VDI-Kongress Automation 2009

Stefan Kuppinger,

Ein Opfer der Konjunktur

Rund 350 Teilnehmer – überwiegend aus Forschung, Hochschule und Industrie - trafen sich Mitte Juni im Rahmen des VDI-Kongresses Automation 2009 in Baden-Baden. Schade, dass das Veranstaltungs-Motto „fit for efficency“ so wenig Anklang bei den Anwendern fand.

VDI-GMA-Vorsitzender Prof. Dr. Gerald Gerlach bei der Eröffnung des Kongresses.

„Ich hätte mir mehr Anwender auf unserem Kongress gewünscht“, bedauerte Prof. Dr. Gerald Gerlach, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) auf der Pressekonferenz zu Veranstaltungsbeginn. Er führt das geringe Interesse auf die zusammengestrichenen Reisebudgets vieler Unternehmen zurück. Ein Problem, mit dem dieses Jahr schon mehrere Veranstaltungen und Messen zu kämpfen hatten. Insgesamt fiel der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr mit 370 Teilnehmern aber noch moderat aus. Auffallend auch die Abstinenz der Automobil-Hersteller und aus anderen diskreten Industrien. Dabei versteht sich der Automatisierungskongress als eine Kommunikationsplattform für Forschung, Industrie und Anwender der Fertigungs- und Prozessindustrien.

 

Dieses Jahr blieb es weitgehend beim Informationsaustausch zwischen Forschung und Industrie. Am Kongressprogramm liegt es jedenfalls nicht, das mit rund 80 Beiträgen ausgewogen war und interessante Automatisierungslösungen aufzeigte, beispielsweise das Thema Automation Grid. Abgeleitet aus der IT-Welt wurde ein Ansatz vorgestellt, wie beliebige Programme in einem SPS-Netzwerk ressourcen-abhängig auf unterschiedlichen Prozessoren verteilt und abgearbeitet werden. Der Vorteil: Die Prozessorleistung wird insgesamt wesentlich effektiver genutzt. Der Nachteil: Es ist eine umfassende Standardisierung der Dienste und Schnittstellen notwendig, um das herstellerübergreifend realisieren zu können. Der Einwand eines Teilnehmers: Worin besteht der Unterschied zur IEC 61499? Mit der sei die Verteilung von Programm-Code auf verschiedene Steuerungen schon heute möglich.

 

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Das Leitthema: Fit for efficiency!

Dr. Peter Terwiesch, Technischer Direktor bei ABB zur Automation 2009:„Die Automation hat der Digital-Technik sehr viele Innovationen zu verdanken.“

Automation Grid ist nur ein Beispiel, das in Bezug zum Leitthema steht: fit for efficiency! Wie wichtig die Automatisierungstechnik insgesamt für Effizienzverbesserungen ist, demonstrierte Dr. Peter Terwiesch, Technischer Direktor in der Schweizer ABB-Zentrale. Sein Fazit: Ohne Automatisierung gäbe es keine Effizienz- und Produktivitätssteigerungen. Als Belege dafür führte er unter anderem die erst durch Digital-Technik mögliche Gerätediagnose an oder die Programmierung von Lackierrobotern per Teach-In Roboter-Programmierung. „Signalrauschen, das wir früher unterdrückt haben, nutzen wir heute für die Prozessoptimierung und detektieren daraus beispielsweise die Blasenbildung bei Durchflussmessungen“, zeichnete Terwiesch die Entwicklung nach. Und auch Antriebsumrichter dienen heute bereits als Informations- und Überwachungsgeräte des Motors. „Aus Strom und Spannung können wir inzwischen Maschinenzustände, Lagerschäden und Unwuchten herausfiltern.“

 

Das viel diskutierte und auch im Kongress mit zwei Session bedachte Thema Wireless griff er ebenso auf: „Auch wenn die Welt um uns wireless wird, gibt es berechtigte Bedenken gegen deren Einsatz in der Automation.“ Geschlossene Regelkreise sieht er nach wie vor noch in weiter Ferne. Vielleicht werden erste konzeptionelle Überlegungen auf dem Automatisierungskongress 2010 vorgestellt. Der Termin 15.-16 Juni, Ort: Baden-Baden.

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