EEBus-Initiative
Weichenstellung für die Vernetzung im Smart Home
Die Entwicklung einer intelligenten Vernetzung im Smart Home tritt in die entscheidende Phase. Es werden nicht nur zunehmend mehr elektronische Geräte mit Internetanschluss und neuen Funktionalitäten ausgestattet - auch die Entscheidung, welcher Kommunikationsstandard die Konnektivität möglichst vieler Geräte ermöglichen soll, steht bevor.
Peter Kellendonk, 1. Vorsitzender der EEBus-Initiative
© EEBus-InitiativeLange Jahre waren es für Endverbraucher nur auf einzelne Anwendungen begrenzte Spielereien. Da fuhren Jalousien runter, wenn die Sonne stark schien oder bestimmte Lichtkombinationen im Haus konnten gespeichert und bei Bedarf wieder aktiviert werden. Doch inzwischen geht es bei Smart-Home-Anwendungen nicht mehr nur um solche einzelnen Anwendungen, sondern um die komplette intelligente Steuerung des gesamten Hauses, um das Zusammenspiel und die Synchronisation aller digitaler Funktionen im gesamten Haus – bis hin zur Einbeziehung des Automobils. Energieeinspar- und Sicherheitsaspekte spielen dabei eine wachsende Rolle.
Geld sparen durch Energie einsparen
Die Anzahl der Anwendungsmöglichkeiten kennt inzwischen kaum noch Grenzen, seitdem fast jeder Haushalt ein Smartphone oder einen Tablet-PC zur Verfügung hat. Beispielsweise kann eine intelligente Steuerung verhindern, dass nach Verlassen des Hauses der Herd versehentlich an bleibt. Sofort bekommt der oder die Vergessliche unterwegs eine Warn-Nachricht. Kräftig Energiekosten einsparen können Smart-Home-Bewohner, wenn sie den mit der eigenen Solaranlage erzeugten Strom mit Hilfe einer intelligente Steuerung im eigenen Haushalt nutzen. Produziert wird Sonnenstrom mit neuen PV-Anlagen nämlich für rund 15 Cent (pro Kilowattstunde), während die Energie vom Netzversorger für bis zu 30 Cent fremd eingekauft werden muss.
Möglich macht dies folgendes Vorgehen: Die PV-Anlage liefert auf Grundlage der Wettervorhersage einen Prognosewert, wie viel Strom wann produziert wird, an einen Energiemanager. Wärmepumpe, Waschmaschine, Trockner, Kühl- und Gefrierschrank melden dem Energiemanager zurück, wann und wie viele Möglichkeiten sie sehen, Energie zu zapfen, damit diese möglichst effizient genutzt werden kann. Bis zu 60 % des gesamten Strombedarfs kann ein Durchschnittshaushalt auf diese Weise bereits günstig beziehen.
Intelligente Steuerung über Grenzen hinweg
Durch künftige lastvariable Stromtarife kann der Vorteil noch größer werden. Weitere Informationen, z. B. die Optimierung der verursachten CO2-Werte pro Kilowattstunde, können künftig Steuer-Grundlage sein.
Kein Wunder, dass mit solchen Aussichten die Technik fürs smarte Zuhause mehr und mehr begehrt wird. Denn die moderne Vernetzungstechnik beschränkt sich nicht allein auf Neugeräte. Altgeräte können aufgerüstet werden. Bis 2020 soll sich die Anzahl der Geräte mit Internetanschluss auf bis zu 70 Milliarden fast verzehnfachen. Das Internet der Dinge kommt jetzt mit Macht. Und so stellt sich die entscheidende Frage, wie die Kommunikation zwischen diesen elektronischen Geräten funktionieren soll, damit sich im Haushalt Waschmaschine, Gefriergerät, Solaranlage, Heizung, Lichtschalter und Smartphone miteinander verständigen können – branchen- und herstellerübergreifend.
Ein offener für alle zugänglicher Standard, der die umfassende intelligente Steuerung beschreibt, ist das Ziel der EEBus-Initiative. Dieser gehören inzwischen fast 60 internationale Unternehmen und Verbände mit den Schwerpunkten Elektronik, Energie sowie Informations- und Kommunikationswesen an, etwa ABB, Bosch, BSH, E.ON, EnBW, Intel, Kabel Deutschland, Liebherr, Miele, Schneider Electric, SMA, SolarWorld, Telekom, TÜV Rheinland, Vaillant, VDA und VDE (vollständige Liste auf der Website der EEBus-Initiative).
Nur mit einem übergreifenden Standard wird es gelingen, alle Anwendungen verschiedener Hersteller über eine Anwendung – etwa eine App – zu steuern. "Der EEBus-Standard überwindet die Barrieren der spezifischen Sektoren und unterschiedliche technische Ansätze. Das ermöglicht das Vernetzen von Millionen verschiedener Geräte", erläutert Peter Kellendonk, Vorsitzender der EEBus-Initiative: "Das ist eine Grundsatzentscheidung: Entweder die Kommunikationsnorm wird demokratisch entwickelt und allen Interessenten zur Verfügung gestellt oder faktisch durch einen Multi gesetzt." An einem Prozess unter Mitwirkung von möglichst vielen Beteiligten können alle teilhaben, sich einbringen und die Technologie nutzen. Kellendonk: "Das ist maßgeblicher Grundkonsens der EEBus-Initiative. Der freie Zugang aller zur Vernetzungstechnologie ist bereits in der Satzung fest verankert."
Gefährliche Entwicklung vor allem für Mittelständler
Sollte es nicht gelingen, eine solche gemeinsame Lösung zu entwickeln, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass früher oder später einer der großen multinationalen Konzerne dieser Welt die Lücke füllt und mit seiner Marktmacht faktisch einen Standard setzt. An diesem müssten sich dann alle orientieren, die im Internet der Dinge mitmischen wollen. Dann würde die Chance verpasst, allen Firmen den Zugang zu allgemeiner Gerätekommunikation zu ermöglichen. Eine solche Entwicklung wäre unumkehrbar. Kellendonk befürchtet: "Vor allem deutsche Mittelständler könnten ihren Business Case nicht in die neue Gerätekommunikation hinüberretten und würden ihren USP, ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren." Viele Firmen würden dann zu reinen Hardware-Lieferanten, weil nämlich in der Technikwelt, die von dem Multi gesetzt wird, viele ihrer bisherigen Anwendungen nicht mehr funktionieren und ihre Geschäftsmodelle auf den großen Konkurrenten übergehen. Das Kommunikationssystem eines Multis wird darauf ausgerichtet sein, nur die eigenen Geschäftsmodelle zu fördern. Fazit: Die allgemeine, freie Gerätekommunikation für alle im Internet der Dinge bliebe ein Wunschtraum.
Die derzeitige Lage auf dem Markt zeigt, die Vorstöße der Multis setzen sich noch nicht durch. Doch das wird nicht ewig so bleiben, wenn es nicht gelingt, einen für alle offenen Standard zu schaffen. Dann heißt es für viele: friss oder stirb – wer sich nicht dem Standard des Multis anpasst, läuft Gefahr vom Markt zu verschwinden. Die EEBus Initiative arbeitet dem gezielt entgegen und erzielt entscheidende Fortschritte bei der Entwicklung eines gemeinsamen Standards. So wurde z.B. vor kurzem eine SHIP-Norm (Smart Home Over IP, Kommunikation mit EEBus-Messages über IP) zum IEC PAS (Publicly Available Specification) vorgelegt. Darüber hinaus werden noch dieses Jahr weitere Standardisierungsvorstöße folgen.
Wichtige Kooperation mit anderen Initiativen
Neben solchen Erfolgen in der Standardisierung ist die Initiative auch anderweitig erfolgreich, etwa mit »Plugfesten« (Entwicklertreffen zum Testen der Interoperabilität), auf denen beispielsweise 15 Unternehmen eine umfassenden Vernetzung praktizieren und mit ersten deutschlandweit erhältlichen Produkten gemäß EEBus-Standard (z.B. BEEGY-Gateway, SMA-Sunny-Home-Manager, etc ). Bei der Entwicklung einer international einheitlichen Sprache für das Smart Home hat die Initiative Verbündete gewonnen. Seit Ende 2014 kooperieren die drei führenden europäischen Smart-Energy- und Smart-Home-Initiativen, nämlich Agora, Energy@home und die EEBus Initiative (Rechtsform: eingetragener Verein). Diese Drei arbeiten in Fragen der weltweiten Standardisierung zusammen.
Der internationalen Initiative energy@home, die in Italien ihren Anfang nahm, gehören – unter anderem mit Electrolux, Enel, telecom Italia, Vodafone und Whirlpool – mehr als 25 Unternehmen aus den Branchen- Energie, Elektronik sowie Informations- und Kommunikationstechnik an. Die Initiative Agora startete einst in Frankreich, ihr gehören Konzerne wie eDF (Électricité de France), Veolia, Orange oder La Poste an, insgesamt etwa 20 Unternehmen. Im März dieses Jahres wurde anlässlich der CeBIT noch eine weitere, sehr wichtige internationale Kooperation beschlossen. Und zwar mit einer der auf dem amerikanischen Markt führenden Initiativen: Open-Interconnect-Consortium OIC. Zu den dort versammelten etwa 80 Unternehmen gehören beispielsweise Samsung, Dell, Acer, Cisco, GE, hp, IBM, Siemens und Vestel. Vollständige Mitgliederlisten der genannten Initiativen sind im Internet leicht zu finden. Wegen der weit reichenden Zusammenarbeit der insgesamt fast 180 Mitglieder in den jetzt kooperierenden vier Initiativen potenziert sich mit einem Schlag die Relevanz der Entwicklungen. Die vielen kooperierenden Firmen stehen für den mit Abstand am weitesten reichenden Ansatz eines demokratischen Prozesses für die Definition der Gerätekommunikation. Bei weißer Ware beispielsweise sind alle relevanten Hersteller der westlichen Welt erfasst. Und mit Samsung ein entscheidendes Unternehmen für den asiatischen Markt. Auch im Bereich der Heizungsunternehmen ist mit Bosch, Danfoss, Vaillant, Wolf, Viessmann und anderen die gesamte Branche auf Seiten des EEBus.
Integration des Automobilsektors in die Vernetzung
Eine aktuell wichtige Entwicklung ist die Aufnahme der Automobilindustrie in das Vernetzungssystem. Denn es ist schon jetzt absehbar, das Auto wird zum intelligenten Dienstleister in allen Fragen, die mit individueller Mobilität zu tun haben. Doch diese Entwicklung muss gezielt flankiert werden. "Wenn das Automobil in das Smart Home eingegliedert wird, ist die Verwendung und der Schutz der Daten ein wichtiges Thema", sagt Kellendonk: "Für uns ist es zentral, solche Anwendungen sicher und störungsfrei im Sinne der Nutzer umzusetzen." Die EEBus-Initiative kooperiert beispielsweise mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und hat dessen Sicherheitsanforderungen in den Kommunikationsstandard eingearbeitet.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat im Rahmen der Internationalen Automobilausstellung im September bereits den Beitritt zur EEBus-Initiative erklärt. »Es besteht eine große Nachfrage, in die intelligente Vernetzung Anwendungen rund ums Auto zu integrieren«, erläutert Matthias Wissmann, Präsident des VDA. "Da sich in der EEBus-Initiative bereits die Marktführer vieler anderer Branchen versammeln, ist unsere Kooperation nur folgerichtig. Unsere Mitgliedsunternehmen unterstützen diese Weichenstellung aktiv und gestalten die intelligente Vernetzung nun in der EEBus-Initiative mit."
Für Peter Kellendonk, 1. Vorsitzender der EEBus-Initiative, hat der VDA-Beitritt weitreichende Bedeutung für das Energiemanagement: »Flächendeckendes Laden von Elektromobilen ist mit der Netzstruktur heute nicht einfach zu realisieren, ein Einbinden der Elektromobile und Ladeeinrichtungen in das Smart Grid ist deshalb unumgänglich. So ist eine intelligente Verschiebung des Energiebedarfs möglich.« Die Elektroautos können gezielt dann geladen werden, wenn ausreichend Energie vorhanden ist. "Fahrzeuge mit Elektromotoren können so zu fahrenden Energiespeichern werden", ergänzt Kellendonk.
| Mitglieder* der EEBus-Initiative |
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ABB, Alpha EOS, Beegy, Bosch, BSH, Busch Jaeger, Bundesdruckerei, Danfoss, Devolo, Diehl Controls, DOM, Eaton, Ebee Smart Technologies, E.G.O., EnBW, E.ON, Fraunhofer, Gigatronbuik, Gira, Greencom, Hager Group, Intel, Jung, Kabel Deutschland, Kaco, Kellendonk, Kiwigrid, Kostal, Landis+Gyr, Liebherr, Mennekes, Miele, muRata, MVV, Overkiz, Owlet, QSC, Rockethome, Schneider Electric, Siegenia AUBI/KFV, SMA, Solarworld, Somfy, Stawag, Stiebel Eltron, Telekom, Deutsche, Trilux, TQ, Tüv Rheinland, Tüv Süd, Vaillant, VDA, VDE, VDE Institut, Viessmann, Wolf, Worldline, Wurm Systeme |
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Aktueller Stand auf https://www.eebus.org/eebus-initiative-ev/mitglieder/ |

















