Umfrage

Lukas Dehling,

Der vernetzte Mitarbeiter kommt

Die Vernetzung von Mensch und Maschine ist einer der Zukunftstrends für Fertigungsunternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Accenture unter 500 Entscheidern, die rund ein Viertel aller Forschungs- und Entwicklungsausgaben in diesen Bereich fließen lassen wollen.

Auch Augmented-Reality-Systeme wie Datenbrillen sind eine wichtige Technologie für die Vernetzung der Mitarbeiter mit den Maschinen.

© Accenture

An der Umfrage „Machine dreams: Making the Most of the Connected Industrial Workforce“ nahmen mehr als 500 Entscheider in Asien, Europa und den USA teil, die in ihren Unternehmen für Vernetzung und Digitalisierung in der Produktion zuständig sind. Sie soll den Wandel hin zu einer engen Verzahnung von Maschinen, künstlicher Intelligenz und den Mitarbeitern in der Fertigungsindustrie belegen. So entsteht laut Accenture eine sogenannte ‚Connected Industrial Workforce‘, die in ihrer Arbeit von einer Kombination aus mobilen Technologien wie Wearables, Sicherheits- und Tracking-Technologien und Analytics unterstützt wird.

Die Studie zeigt, dass die Vernetzung der Mitarbeiter in der Fertigung bei der großen Mehrheit (94 %) der befragten Industrieausrüster und Autohersteller sowie -zulieferer bereits fester Bestandteil der Geschäftsstrategie ist: In den kommenden fünf Jahren planen die befragten Unternehmen rund ein Viertel der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben – also bis zu 220 Mrd. Euro – für die Vernetzung von Mensch und Maschine zu investieren. Das ergäbe eine Investitionssumme in Höhe von 181 Mrd. Euro für Unternehmen der Automobilindustrie und 39 Mrd. Euro für Industrieausrüster.

Anzeige

Zögern bei der Umsetzung

Obwohl die befragten Fertigungsunternehmen Vorteile in der Vernetzung von Mensch und Maschine sehen, sind sie bei der Umsetzung von konkreten Projekten bisher zögerlich. So hat weniger als ein Viertel der Unternehmen (22 %) bereits umfassende Lösungen für die ‚Connected Industrial Workforce‘ in der eigenen Fertigung implementiert. 85 % der Studienteilnehmer sehen ihr Unternehmen beim Einsatz von digitalen Technologien nur als Mitläufer oder gar Nachzügler, jedoch nicht in einer führenden Position.

Einer der Stolpersteine ist die technische Umsetzung bei der Vernetzung von Mensch und Maschine: Mehr als drei Viertel (76 %) aller befragten Führungskräfte sehen in der fehlenden Datensicherheit ein mittleres oder großes Risiko. 72 % der Befragten stufen die Komplexität und die damit verbundenen Gefahren als mittleres oder großes Risiko ein. Für sieben von zehn Entscheidern (70 %) stellt der Mangel an ausreichend qualifizierten Mitarbeitern ein solches Risiko dar.

Fahrerlose Transportfahrzeuge im Fokus

Vor allem bei Klebe- und Schweißarbeiten sollen sogenannte “Cobots” in Zukunt zum Einsatz kommen.

© Accenture

Die große Mehrheit (85 %) der befragten Unternehmen ist der Ansicht, dass sich der Fokus in der Produktion zunehmend in Richtung Interaktion von Mensch und Maschine verschieben wird. Insbesondere fahrerlose Transportfahrzeuge – also mobile Roboter, die Materialien in der Fabrik oder der Lagerhalle hin- und her bewegen – spielen hier eine wichtige Rolle. Bei den befragten Unternehmen fließen mehr als die Hälfte der Investitionen bereits in solche Robotertechnologien. Zudem planen die Unternehmen in den nächsten fünf Jahren ihre Ausgaben für Roboter zu steigern, die Hand in Hand mit Menschen und außerhalb von Käfigen arbeiten (Collaborative Robots, kurz Cobots). Hinzu kommen Investitionen in Augmented-Reality-Systeme wie Datenbrillen oder sogenannten Smart Helmets, also mit Minicomputern und Bildschirm ausgestattete Helme.

Um den Sicherheitsrisiken der Connected Industrial Workforce zu begegnen, investieren viele Unternehmen auch in den Ausbau ihrer bestehenden IT-Infrastruktur. Weiterhin haben 89 % aller Unternehmen, die sich laut Studie zu den Vorreitern bei der Vernetzung von Mensch und Maschine sehen, bereits damit angefangen, gezielt Experten mit bisher nicht in der Belegschaft vorhandenen Qualifikationen einzustellen.

Automobilindustrie als Vorreiter

Von den untersuchten Fertigungsunternehmen zeigen die Automobilhersteller und ihre Zulieferer das größte Interesse an kollaborativen Robotern, fahrerlosen Transportfahrzeugen und Augmented-Reality-Geräten wie Datenbrillen oder Smart Helmets. Bei einem Autohersteller mit einem jährlichen Umsatz von 50 Mrd. Euro könnte die Vernetzung von Mensch und Maschine bis 2020 die Profitabilität um 500 Mio. Euro steigern, so die Berechnung von Accenture. Davon entfallen 50 Mio. Euro auf Forschung und Entwicklung, 415 Mio. Euro auf die Fertigung und Logistik sowie weitere 30 Mio. Euro auf Service und Kundendienst.

Die Studie zeigt auch Länderunterschiede: So planen Unternehmen in den USA, 40 % der gesamten F&E-Ausgaben in die Entwicklung von Lösungen für die ‚Connected Industrial Workforce‘ zu investieren. An zweiter Stelle folgen chinesische Unternehmen, die dafür 23 % des F&E-Budgets zur Verfügung stellen. Unternehmen in Deutschland und Frankreich wollen hier jeweils 20 % beziehungsweise 19 % ihres F&E-Budgets investieren. Japanische Unternehmen planen von allen untersuchten Ländern mit nur 17 % des Gesamtbudgets die geringsten F&E-Ausgaben für die Connected Industrial Workforce.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Radar-Sensor

Die eigene Hand als Interface

Knöpfe und Tasten werden überflüssig. Die 'Soli'-Radartechnik von Google ATAP und Infineon ermöglicht die Steuerung von Geräten per Handbewegung. Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O in Mountain View, USA, wurden zwei Prototypen vorgestellt.

mehr...

Bachmann

Mehr Sicherheit für die Industrie

Die ‚atvise‘-Produktfamilie von Bachmann, die Visualisierung, Bedienung, Betriebsdatenerfassung und Leitstand-Technik (SCADA) auf Basis von OPC UA und Webtechnologie umfasst, hat mit den Versionen 3.13 und 3.14 wichtige Updates erhalten.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Inosoft

Retrofit von Industrierechnern

Wenn bewährte IPCs in die Jahre kommen, steigt nicht nur das Ausfallrisiko, auch fehlende Sicherheitsupdates werden zum Problem. Ein durchdachter Retrofit kann helfen, bestehende Anlagen wirtschaftlich und regulatorisch konform weiter zu betreiben.

mehr...

Polyrack

Die richtige Anzeige für HMIs

Von LCD bis E-Paper – die Displaywahl beeinflusst Bedienbarkeit, Energie-verbrauch und Produktlebensdauer von HMIs. Neben technologischen Parametern spielen Integration, EMV-Design und Sourcing eine Rolle. Der Artikel gibt einen strukturierten...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Pepperl+Fuchs

Sichere Authentifizierung mit HMIs

Im Reinraum wird jeder Login zur Herausforderung: Strenge GMP-Vorgaben, komplexe Passwörter und lückenlose Rückverfolgbarkeit treffen auf Handschuhe, Schutzkleidung und Zeitdruck. Was wie ein Detail wirkt, beeinflusst Effizienz, Sicherheit und...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren