Belden zu SPE
SPE – Das Henne-Ei-Problem
Für Belden ist Single Pair Ethernet (SPE) ein zentrales Thema auf dem Messestand. Oliver Kleineberg, CTO Industrial Automation bei Belden, erläutert im Interview, weshalb es jetzt an der Zeit ist, SPE genauer anzusehen.
Herr Kleineberg, welches Potenzial hat Ihrer Meinung nach die SPE-Technologie?
Kleineberg: SPE hat das Potenzial, langfristig einen Großteil der industriellen Kommunikation auf der Feldebene abzubilden, da es hinsichtlich Bandbreite, Reichweite und Installationsaufwand entweder auf dem Niveau existierender Feldbussysteme oder sogar besser ist und zudem signifikanten Mehrwert bietet. Der Wechsel zu SPE wird in unterschiedlichen Bereichen der Industrienetze unterschiedlich schnell ablaufen, da der Wert beispielsweise der Daten, die durch die erhöhte Bandbreite abgeführt werden können an unterschiedlichen Stellen des Netzwerks unterschiedlich „bepreist“ werden kann. Unser Erfahrung aber ist: Sofern SPE schon heute in die Migrationszenarien bei Auf- und Umrüstungen konzeptionell eingeplant wird, ist das Potenzial teilweise erheblich.
Es gibt ja seit einigen Jahren ein Gerangel um die Entscheidung eines Stecker-Standards. Wird es mehrere Varianten geben oder wird sich die Branche auf einen Standard einigen?
Die Industrie wird sich auf jeweils einen Steckertyp für einen Anwendungsfall einigen müssen. Einer der grundlegenden Mehrwerte von Ethernet - und damit auch von Single-Pair Ethernet - ist die Durchgängigkeit und Kompatibilität. Wenn unterschiedliche Stecker das Ökosystem aufspalten, wird einer der Hauptgründe für einen Technologiewechsel ad absurdum geführt. Es ist zu erwarten, dass sich die großen Industrieorganisationen auf gemeinsame Spezifikationen für die verschiedenen Anwendungsfälle festlegen werden und dass wir innerhalb des nächsten Jahres diesbezüglich wesentliche Fortschritte sehen werden.
Wo bleiben die SPE-fähigen Endgeräte? Bis wann rechnen Sie mit einem adäquaten Angebot?
Bei der Einführung neuer Netzwerkstandards existiert sehr oft das `Henne-Ei´ Problem: Da es keine Netzwerkgeräte - Switche, Router - am Markt gibt, werden keine Endgeräte entwickelt. Und weil es keine Endgeräte gibt, entwickelt niemand Switche und Router. Irgendwann wird diese Pattsituation dadurch aufgehoben, dass Hersteller den Wert und die Größe des verfügbaren Marktes erkennen und den ersten Schritt tun. Bei SPE ist diese Pattsituation nun durch die Netzwerkhersteller durchbrochen, es existieren erste Switche, auch von Belden. Erste Endgeräte sind ebenfalls erhältlich beziehungsweise stehen kurz vor der Einführung.
Wie weit sind die Arbeiten an OPC UA FX aus Ihrer Sicht gediehen – und welche Rolle könnte SPE hierbei spielen?
Die OPC Foundation hat ja das OPC UA FX Controller-to-Controller (C2C) Release zur SPS letzten Jahres veröffentlicht. Aktuell wird unter anderem am zugehörigen Konformitätsprogramm gearbeitet. Die Netzwerkebene des C2C Releases fußt übrigens maßgeblich auf den Arbeiten der IEC/IEEE 60802, dem `TSN Profile for Industrial Automation´. Man darf sich hier vom Titel dieser IEC/IEEE Norm allerdings nicht ins Boxhorn jagen lassen. Neben TSN werden nämlich noch weitere, neue Technologien im Profil berücksichtigt. Diese umfassen nicht zuletzt SPE in Form von 10BASE-T1L. Dieser Zusammenhang mag für die Controller-to-Controller Kommunikation in den meisten Fällen noch nicht so spannend sein. Das sieht aber im Rahmen des ebenfalls in der Entwicklung befindlichen Controller-to-Device (C2D) Releases schon ganz anders aus. Hier entsteht das Potential einer wahrlich durchgängigen Sensor-zu-Cloud Kommunikation auf Basis von OPC UA, und zwar mit SPE.
Welche Rolle spielt SPE bei Ihnen auf dem Messestand?
SPE ist ein ganz zentrales Thema am Belden Messestand. Wir zeigen eine vernetzte Belden Lösung, bei der verschiedene Komponenten zusammenarbeiten und für den Kunden einen wesentlichen Mehrwert bieten. Wir zeigen beispielsweise unsere Zero-Trust Cybersicherheitslösung Macmon und wie diese ein Industrienetzwerk bis zur Feldebene mit SPE vor unbefugtem Eindringen schützen kann, ohne dabei die Funktion des Automatisierungsnetzwerks zu behindern. Weiterhin zeigen wir als Teil dieser Lösung, wie der Übergang zwischen IO-Link und SPE schnell und sicher gelingen kann.
Beldn auf der SPS 2023: Halle 10, Stand 120










