Visualisierung / Multi-Touch

Stefan Kuppinger,

Bedienen und Beobachten unter Windows 7

Mit Windows 7 und dessen Multi-Touch-Funktionen bringt Microsoft Bewegung in die Visualisierungswelt. Das Potenzial der Bedienfunktionen erläutert André Lange, Geschäftsführer der Firma Iconics, deren Scada/HMI-Software bereits Windows-7-zertifiziert ist.

Andre Lange, Iconics: „Die Multi-Touch-Funktionen von Windows 7 werden sich auch in der Industrie durchsetzen.“

Herr Lange welche Multi-Touch-Funktionen haben Sie konkret implementiert?

Lange: Windows 7 unterstützt unter anderem die Mehrfinger-Eingabe, besser bekannt als Multi-Touch: Mit einem einfachen Fingertipp rotiert die laufende Visualisierungs-Applikation. Doppeltes Antippen bewegt den Inhaltsblock und spreizende Finger zoomen und zentrieren einen Inhaltsblock. Drücken und Halten interpretiert Windows 7 als rechten Mausklick. Daneben unterstützen wir die so genannten Jump-Lists und die Miniaturansichten-Vorschau, um die wichtigsten Neuerungen zu nennen.

Bei welchen Bedienaktionen bringen diese Funktionen Vorteile?

Lange: Die Mehrfinger-Bedienung hat ihre Stärken bei der Handhabung von grafischen Elementen. Auch die alphanumerische Eingabe von Sollwerten, Passwörtern oder von Kommentaren zu Fehlermeldungen kann künftig mit dem 10-Finger-System über eine virtuelle Bildschirm-Tastatur schneller erfolgen. Events wie „Start" und „Stop" werden wie bisher als Single-Fingertipp durchgeführt.

Wie groß war der Aufwand, die Multi-Touch-Funktionen in ihre Software zu implementieren.

Lange: Wir haben schon vor fünf Jahren bei der Entwicklung der Vista-basierten Generation unserer Scada/HMI-Software damit begonnen, die elementaren Microsoft-Technologien wie WPF und WCF konsequent zu nutzen. Daher ist unser Quellcode bereits komplett auf Vista, 64 Bit und .Net 3.0 umgestellt. Das hat die Migration auf Windows 7 wesentlich beschleunigt.

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Wie groß ist der Aufwand für Maschinen- und Anlagenbauer, ihre bestehenden Applikationen auf die Multi-Touch-Funktionen umzustellen?

Lange: Bei unserer Visualisierung Genesis64 entsteht kein zusätzlicher Aufwand beim Wechsel. Auch ältere Applikationen auf Basis von Genesis32 können fast vollständig übernommen werden und unterstützen nach der Konvertierung die Multi-Touch-Bedienung. Anlagen und Maschinenbauer profitieren außerdem von der neuen Importfunktion von CAD-Daten. Über das Dateiformat „Collada" lassen sich nicht nur die geometrischen Daten übernehmen, sondern auch die kinematischen Informationen.

Die CAD-Daten einer Roboterzelle, die mit Catia geplant und simuliert wurde, können auf Knopfdruck übernommen werden und sind mit geringem Engineering-Aufwand als Visualisierung nutzbar. Im Vergleich zu den herkömmlichen Engineering-Abläufen führt das zu Einsparungen von 95 %.

Haben Sie schon Erfahrungswerte zum Ressourcenbedarf von Windows 7 in HMI-Applikationen?

Lange: Windows 7 ist weitaus ressourcenschonender als Vista. Die Betriebssystem Reaktionszeiten haben sich verbessert. Auch der Boot- und Shutdown-Vorgang ist im Vergleich zu Vista jetzt deutlich schneller.

Iconics war schon bei Windows Vista ein früher Protagonist - etabliert hat sich Windows Vista in der Industrie aber nicht. Was waren aus ihrer Sicht die Gründe?

Lange: Das lag auch an den typischen Innovationszyklen. Microsoft bringt etwa alle drei bis vier Jahre ein neues Betriebssystem heraus, Maschinenbauer aber nur etwa alle fünf bis sieben Jahre eine neue Maschinengeneration. Daher haben viele Unternehmen Vista übersprungen und müssen jetzt auf Windows 7 umstellen - um die Performance und modernen Entwicklungstools zu nutzen, aber auch um den technischen Anschluss nicht zu verpassen. Windows 7 wird eine stärkere und schnellere Durchdringung des Marktes haben, als Vista hatte.

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