SEW-Eurodrive

Hans-Joachim Müller | Andrea Gillhuber,

Starterset für aseptischen Bereich

Ständig wechselnde Konsumtrends, kleinere Chargen sowie Nachhaltigkeit fordern von der Getränkeindustrie mehr Flexibilität und Modularität im Fertigungsprozess. Ein Starterset hilft dabei, Maschinen und Anlagen marktgerecht anzupassen.

© SEW-Eurodrive

Rasant und immer individueller – so lässt dich der Wandel der Konsumententrends in der Getränkeindustrie am besten beschreiben. Was heute Konjunktur hat, ist morgen schon wieder uninteressant für die Verbraucher. Wurde früher über einen langen Zeitraum lediglich der Schokodrink konsumiert, ist es heute der Schokochino in der Light-Variante, morgen vielleicht der laktosefreie Joghurt-Drink und übermorgen der vegane Mandelmilch-Latte-Macchiato. Die Industrie muss mithalten und entsprechend Maschinen zur Herstellung und Abfüllung der Getränke im Turboprinzip umrüsten. Häufige Produktwechsel sowie kleinste Chargen und Bechermengen bringen aber auch einen höheren Reinigungsaufwand und wachsende Reinigungszyklen mit sich – wofür die Maschinen und Komponenten ausgelegt sein müssen.

Hinzu kommt der Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Verpackt und versiegelt die horizontale Füll- und Verschließmaschine heute noch Getränkebecher mit Aludeckel, sind morgen nachhaltige Verpackungen aus Glas ebenso gefragt wie Becher aus Monomaterial bzw. wiederverwendbarem Polypropylen. Damit verändern sich aber auch die Maßstäbe für den Versiegelungsprozess, wie die benötigte Zeit zum Versiegeln und die verwendete Temperatur. Wie können Maschinenbauer diese Anforderungen erfüllen und Maschinen für die Getränkeindustrie auf den Markt bringen, die ein schnelleres Umrüsten in der Abfüllung zulassen und dabei die hygienischen Vorschriften erfüllen?

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Ganzheitliche Automatisierungslösung für horizontale Füll- und Verschließmaschinen im aseptischen Bereich: "Starterset Horizontal Fill and Seal progressive 637". Es entlastet Maschinenbauer bei der Projektierung und Umsetzung horizontaler Füll- und Verschließmaschinen. Die enthaltenen Software- und Hardware- Pakete sind optimal aufeinander abgestimmt.

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Maschinen flexibel anpassen

Diesen Anforderungen begegnet SEW-Eurodrive mit einer ganzheitlichen Automatisierungslösung, die es ermöglicht, Maschinen schneller umzurüsten und die gestiegenen Ansprüche in puncto Hygiene und den Versiegelungsprozess zu realisieren. Das ‚Starterset Horizontal Fill and Seal progressive – Hygienic (637)‘ eignet sich für den aseptischen Bereich und erfüllt somit die hohen Ansprüche der Getränkeindustrie. Die enthaltenen Komponenten sind optimal aufeinander abgestimmt und erlauben es Maschinenbauern, die einzelnen Automatisierungskomponenten zu nutzen und dadurch Maschinen flexibel marktgerecht anzupassen.

Das Starterset 637 wurde speziell für horizontale Füll- und Verschließmaschinen entwickelt, für Getränkeabfüllung in hoher Taktzahl ohne Überschwappen.

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Um Anforderungen an hygienische Reinigbarkeit, wie die einfache Reinigungsfähigkeit und Resistenz gegen Reinigungsmittel zu erfüllen, setzt der Automatisierungsspezialist auf Servomotoren der Baureihe ‚CM2H‘. Aufgrund des hygienischen Designs in Edelstahl und glatter Oberfläche mit Radien >3 mm und einer Rauheit <0,8 µm sind die Motoren speziell für den Einsatz in Maschinen der Lebensmittel- und Getränkeproduktion geeignet und wurden in einem hygienischen Design ohne Ecken, Kanten oder Hohlräume konzipiert. Sie erfüllen damit die hohen Ansprüche der Hygiene, sind sehr langlebig und besonders leicht zu reinigen. Die kompakten Einheiten aus Synchron-Servomotoren und Planetengetriebe sind IP69K-zertifiziert und damit resistent gegen Hochdruck, Heißdampf und korrosive Reinigungsmittel. Die Antriebe lassen sich auch für wirksame, aber für Antriebskomponenten herausfordernde, automatisierte Reinigungsverfahren wie Cleaning in Place (CIP) und Sterilizing in Place (SIP) einsetzen. Erhältlich sind sie in fünf Baugrößen in unterschiedlichen Längen im Nenndrehmoment-Bereich von 1,0 bis 103,6 Nm sowie vier unterschiedlichen Übersetzungen je Getriebe.

Software reduziert Schwappverhalten

Herzstück des Movikit-Bundles: Das Software-Modul ‚Movikit AntiSlosh‘. Speziell für horizontale Füll- und Verschließmaschinen entwickelt, verkürzt es die Zeit, die eine Flüssigkeit nach einer Bewegung zur Beruhigung benötigt. Das Ergebnis: Abfüllung in hoher Taktzahl ohne Überschwappen.

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Eine weitere Besonderheit bei der Abfüllung von Flüssigkeiten ist deren Schwappverhalten. Durch den Taktbetrieb der Maschine besteht die Gefahr, dass die Flüssigkeit aufschwingt und überschwappt. Das kann zum Beispiel zu Siegelproblemen durch Verschmutzungen führen – was den Ausschuss erhöht und so die Gesamtanlageneffektivität (OEE) senkt. Gezielt für die horizontale Füll- und Verschließmaschine hat SEW-Eurodrive darum das Software-Modul ‚Movikit AntiSlosh‘ entwickelt, welches unabhängig von Geschwindigkeit und Beschleunigungsvorgaben das Aufschwappen der Flüssigkeit bei taktenden Bewegungen verhindert. Dazu werden optimale Bewegungsprofile anhand einer intelligenten Abstimmung auf die physikalischen Eigenschaften der Flüssigkeit erstellt. Da die Anregung vermindert wird, braucht die Flüsssigkeit nach Beschleunigungs- und Verzögerungsphasen wesentlich kürzer um wieder zum Stillstand zu kommen.

Resistent gegen Hochdruck, Heißdampf und korrosive Reinigungsmittel: Die Synchron-Servomotoren sind IP96K-zertifziert und für Cleaning in Place (CIP) und Sterilizing in Place (SIP) Prozesse geeignet.

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Durch das saubere Abfüllen wird mit dem optimierten, intermittierenden Transport von offenen Flüssigkeiten und dem verminderten Ausschuss von Produkten eine Erhöhung der Maschinenperformance bis zu 25 % erzielt. Der Überschwappschutz stellt einen hygienischen Transport der Flüssigkeiten sicher und reduziert den Reinigungsaufwand in der Maschinenumgebung um bis zu 20 %. Die Siegelqualität wird erhöht, da die Siegelflächen sauber bleiben, was auch Rückrufaktionen durch Kontaminierung vermeidet.

Flexible und skalierbare Lösung

Beispiel für eine horizontale Füll- und Verschließmaschinen im aseptischen Bereich.

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Das Starterset besteht aus einem modularen, skalierbaren Baukasten. Software- und Hardware-Pakete sind dabei optimal aufeinander abgestimmt. Durch diese Vorselektion der Grundkomponenten können Maschinenbauer den Aufwand für Projektierung und Programmierung und somit die Projektlaufzeit um mehrere Wochen verkürzen.

Neben den erwähnten Edelstahl-Servomotoren der Baureihe ‚CM2H‘ gehören die übergeordnete Steuerung Movi-C Controller für die Automatisierung und Bewegungssynchronisationen, maschinentypische I/O-Module, ein web- basiertes HMI-Operator-Panel zur einfachen Maschinenbedienung, sowie für die applikative Umsetzung in der Steuerung das Movikit-Bundle ‚FillSeal‘ zum Starterset. Dieses Software-Bundle besteht aus 15 Movikit-Software-Bausteinen, zu denen auch das ‚Movikit AntiSlosh‘ zählt. Diese Bausteine decken alle Funktionalitäten für die Automatisierung von horizontalen Füll- und Verschließmaschinen ab: Lizenzen für das Programmiertemplate ‚AutomationFramework‘, Web-Visualisierung, OPC-UA-Datenserver, Kurvenscheibenfunktionalität, schwingungsfreie Bewegungsprofile, Unterstützung von Feldbus-Master und weitere maschinen- typische Funktionen (Wickeln, Schneiden und Siegeln). Zudem sind die Movikit-Module vorprogrammiert und können so in kurzer Zeit in Betrieb genommen werden, in dem sich wichtige Funktionen schnell durch Parametrierung realisieren lassen. SEW-Eurodrive arbeitet darüber hinaus mit einer frei programmierbaren Codesys-Umgebung, die es ermöglicht, spezifische Anpassungen vorzunehmen. So kann das individuelle Know-how des Maschinenbauers mit in die Maschinen einfließen, Programmieraufwand für Standardfunktionen hingegen entfällt.

Durchgängige Kommunikation

Für Verpackungsmaschinen besonders hervorzuheben ist der Software-Baustein ‚Movikit Automation Framework‘. Dieser nach Packaging Machine Language (PackML) standardisierte State- und Mode-Manager bildet eine „Hülle“ für das Anwenderprogramm. Somit arbeiten alle im Automation Framework enthaltenen Software-Module mit dem gleichen Zustand (State) – sie begeben sich zusammen in Warteposition oder starten gemeinsam. Wird ein neues Modul integriert, ist es Teil dieser Synchronisierung. Das vereinfacht Anlagenerweiterungen oder -veränderungen und spart am Ende Zeit und Kosten bei der Inbetriebnahme und Diagnose. Um eine durchgängige Kommunikation zu unterstützen, gibt es im PackML-Standard die Schnittstelle ‚PackTag‘, die dafür sorgt, dass ein- und ausgehende Maschineninformationen standardisiert sind.

Der Autor: Hans-Joachim Müller ist Marktmanager Antriebselektronik bei SEW-Eurodrive in Bruchsal.

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Datenzugriffe nach externen Schnittstellen werden mittels dem Software-Baustein ‚Movikit OPC UA‘ ermöglicht. Somit kommunizieren Maschinen innerhalb einer Produktionslinie mit derselben Sprache und nachfolgende Aufgaben wie externe Datenvisualisierung werden vereinfacht.

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