Bosch Rexroth AG
Pneumatik steht zum Verkauf
Neben erfreulichen Geschäftszahlen gab Bosch-Rexroth-Chef Dr. Karl Tragl auf der Jahrespressekonferenz in Hannover bekannt, dass die Pneumatik nicht mehr in die Strategie des Unternehmens passt und demzufolge veräußert werden soll.
„Wir haben 2011 in allen Regionen und Business Units deutlich zulegen können und unser Ziel übertroffen“ – umreißt Tragl die Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres. Konkret konnte der weltweit tätige Zulieferer für den Maschinen- und Anlagenbau seinen Umsatz gegenüber 2010 um 27,2 % auf 6,44 Mrd. Euro steigern - der höchste Wert in der bisherigen Unternehmensgeschichte. Der Auftragseingang lag zum Jahreswechsel mit 7,2 Mrd. Euro um 22 % über dem bereits sehr hohen Vorjahreswert.
Nach Regionen betrachtet ergibt sich folgendes Bild: In Deutschland stieg der Umsatz aufgrund der starken Maschinenbaukonjunktur um fast 25 %. Außerhalb Deutschlands legte das Unternehmen in Europa sogar mehr als 33 % zu. In Asien-Pazifik setzte sich die hohe Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre mit einem Plus von mehr als 26 % fort, in Indien stieg der Umsatz 2011 sogar um mehr als 34 %. In China schließlich wurde die Schwelle von einer Milliarde Euro fast erreicht. Nicht zuletzt trugen auch Nord- und Südamerika mit einem Umsatzplus von mehr als 20 % zum Unternehmenserfolg bei.
Während das Jahr 2011 wirtschaftlich also alle Erwartungen übertroffen hat, blickt Tragl nur „vorsichtig optimistisch“ auf das laufende Geschäftsjahr. Als Gründe hierfür nennt er die verhaltene Entwicklung des Maschinen- und Anlagenbaus in Deutschland im ersten Quartal 2012 und das verlangsamte Wachstum in China. Weil Tragl jedoch davon ausgeht, „dass wir schon im zweiten Halbjahr in Deutschland wieder ein Wachstum sehen werden“, und da China auch bei geringeren Wachstumsraten als bisher weitere Chancen für Umsatzsteigerungen biete, werde Bosch Rexroth aller Voraussicht nach auch 2012 wachsen - wenn auch nicht so stark wie in 2011.
Wer kauft die Pneumatik?
Nach dem Zahlenwerk stand das Thema Produkt-Strategie auf der Tagesordnung. So habe man in den vergangenen Jahren einige Unternehmen akquiriert, deren Technologien das existierende Portfolio abrunden und zusätzliche Wachstumschancen eröffnen. Als Beispiel Tragl den Kauf von Hägglunds, einem Spezialisten für Hochleistungsantriebe, ergänzt allerdings im selben Atemzug: „Auf der anderen Seite desinvestieren wir auch Bereiche, die nicht mehr optimal zu unserer auf Märkte und Branchen fokussierten Strategie passen.“
Einer davon ist die besagte Pneumatik. Zwar habe man diesen Bereich in den vergangenen Jahren erfolgreich restrukturiert; „wir sehen aber, dass die Pneumatik als Teil von Multitechnologielösungen in unseren fokussierten Zielbranchen der Fabrikautomation nur einen geringen Differenzierungsbeitrag leistet“, so Tragl. Darum mache es Sinn zu prüfen, ob es für die Pneumatik eine langfristig bessere Umgebung beispielsweise im Umfeld der Medizintechnik, in der Schwerindustrie oder als Zulieferer für LKWs gebe. Konkrete Namen will Tragl derzeit keinen nennen. Nur soviel: „Wir befinden uns aktuell in Gesprächen mit einem Interessenten, der den Pneumatik-Bereich akquirieren will. Über das Umsatzpotential der Pneumatik machte Tragl ebenfalls keine Aussage. Wiederum nur soviel: In diesem Geschäftsfeld sind bei Bosch Rexroth weltweit rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt.












