Analog Devices
Low-Power-Prozessoren ans Ethernet
Single Pair Ethernet hat in der Fabrik- und Prozessautomation eine große Zukunft vor sich. Aber was ist bei der Anbindungs-Entwicklung gerade der stromsparenden Feld- oder Edge-Geräten zu beachten?
Die Anwendungsfälle für Single-Pair-Ethernet 10BASE-T1L, darunter Ethernet-APL, werden im Prozess-, Fabrik- und Gebäudeautomatisierungs-Bereich immer zahlreicher, denn es müssen immer mehr Geräte an Ethernet-Netzwerke angebunden werden. Wenn mehr Geräte eine Netzwerk-Anbindung erhalten, lassen sich den übergeordneten Management-Systemen umfangreichere Datenbestände zur Verfügung stellen, was einerseits erhebliche Produktivitätssteigerungen gestattet und andererseits die Betriebskosten und den Energieverbrauch reduziert.
Für den Feld- beziehungsweise Edge-Bereich birgt Ethernet die Perspektive, dass sämtliche Sensoren und Aktoren an ein konvergiertes IT/OT-Netzwerk (Informationstechnologie und operative Technologie) angebunden werden können. Zur Umsetzung dieser Vision gilt es allerdings einige systemtechnische Herausforderungen zu überwinden, da einige der besagten Sensoren hinsichtlich der verfügbaren Leistung und ihres Platzbedarfs eingeschränkt sind. Für Sensor- und Aktor-Anwendungen gibt es ein wachsendes Angebot an Low-Power- und Ultra-Low-Power-Mikrocontrollern mit großer interner Speicherkapazität. Die Mehrzahl dieser Prozessoren hat jedoch die Gemeinsamkeit, dass sie wegen des fehlenden integrierten Ethernet-MAC kein MII-, RMII- oder RGMII Media Independent (Ethernet) Interface unterstützen.
Ein traditioneller PHY lässt sich an diese Prozessoren somit nicht anschließen.
Was spricht für einen 10BASE-T1L MAC-PHY?
Um immer mehr Low-Power-Bausteine mit einer für große Distanzen geeigneten Ethernet-Verbindung auszustatten, ist ein 10BASE-T1L MAC-PHY nötig. Dieser Baustein stellt die Ethernet-Anbindung des Prozessors per SPI her. Letzterer wird somit entlastet, weil kein integrierter MAC notwendig ist, denn die MAC-Funktionalität ist jetzt direkt in den 10BASE-T1L PHY integriert. Ein 10BASE-T1L MAC-PHY beschert Geräte-Entwicklern also mehr Flexibilität und Auswahl, da eine große Zahl von Ultra-Low-Power-Prozessoren in Frage kommt. Durch eine optimale Partitionierung der Applikation erlaubt ein 10BASE-T1L MAC-PHY die Realisierung stromsparender Feldgeräte für eigensichere Zone-0-Anwendungen. Hier kommt das zum Zug, was in der Prozessindustrie als Ethernet-APL bezeichnet wird. In intelligenten Gebäude-Anwendungen erlaubt ein MAC-PHY die Anbindung einer größeren Zahl stromsparender Geräte an ein Ethernet-Netzwerk.
Erweiterte Paketfilterung
Bild 1. Ein 10BASE-T1L MAC-PHY bewirkt eine entscheidende Verringerung des Stromverbrauchs und der Komplexität von Geräten mit erweiterter Paketfilterung.
© Analog DevicesDie Integration der MAC-Funktionalität in einen 10BASE-T1L PHY stellt neue Features zur Verfügung, mit denen sich der Ethernet-Traffic im Netzwerk optimieren lässt. Ein 10BASE-T1L MAC-PHY mit erweiterter Paketfilterung reduziert ganz erheblich den durch die Abwicklung des Broadcast- und Multicast-Traffics entstehenden Aufwand. Entscheidend ist das Filtern nach der Ziel-MAC-Adresse. Anstatt nach nur einer MAC-Adresse zu filtern, unterstützt ein MAC-PHY das Filtern unter Verwendung von bis zu 16 Unicast- oder Multicast-MAC-Adressen. Des Weiteren ist eine Adressmaskierung für zwei MAC-Adressen möglich. Das Filtern nach der Geräte-Adresse sowie nach allgemein unterstützten Multicast-Adressen wie etwa LLDP (Link Layer Discovery Protocol) ergibt ein hohes Maß an Freiheit. Durch die Unterstützung eines zusätzlichen Pfads für höhere Prioritäten besteht die Möglichkeit, einige Nachrichten zu priorisieren, um auf diese Weise eine Verbesserung der Latenz und Betriebssicherheit zu erzielen. Die Priorität eines Frames lässt sich anhand der MAC-Filtertabelle identifizieren. Zum Beispiel können Broadcast-Nachrichten einer Warteschlange niedriger Priorität zugeführt werden, während Unicast-Nachrichten an die mit höherer Priorität gehen. Auf diese Weise vermeidet man eine Überlastung des Empfängers durch einen Broadcast Storm oder eine kurzzeitige Traffic-Spitze. Diese Filterfunktionen des MAC-PHY ermöglichen die Realisierung von Geräten, die hinsichtlich der Netzwerklast robust sind. Der MAC sammelt außerdem Frame-Statistiken, um bei der Überwachung des Netzwerk-Verkehrs und der Verbindungsqualität zu helfen (siehe Bild 1).
Der MAC im MAC-PHY unterstützt außerdem IEEE 1588 und damit auch die Zeitsynchronisation gemäß 802.1AS, wie es in der Prozessautomatisierung erforderlich ist. Vom MAC-PHY unterstützt werden auch ein synchronisierter Zähler, das Timestamping empfangener Nachrichten und die Timestamp-Erfassung für zu sendende Nachrichten. Dies verringert die Komplexität des Software-Designs entscheidend, da über den MAC-PHY hinaus kein Hardware-Support mehr erforderlich ist, um die Zeitsynchronisation zu implementieren. Der MAC kann ein auf den synchronisierten Zähler abgestimmtes Ausgangssignal generieren, was zur Synchronisation externer Abläufe auf der Anwendungs-Ebene genutzt werden kann. Das SPI-Interface unterstützt das Open Alliance 10BASE-T1x MAC-PHY Serial Interface. Das Open Alliance SPI ist ein neues, höchst effektives SPI-Protokoll, das eigens für die Verwendung mit einem MAC-PHY entwickelt wurde.
10BASE-T1L MAC-PHY oder 10BASE-T1L PHY?
Ein 10BASE-T1L PHY und ein 10BASE-T1L MAC-PHY bieten in unterschiedlichen Anwendungsfällen signifikante Vorzüge. Wenn es auf den Stromverbrauch ankommt, ermöglicht ein 10BASE-T1L MAC-PHY die Senkung der System-Leistungsaufnahme, da er eine flexiblere Auswahl des Host-Prozessors erlaubt, denn damit kommen auch Ultra-Low-Power-Prozessoren ohne integrierten MAC in Betracht. Soll die Ethernet-Anbindung an einem bestehenden Gerät nachgerüstet werden, bietet ein 10BASE-T1L MAC-PHY die Möglichkeit zur Weiterverwendung des vorhandenen Prozessors, indem die Ethernet-Anbindung über den SPI-Port realisiert wird. Der Umstieg auf einen leistungsstärkeren Prozessor mit integriertem MAC ist dann nicht notwendig.
Bild 2. Vergleich der Vorteile eines MAC-PHY und eines PHY für die 10BASE-T1L-Anbindung.
© Analog DevicesIn Anwendungen mit hohen Performance-Ansprüchen ist das Feld- oder Edge-Gerät möglicherweise bereits mit einem sehr leistungsfähigen Prozessor mit eingebautem MAC bestückt. Hier ist mit einem 10BASE-T1L PHY mit MII-, RMII- und RGMII-MAC-Schnittstellen die schnelle Entwicklung einer 10BASE-T1L-Schnittstelle möglich. Dies geschieht durch Wiederverwendung der vorhandenen MAC-Schnittstellentreiber zum Nachrüsten der Ethernet-Konnektivität (Bild 2).
Für die Geräte-Entwickler bedeutet die Verfügbarkeit von 10BASE-T1L PHYs und 10BASE-T1L MAC-PHYs eine höhere Flexibilität, um die Anforderungen künftiger Fertigungsanlagen mit Ethernet-Konnektivität zu erfüllen. Geräte mit niedrigstem Stromverbrauch und solche mit hoher Performance lassen sich in ein und demselben Ethernet-Netzwerk einrichten – unter Einhaltung der Leistungs-Obergrenzen für Anwendungen in Gefahrenbereichen. 10BASE-T1L Power Switches und 10BASE-T1L Field Switches verlangen nach der Verwendung robuster, stromsparender 10BASE-T1L PHYs um in Verbindung mit industriellen Ethernet Switches, eine Netzwerk-Topologie nach dem Trunk-and-Spur-Prinzip zu realisieren, das sowohl die Versorgungsspannung als auch die Daten über ein einziges Twisted-Pair-Kabel überträgt – auch hinein in Gefahrenbereiche.
Bild 3. Netzwerk-Topologie nach dem Trunk-and-Spur-Prinzip für die Prozessautomatisierung, bestückt mit 10BASE-T1L MAC-PHY und 10BASE-T1L PHY.
© Analog DevicesFür die Anbindung von Feldgeräten werden sowohl 10BASE-T1L PHYs als auch 10BASE-T1L MAC-PHYs benötigt, damit ein breites Spektrum von Feldgeräten mit einer Ethernet-Anbindung ausgestattet werden kann. Feldgeräte mit höherem Stromverbrauch, wie etwa Durchflussmesser, dürften bereits mit einem Hochleistungs-Prozessor mit integriertem MAC sowie einem 10BASE-T1L PHY ausgestattet sein. Feldgeräte mit niedrigerem Stromverbrauch, zu denen beispielsweise Temperatursensoren gehören, sind dagegen mit einem Ultra-Low-Power-Prozessor ohne integrierten MAC bestückt und greifen für die Ethernet-Konnektivität daher auf einen 10BASE-T1L MAC-PHY zurück, der via SPI mit dem Prozessor verbunden wird (Bild 3).
Vergleich der wichtigsten Merkmale
Der ADIN1110, ein 10BASE-T1L MAC-PHY von ADI, ermöglicht die stromsparende Ethernet-Anbindung über ein SPI-Interface zum Host-Prozessor bei einer Leistungsaufnahme von nur 42 mW. Der Baustein unterstützt das Open Alliance 10BASE-T1x MAC-PHY Serial Interface für die Vollduplex-SPI-Kommunikation bei einer Taktfrequenz von 25 MHz.
Maurice O’Brien ist bei Analog Devices als Strategic Marketing Manager für industrielle Konnektivität tätig.
© Analog DevicesDer ADIN1100, ein 10BASE-T1L PHY von ADI, dient dagegen der stromsparenden Ethernet-Anbindung über MII-, RMII- und RGMII-MAC-Interfaces an einen Hostprozessor mit nur 39 mW Leistungsaufnahme. Die unten stehende Tabelle enthält eine Gegenüberstellung des 10BASE-T1L PHY vom Typ ADIN1100 mit dem 10BASE-T1L MAC-PHY des Typs ADIN1110. Beide Produkte basieren auf der zentralen Eignung von 10BASE-T1L für die vollduplex-fähige, gleichspannungsfreie Punkt-zu-Punkt-Kommunikation mit PAM-3-Modulation bei einer Symbolrate von 7,5 MBaud mit 4B3T-Codierung.
10BASE-T1L unterstützt dabei zwei Amplituden-Modi: 2,4 Vss bei Kabellängen bis zu 1000m und 1,0 Vss für kürzere Entfernungen. Mit dem 1.0 Vss-Modus kann diese neue Physical Layer Technologie auch für Systeme in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden, da damit die strengen Anforderungen an die Leistungsbegrenzung erfüllt werden können.



















