Visualisierung / HMI-Design

Stefan Kuppinger,

Echte „Hingucker“

Kurz vor der SPS/IPC/Drives hat der Visualisierungsanbieter Inosoft zusammen mit der auf User-Interface-Designs spezialisierten Firma Ergosign die HMI-Alliance gegründet. Über die Zielsetzung und Trends wie 3D und Multitouch sprach die Redaktion mit Inosoft-Geschäftsführer Peter Tanneberg.

Peter Tanneberg, Inosoft:„Die Entwicklung von Bedienoberflächen mit einem guten Design ist eine richtige Wissenschaft, die wir im Rahmen der HMI-Alliance auch dem Maschinenbau erschließen wollen.“

Herr Tanneberg, was gab den Anstoß für die Gründung der HMI-Alliance?

Tanneberg: In letzter Zeit stellen wir einen ganz klaren Trend fest: Kunden wollen ihre innovativen Maschinen mit einer ansprechenden und ergonomisch gestalteten Visualisierung ausstatten. Letztere soll nicht nur ein Hingucker sein, sondern muss auch die schnelle und fehlerfreie Einarbeitung und Bedienung durch den Maschinenführer sicherstellen. Soll das richtig gut werden, brauchen Maschinenbauer einen Fachmann für die Gestaltung und einen, der die Software liefert. Diese zwei Disziplinen führen Inosoft und Ergosign in der HMI-Alliance zusammen.

Welche typischen Fehler machen Maschinenbauer bei der Konzeption und Gestaltung ihrer Bedienoberfläche?

Tanneberg: Viele Maschinenbauer haben im Dialog mit ihren Kunden durchaus gute Oberflächen konzipiert. Aber auf User-Design und Ergonomie ausgebildete Fachleute haben eine ganz andere Wahrnehmung, stellen andere Fragen und verfügen über das „Händchen“ für die Gestaltung. Gutes Design einer Oberfläche ist eine richtige Wissenschaft, die an Hochschulen vermittelt wird. Beispielsweise sind immer zuerst die Anforderungen der typischen Anwender zu ermitteln oder sollten dem HMI-Entwickler bekannt sein. Hinzu kommen allgemeine Aspekte wie die menschliche Wahrnehmung und Motorik sowie die gestalterischen Merkmale. Eine ansprechende Bedienoberfläche nehmen Benutzer als besser bedienbar wahr. Für die Umsetzung des Konzepts in eine reale Applikation braucht es dann ein Visualisierungs-System wie unser VisiWin7, das die Werkzeuge bereitstellt, mit denen Designer und Techniker gemeinsam ihre Ideen kreieren und umsetzen können.

Können weitere Unternehmen Mitglied werden oder ist die Allianz eher eine Kooperation zwischen Inosoft und Ergosign?

Tanneberg: Wir haben über die verwendete Technik zueinander gefunden. Ergosign und Inosoft nutzen beide die Windows Presentation Foundation von Microsoft mit der XAML-Beschreibung. Bei ersten Projekten haben wir festgestellt, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Daraus entstanden ist jetzt die HMI-Alliance. Wir sind aber offen und nehmen gerne weitere Mitglieder auf, wenn es passt!

Inosoft gilt als Verfechter von „echten“ 3D-Visualisierungen. Wie ist die Akzeptanz im Vergleich zur klassischen 2D-Visu mit 3D-Effekten?

Tanneberg: Eine Störmeldung, die das Maschinenbild dreht und den Fehlerort exakt anzeigt, bietet im Gegensatz zu 3D-Effekten einen Mehrwert. Das ist nur ein Beispiel, warum sich immer mehr Firmen mit diesen Möglichkeiten beschäftigen. 3D erobert aber sicher nicht von heute auf morgen den Markt.

Wie groß ist der Mehraufwand im Vergleich zur klassischen 2D-Visualisierung?

Tanneberg: Es gibt leider keine Faustformel für den Mehr- oder sogar Minderaufwand. Das hängt davon ab, was ein Unternehmen machen möchte und welche Tools es einsetzt. Erstellt ein Maschinenbauer während der Entwicklung sowieso ein 3D-Modell, sind auch die 3D-Ansichten der Visualisierung inklusive der Detailbilder schnell realisiert.

Wie stehen Sie zum Thema Multitouch bei der Maschinen-Bedienung?

Tanneberg: Zusammen mit der Gestensteuerung ist das eine sehr interessante Technik, die auch nachgefragt wird. Schließlich kennen die Kunden das Prinzip mittlerweile von ihren Smartphones. Unsere Software kann das schon. Industrietaugliche Hardware ist aber noch rar.

Ihre Entwicklungs-Plattform basiert auf Microsofts .Net und könnte darüber in andere Entwicklungs-Systeme wie Codesys 3.0 integriert werden. Gab es schon Anfragen in diese Richtung?

Tanneberg: Unsere Software ist in die Entwicklungsumgebung Visual Studio von Microsoft integriert. Das haben nicht nur wir gemacht, sondern auch Steuerungsanbieter. In diesem Umfeld treffen wir auf Firmen wie Beckhoff und ihre Steuerungsplattform Twincat 3. Parallel dazu gibt es ebenso kundenspezifische Integrationen und Anfragen.

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