Statistisches Bundesamt/VDMA
Deutsche Industrie erhält erneut weniger Aufträge
Noch stützt ein Auftragspolster aus der Corona-Pandemie die Industrie. Doch zum Start ins zweite Quartal sinken die Bestellungen. Ökonomen sehen darin schlechte Vorzeichen für die Konjunktur. Der VDMA meldet ebenfalls rückläufige Aufträge.
Die deutsche Industrie ist schwach ins zweite Quartal gestartet. Die Auftragseingänge fielen im April gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag (06.06.2023) in Wiesbaden mitteilte. Der Rückgang folgt auf einen Einbruch im März, der mit 10,9 Prozent sogar noch etwas deutlicher ausfiel als bisher bekannt. Zum Vorjahresmonat gingen die Auftragseingänge im April um 9,9 Prozent zurück.
»Nach dem starken Einbruch im März entwickelten sich die Auftragseingänge auch am Anfang des zweiten Quartals insgesamt schwach«, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Allerdings sei der Auftragsbestand noch immer auf vergleichsweise hohem Niveau. »Insgesamt deuten die schwachen Auftragseingänge aber noch nicht auf kurzfristige Wachstumsimpulse für die Industrieproduktion hin.«
Im Detail stieg die Nachfrage aus dem Inland im April, die Auslandsnachfrage gab hingegen nach. Investitions- und Konsumgüter wurden jeweils weniger geordert als im Vormonat. Die Bestellungen von Vorleistungsgütern zogen dagegen an. Für Belastung sorgten vor allem Großaufträge. Ohne diese schwankungsanfällige Komponente wären die Gesamtaufträge um 1,4 Prozent gestiegen.
Das Wirtschaftsministerium wies darauf hin, dass die Entwicklung nicht in allen Bereichen schwach verlaufen sei. Zuwächse hätten die Bereiche Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile sowie chemische Erzeugnisse verzeichnet. Rückgänge habe es dagegen in den Bereichen pharmazeutische Erzeugnisse und Maschinenbau gegeben.
Ökonom Ralph Solveen von der Commerzbank sprach von schwierigen Zeiten für die Industrie. Zwar dürfte die Produktion noch einige Monate durch die während der Corona-Pandemie liegengebliebenen Aufträge gestützt werden. »In der zweiten Jahreshälfte droht aber ein deutlicher Rückgang, der maßgeblich dazu beitragen dürfte, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt in der zweiten Jahreshälfte schrumpfen wird.«
VDMA: Schwacher Start ins Frühjahr
Im April sind die Auftragseingänge im Maschinen- und Anlagenbau deutlich um real 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Darin spiegelt sich die zuletzt schlechter gewordene Stimmung in der Wirtschaft wider.
Die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau weisen einen schwachen Start ins Frühjahr 2023 auf: Nachdem der März mit einem Minus in Höhe von 6 Prozent einen kleinen Lichtblick gebracht hatte, gingen die Bestellungen im April wieder deutlich um real 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, meldet der VDMA. Dabei sanken die Bestellungen aus dem Inland um 15 Prozent, während die Auslandsorders um 23 Prozent schrumpften (Euro-Länder: minus 21 Prozent, Nicht-Euro-Länder: minus 24 Prozent). »Dieses Monatsergebnis spiegelt die zuletzt schlechter gewordene Stimmung in der Wirtschaft wider«, sagt VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. »Nach wie vor sind die weltwirtschaftlichen Belastungen groß, so dass eine Besserung im Bestelleingang noch ausbleiben dürfte.«
Im weniger schwankungsanfälligen Drei-Monats-Zeitraum Februar bis April 2023 sanken die Bestellungen um real 14 Prozent zum Vorjahr - sowohl im Inland als auch im Ausland. Aus den Euro-Ländern kamen 15 Prozent weniger Orders, das Minus aus den Nicht-Euro-Ländern betrug 13 Prozent.













