Künstliche Intelligenz
Wie schlägt sich Deutschland im Vergleich?
Künstliche Intelligenz war das Thema auf der Hannover Messe 2019. Doch wie ist das Stimmungsbild und vor allem: Wie ist die Wettbewerbsposition Deutschlands in puncto KI? Der VDE ist diesen Fragen mit einer Mitglieder-Befragung nachgegangen.
Ansgar Hinz, CEO des VDE, warnt: "Die Marke 'Made in Germany' verblasst!"
© Computer&AUTOMATION“Uns geht es aktuell in Deutschland offensichtlich zu gut, um wahrzunehmen, dass der Abgesang auf den Industriestandort Deutschland bereits begonnen hat.“ Mit diesen aufrüttelnden Worten führt Ansgar Hinz, CEO des VDE, in die Pressekonferenz auf der Messe und fährt fort: „Gerade bei Zukunftstechnologien, Methoden und Querschnittskompetenzen wie bei KI sind wir im Weltvergleich maximal Mittelmaß!“ Die Berechtigung für diesen Industrie-Pessimismus zieht Hinz aus der jüngsten Umfrage unter 1350 VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen. Demnach hinkt Deutschland den führenden KI-Nationen – allen voran China und die USA – hinterher. Nur 10 % der Unternehmen und 7 % der Hochschulen seien überzeugt, dass unsere Hochschulen in der KI-Forschung mit den USA und China mithalten könnten. Hinz: „Es fehlt an Investments, Infrastruktur und vor allem an Experten!“
USA, China und Japan führend in KI
Aktuell hätten die USA, dicht gefolgt von China und Japan, die Nase vorn beim Thema KI. Auch Israel und Korea würden vor Deutschland liegen, das mit Europa das Schlusslicht bilde. Zur Beweisführung legt Hinz die Anzahl der Patentanmeldungen zu KI vor: So kämen 60 % aller weltweit getätigten Patentanmeldung zu KI aus den USA – allen voran die üblichen Verdächtigen: Microsoft, Alphabet, Intel, Apple, Amazon – dicht gefolgt von China und Südkorea. Von den deutschen Unternehmen schafft es laut Hinz nur Siemens, auf Rang 16 zu kommen.
Jeweils sechs von zehn Befragten erwarten die Implementierung industrieller KI in China und in den USA bis 2025, in Deutschland sieht die Mehrheit eine spätere Umsetzung. Für 71 % der Unternehmen ist Bremsfaktor Nummer 1 am Standort Deutschland das mangelnde Wissen zu KI, gefolgt vom Fachkräftemangel und gesetzlichen Hürden (knapp 50 %). Die Hochschulen plagen ebenfalls der Fachkräftemangel (67 %), mangelndes Know-how und fehlendes Budget (je 53 %). 59 % der Unternehmen und jede zweite Hochschule sind überzeugt, dass in Deutschland und Europa, im Vergleich zu den USA und China, nicht genügend Mittel für die Umsetzung revolutionärer technischer Veränderungen bereitgestellt werden.
Industrie 4.0 – Deutschland schwächelt
Hinz spannt den Bogen aber auch noch weiter: Auch beim Innovationsranking Industrie 4.0 hätten die asiatischen Wettbewerber – China, Japan, Südkorea – zum Teil deutlich die Nase vorn. „Deutschland landet nur im Mittelfeld, Europa bildet das Schlusslicht!“, zieht der CEO ein Fazit und liefert als Begründung hinterher: „Das Grundproblem ist, dass sich die deutsche Industrie lange auf ihrem Status quo ausgeruht hat und damit schlichtweg in vielen Bereichen den Anschluss an die USA und China verpasst hat, die die Digitalisierung auf allen Ebenen vorantreiben“, erklärt Ansgar Hinz die negative Stimmung unter den Befragten. 60 % der Hochschulen und 50 % der Unternehmen seien hiervon überzeugt. Sie glaubten auch, dass die Industrie Schwierigkeiten damit hat, mithilfe der Digitalisierung revolutionäre Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Um es auf den Punkt zu bringen: Wir müssen raus unserer Komfortzone“, fordert der VDE-Chef. Dafür müsse jetzt an unterschiedlichen Stellschrauben gedreht werden, allen voran an der Innovations-Exzellenz, der Branchenkonvergenz und an unserer Risikobereitschaft.














