zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachgehakt bei Ebele Maduekwe

Meinrad Happacher,

KI in der Industrie

Wie stark ist die Künstliche Intelligenz heute schon in der Industrie verbreitet? Die ARC Advisory Group geht dieser Frage derzeit mit einer Studie auf den Grund. Ebele Maduekwe erläutert vorab die anstehenden Ergebnisse.

Ebele Maduekwe, Analyst bei der ARC Advisory Group

© ARC Advisory Group

Frau Maduekwe, warum geht ARC jetzt das Thema KI mit einer Studie an – ist KI nicht schon fest etabliert in der Industrie?

Ebele Maduekwe: Ja und nein! Das Thema künstliche Intelligenz gibt es zwar schon seit vielen Jahren, aber erst seit kurzem beobachten wir in industriellen Anwendungen ein verstärktes Interesse an KI. Für dieses verzögerte Interesse machen wir drei wesentliche Gründe aus: So erlebt KI derzeit immer noch eine sehr rasche Innovation, das Anbieter-Umfeld ändert sich noch ständig und das Potenzial der KI-Anwendungen ist für die Anwender immer noch schlecht abschätzbar. Wir sehen jedoch einen klar definierten Mehrwert in der Verwendung von KI in den Bereichen Qualitätskontrolle, Maschinenleistungsmanagement und Robotik.

Häufig wird für KI auch der Begriff Machine Learning verwendet. Wie differenzieren Sie hier?

Ebele Maduekwe: KI in einem Fertigungsumfeld definieren wir als ein System, das seine Umgebung wahrnimmt und Maßnahmen ergreift, um seine Chancen dahingehend zu maximieren, sein Ziel zu erreichen  – ein Roboter etwa, der sich in einer unstrukturierten, sich verändernden Umgebung von A nach B bewegt. Machine Learning dageben umfasst verschiedene Techniken, mit denen eine Maschine etwas über ihre Umgebung lernen kann, um vordefinierte Ziele zu erreichen. Mit anderen Worten: Machine Learning ist ein Werkzeug für die KI.

Was haben Sie herausgefunden? Wie ‚kauft‘ man KI? Ist es eine Software, ein Hardware-Modul oder ein lizenzierter Algorithmus, den man ersteht?

Ebele Maduekwe: Künstlich intelligente Systeme und Geräte gibt es in verschiedenen Ausprägungen: Als Hardware mit einem dedizierten KI-Chip, als Software mit KI-Bibliotheken, mit denen man ein eigenes AI-Modell erstellen kann, oder mit fertigen KI-Modellen als Plug-&-Play-Module. Mit neuen Anwendungen und Anwendungsfällen besteht auch die Möglichkeit, neue Konstrukte von Hardware, Software und Diensten als eigenständige Lösung oder als Kombination zu verwenden. – Diese Vielfalt macht es für die Anwender eben auch so schwierig, sich eine eigene Meinung von der passenden Lösung zu bilden. 

Welche Skill-Sets sind notwendig, um KI zu implementieren? 

Ebele Maduekwe:
Je nach Branche reicht die notwendige Fachexpertise von Null IT-Kenntnissen bis hin zu spezifischem Automatisierungs-Know-how. Für einfache Anwendungsfälle sind eventuell nur Data-Science-Kenntnisse erforderlich, für komplexe Prozesse jedoch Kenntnisse aus den Bereichen Automatisierung und IT. Natürlich können mehrere Spezialisten zusammenkommen, um ein Problem zu lösen. Es gibt also kein pauschales Rezept.

In welchen Branchen sehen Sie die ‚First movers‘? In welchen Anwendungen?

Ebele Maduekwe: Am meisten profitiert derzeit die Automobil-Produktion von der KI. So sehen wir im Moment die höchste Akzeptanz in den Automobil- und Robotikbranchen. Auf die Anwendungen bezogen verzeichnen wir die höchste Akzeptanz in der Bildverarbeitung zur Qualitätskontrolle. In Bildverarbeitungssystemen sind Produkte und Lösungen entwickelt worden, bei denen die Qualitätskontrolle in Echtzeit mit einfachen künstlichen neuronalen Netzwerken bis hin zu komplexen neuronalen Netzwerken mit Deep Learning analysiert wird. Diese Lösungen finden bereits in der Elektronik- und Halbleiterindustrie Verwendung und werden auch in Branchen wie der Holzverarbeitung ausgerollt.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes im nächsten Jahrzehnt?

Ebele Maduekwe: Wir sehen ein stetiges Wachstum, da immer mehr Herstellerfirmen lernen, KI einzusetzen und ihren Mehrwert in ihren Betrieben zu erkennen. Nach der Bildverarbeitung in der Automobilindustrie werden die anderen Branchen und Anwendungsfelder aufholen. Wir erwarten auch neue Produkte, die sowohl für gängige Anwendungsfälle als auch für spezielle Anwendungsfälle in der Fertigung entwickelt werden. Und ganz wichtig: Die Entwicklung kostengünstigerer Lösungen wird die Einführung zahlreicher KI-Technologien und -Anwendungen vorantreiben.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Hannover Messe 2019

KI als beherrschendes Thema

Getreu dem Leitmotiv der diesjährigen Hannover Messe – Industrial Intelligence – war das Thema Künstliche Intelligenz auf den Ständen der Aussteller omnipräsent; nicht nur in der Theorie, sondern auch praktisch am Beispiel zahlreicher Use Cases.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Künstliche Intelligenz

Der Einstieg ins Machine Learning

Was unterscheidet Maschinelles Lernen (ML) von der Künstlichen Intelligenz (KI)? Und warum sollten deutsche Maschinenbauer nicht den Kopf in den Sand stecken, trotz der um ein Vielfaches größeren KI-Investition in Nationen wie China oder den USA?...

mehr...
Anzeige

Deep Learning

Open Source oder proprietär?

KI-basierte Technologien wie Deep Learning sind schon oft Bestandteil von Machine-Vision-Lösungen. Dabei stellt sich die Frage, ob ein Open-Source-System den eigenen Anforderungen genügt, oder ob die Investition in eine proprietäre ­Software-Lösung...

mehr...

Bin-Picking

KI-basiert beliebige Objekte greifen

Beliebige Objekte zu greifen, ohne sie vorher zu kennen, stellt für Roboter eine nahezu unüberwindbare Aufgabe dar. Eine KI-basierte Softwarelösung in Kombination mit einer intelligenten 3D-Stereovisionkamera löst dieses Problem.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Erklär-Video

"Eine kurze Geschichte der KI"

Was ist Künstliche Intelligenz? Welche Entwicklungsstufen hat sie bislang durchlaufen? Und wo führt das Ganze hin? Ein fünfminütiger Erklärfilm, den die Plattform "Lernende Systeme" anlässlich des Auftakts zum 'Wissenschaftsjahr 2019' veröffentlicht...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren