Markt bringen. Erklärtes Ziel ist es aber, dass unsere Visualisierungslösung in einem zweiten Schritt auf beliebigen Hardwareplattformen auch anderer Anbieter zum Einsatz kommen kann.
Welche Zielgruppe haben Sie mit der neuen Plattform im Auge?
Müller: Wir werden hier zwei Stoßrichtungen verfolgen: Zum einen natürlich - wie auch schon in den Vergangenheit - die klassischen Maschinenbauer. Mit dem Unterschied, dass diese künftig nicht mehr zwingend unsere proprietären Standard-Panels einsetzen müssen, sondern die Hardwareplattform der Visualisierung frei wählen beziehungsweise skalieren können.
Daneben wollen wir - und das ist für uns ein komplett neues Betätigungsfeld - unsere Ultimodule-Technologie in Kombination mit der Software beziehungsweise die Software allein auch anderen Anbietern von Automatisierungskomponenten zur Verfügung stellen, die ihre Systemlösung um eine eigene embedded Visualisierungslösung ergänzen möchten. Ein Beispiel hierfür ist die Firma Beck IPC, die auf der Basis unserer Technologie entsprechende Kundenprojekte umsetzen wird.
Nehmen Sie sich damit nicht zumindest beim Hardware-Geschäft selbst das Butter vom Brot, wenn sich diese Firmen ihre Panels künftig selbst bauen, statt Standard-Panels von Exor zu kaufen?
Das glaube ich nicht. Im Gegenteil: Die neue Strategie wird uns eher mehr Butter bescheren und das Nutella noch oben drauf. Der Markt ist so riesig, dass wir ihn besser mit Partnern bearbeiten können, als nur auf uns alleine gestellt zu sein. Und es gibt bereits einige namhafte Marktbegleiter, die auf unsere Technologie aufsetzen. Mit Beck ist das natürlich etwas Besonderes: Wir arbeiten schon seit Jahren zusammen und ergänzen uns perfekt - wir haben den Standard, Beck die Individuallösung. Hinzu kommt, dass Beck mit seinem Know-How im Bereich der Kommunikation uns wertvolle Lösungen für das Remote-Service-Geschäft bieten kann.
Welchen Leistungsumfang decken die Geräte der neuen eTOP-Generation ab?
Müller: Was wir hier auf der Messe zeigen, sind Geräte von 4,3-Zoll bis 15-Zoll auf der Basis von MIPS-400- und ARM-Cortex-A8-Prozessoren. Hier unterscheiden wir einerseits zwischen eTop300 und eTop400. eTop300 sind Geräte, die zwar auf der neuen Hardware basieren, aber nach wie vor unter dem bisherigen proprietären Betriebssystem laufen und sich damit weiterhin mit der Designer-Software betreiben lassen. Demgegenüber laufen die eTop-400-Geräte unter Windows CE mit der neuen J-Mobile-Visualisierung. In einem nächsten Schritt ist vorgesehen, auch den Intel-Atom-Prozessor als weiter Variante anzubieten. Bei den Displays werden wir in Bälde noch 17-Zoll und 19-Zoll anbieten.
Braucht es eine solch hohe Prozessorleistung für ein reines HMI?
Müller: Nicht zwingend. Aber wir wollen skalierbare Leistungsstufen im selben HMI-Format anbieten. Zunächst sind natürlich einige der neuen Features unserer Software aufgrund des erweiterten Leistungsumfanges auch entsprechend Resourcen-hungriger. Daneben spielen aber noch weitere Aspekte eine Rolle. Vertikale Märkte wie Gebäudetechnik oder der Automotive-Bereich erfordern Funktionen, die im Industriebereich noch selten nachgefragt werden - angefangen bei Video- und Sprach-Applikationen wie Voice- oder Video-over-IP.
Die von uns eingesetzten Arm-Cortex-A8 und -A9 sind für den Grafikbereich unschlagbar und haben dazu noch Topwerte in Bezug auf die Verlustleistung. Dies spart nicht nur Energie, sondern erhöht die Verfügbarkeit und ermöglicht Anwendungen, in denen eine Eigenerwärmung kritisch sein kann. Weiterhin zeigen wir hier in Nürnberg auch eine CPU-Variante, auf der J-Mobile mit integrierter Codesys-Soft-SPS läuft. Mittels CANopen lassen sich auf diese Weise preiswerte aber leistungsfähige SPS-Lösungen realisieren.
Über ihren neuen Geräten prangt der Slogan ‚Solid as a Rock' - was wollen Sie damit ausdrücken?
Müller: Wir haben uns überlegt, was uns von anderen Marktbegleitern ‚fühlbar' unterscheidet. Mit mehr als 20 Jahren HMI-Erfahrung im Rücken und angesichts von mehr als 50 000 verkauften Systemen im Jahr trauen wir uns es zu und haben die eTOP300-Serien dank SoM-Technologie zudem derart ‚robust' entwickelt, dass wir dem Anwender künftig eine Garantiezeit von fünf Jahren oder 30000 Betriebsstunden für die Hardware einräumen können - bis dato sind gesetzlich zwölf Monate üblich.










