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Artikel und Hintergründe zum Thema

GAIA-X und Open Industry 4.0 Alliance

Meinrad Happacher,

Kommt ein europäischer Data Space?

Das Ziel der GAIA-X Foundation ist der Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur zur sicheren Digitalisierung und Vernetzung. Ein ähnliches Ziel verfolgt die Open Industry 4.0 Alliance. Die Hintergründe der Initiativen erläutern zur SPS Connect Gerd Hoppe und Nils Herzberg.

© Fotolia

Einen dezentraler europäischer Data Space schaffen: Mit diesem Ziel ist im Juni die GAIA-X ­Foundation ins Leben gerufen worden. Die Foundation verfolgt die Idee eines allgemeinen abstrakten Layers zum Austausch von Daten und ­Services zwischen Anbietern und Anwendern unter Einhaltung einer strikten Beachtung der Datensouveränität – wie die Open Industry 4.0 Alliance auch. Einziger Unterschied: Die GAIA-X Foundation geht ­diese Idee auf einer höheren Ebene an, zwischen den An­wender-Domänen wie Verkehr, Fertigungs­technik, Finanzwesen und Landwirtschaft. Gerd Hoppe und Nils Herzberg als Vertreter der je­weiligen Gruppen erläutern die Hintergründe.

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Der Status quo der GAIA-X Foundation

Gerd Hoppe: »Wir wollen die Abhängigkeiten von Providern und deren Data Access Policies minimieren.«

© Beckhoff

Gerd Hoppe, Founding Member Representative von GAIA-X, Beckhoff Automation, bezieht Stellung.

Herr Hoppe, im Juni wurde die GAIA-X Foundation ins Leben gerufen. Wie ist seither die Resonanz? Was hat sich inhaltlich getan?

Gerd Hoppe: Die Resonanz ist überwältigend, weil die Idee so naheliegend wirkt! Wir sind aktuell dabei, ein Netzwerk aus der zentralen Association, nationalen und domänenspezifischen Hubs für Provider und User sowie vielen interessierten Verbänden und Vereinigungen zu bilden.

Das Hauptziel der GAIA-X Foundation ist im Endeffekt, fünf Grundprinzipien für einen offenen Datenaustausch zu gewährleisten – sprich, vor allem Mechanismen in puncto Datensouveränität zu definieren. Bedeutet dies, dass die Aufgaben und die Lebenszeit einer GAIA-X Foundation im Endeffekt sehr begrenzt sind?

Wir sprechen hier über die Entstehung sogenannter Federated Services als Intermediate Layer für ein hybrides föderiertes Data Ecosystem, in dem Europa und die Welt Daten nach im europäischen Raum verorteten Regeln und Contractings bewegen können. Dies ist ein Angebot im Markt, das es in Europa so noch nicht gibt. Und ich bin mir sicher, mit dem einmaligen Aufbau dieses Angebotes wird die Entwicklung des Data Ecosystems sicher nicht beendet sein.

In gemeinsamen Treffen sind Fachleute aus acht Ländern Europas beteiligt. Ist das eine Basis, um schnell und effizient zu Ergebnissen zu kommen? Oder entsteht hier wieder ein Gleichschaltungsmonster, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist?

Die Resonanz ist überwältigend: Es sind mittlerweile 500 bis 600 Beteiligte, übrigens auch in hohem Maß von außerhalb Europas. Und dennoch: Es kann kein ´Gleichschaltungsmonster` entstehen. Dafür ist keinerlei Grundlage gegeben, weder regulativ noch technisch.

GAIA-X macht ein Angebot im Markt, um den Zugang zueinander, die Grundsätze der Interaktion, die Regulatorik, die Wahl der Geografie und die Security zu vereinheitlichen. Dies ist für all jene gedacht, die leichteren Zugang zu ihren Kunden findet wollen; die sich auf ihre Apps, ihre Data Spaces und Business Cases konzentrieren wollen und die dennoch ihre Abhängigkeiten von Providern und deren Data Access Policies minimieren möchten. Es gibt also viele gute Gründe, einen hybriden und dezentralen Europäischen Data Space aufzubauen. Im Endeffekt genau deshalb, um keinen gleichschaltenden Charakter zu entwickeln.

Die Industrie-Unternehmen begeben sich zusehends in die Abhängigkeit der etablierten Cloudanbieter. Die GAIA-X-Arbeiten können per se eine solche Abhängigkeit ja nicht unbedingt verhindern. Ist denn auf europäischer Ebene – vielleicht im Windschatten einer GAIA-X Foundation – etwas geplant, um diese Vormachtstellung zu brechen?

Die GAIA-X-Idee steht nicht im Wettbewerb zu bestehenden Angeboten im Markt. Auf GAIA-X wird man auch die von Ihnen zitierten Anbieter finden. Das GAIA-X Ecosystem erleichtert lediglich Providern und Anwendern den Aufbau eigener Data Spaces durch ein darunterliegendes, abstrahierendes, die Provider und Anwender über Domänen hinweg verbindendes System aus Technologie und Policies.

Kooperationspartner Open Industry 4.0 Alliance?

Nils Herzberg: »Unsere Mitglieder arbeiten in vielen ­Gremien bei GAIA-X aktiv mit.«

© SAP

Nils Herzberg, Sprecher des Vorstands der Open Industry 4.0 Alliance, SAP, erläutert die Nähe zur GAiA-X Foundation.

Herr Herzberg, Sie haben im September eine Pressemeldung veröffentlicht, in der Sie die Nähe zur GAIA-X Foundation betonen. Welcher Art ist diese Nähe?

Nils Herzberg: Die Open Industry 4.0 Alliance fokussiert ja auf die Etablierung von interoperablen Industrie-4.0-Lösungen und -Services. Der Ansatz von GAIA-X als sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa passt sehr gut ins Bild, insbesondere da in dieser Infrastruktur auch die Anforderungen deutscher Industrieunternehmen zur Datensouveränität gelöst werden sollen.

Warum decken aus Ihrer Sicht die bestehenden Cloud-Angebote die Bedürfnisse der Industrie noch nicht ab?

Generell fehlt eine Hybridarchitektur, welche die Anforderungen der herstellenden Industrie mit ihren hohen Ansprüchen an Antwortzeiten und Ausfallsicherheit erfüllt. Die Open Industry 4.0 Alliance hat eine solche Referenzarchitektur vorgelegt. Neben den sinnvollen Cloud-Elementen berücksichtigt diese auch die Anforderung an offene ‚Edges‘. Diese Kombination von Cloud und Edge findet sehr viel Anklang und ist bereits heute bei vielen renommierten Firmen im Angebot.

Sie beabsichtigen ja, Ihre Angebote auf die GAIA-X-Initiative abzustimmen. Was bedeutet das genau?

Unsere Mitglieder arbeiten in vielen Gremien bei GAIA-X aktiv mit und bringen ihre Erkenntnisse dort ein. Des Weiteren engagieren sich Vorstände der Open Industry 4.0 Alliance auch in führenden Rollen bei GAIA-X. Wir glauben, dass durch unseren Einsatz, aber auch durch unsere Arbeit ein Rückfluss aus der Realität in die Gremien von GAIA-X entsteht. Gleichzeitig hat GAIA-X mit der Open Industry 4.0 Alliance eine fokussierte Umsetzungsgemeinschaft vor der Haustür!

Sind die angepeilten Abstimmungs-Aktivitäten alles noch Absichts-Erklärungen oder lässt sich heute schon mit gewissen Ergebnissen arbeiten?

Meines Wissens nach hat die Allianz bereits Eingaben zu den Anforderungen bei der Sicherheit von Hybridarchitekturen gemacht.

Wie sieht bezüglich der GAIA-X-Zusammenarbeit Ihre weitere Roadmap aus?

Wir arbeiten nicht zuletzt – wenn auch vielleicht indirekt – am Erfolg von GAIA-X mit, indem wir weitere Standards wie die Verwaltungsschale in der ‚Industrial Digital Twin Association‘ oder die Daten-Souveränität innerhalb der ‚International Data Space Association‘ implementieren und vorantreiben. Insgesamt steht die Open Industry 4.0 Alliance GAIA-X auf vielen Ebenen als Anwender- beziehungsweise Umsetzungsallianz zur Seite!

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