nachgehakt! bei Kai Grunwitz, NTT
Kein klassisches Rollout-Projekt!
5G-Campusnetze sind in der Einführung, Umsetzung und im Betrieb einem komplexen IT-System recht ähnlich. Kai Grunwitz, Geschäftsführer der NTT in Deutschland zeigt im Interview auf, was Unternehmen beachten müssen und wo Fallstricke lauern.
Herr Grunwitz, im November 2019 gab die Bundesnetzagentur den Weg in Deutschland frei, ein firmeneigenes 5G-Netz aufzubauen und zu nutzen. Die Beantragung für private 5G-Netze ist unkompliziert, die Kosten sind gering. Ist der Aufbau eines Netzes also eine reine Netzwerk-Modernisierung?
Kai Grunwitz: 5G sollte als Enabler für IoT, KI, Edge Computing und andere Themen gesehen werden. Deshalb ist eine ganzheitliche Analyse entlang der Möglichkeiten von 5G unvermeidlich, um individuelle Einsatzbereiche zu identifizieren und so neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Zudem reicht ein einzelner Use Case in der Regel nicht aus, um die Kosten für Anschaffung und Einrichtung der erforderlichen Infrastruktur zu rechtfertigen. Vielmehr müssen Unternehmen in die Zukunft blicken und sich neuen Handlungsoptionen gegenüber offen zeigen.
Sie raten also davon ab, mit einem einzelnen Use Case – etwa selbstfahrenden Fahrzeugen – zunächst zu beginnen und dann in einem zweiten Schritt weitere Anwendungsbereiche anzugehen.
Grunwitz: Derart hohe Investitionen setzen einen fundierten Business-Plan voraus. Der Einsatz einer neuen Technologie bedarf grundsätzlich einer genauen betriebswirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Prüfung. Bei Private 5G trifft man selten auf ein Greenfield-Szenario, wo deutlich einfacher geplant werden kann. Vielmehr muss die vorhandene ITK-Infrastruktur eingebunden werden, damit Prozesse nach der Inbetriebnahme des Campusnetzes störungsfrei weiterlaufen. Zudem setzt ein hochwertiges Funknetz gerade bei Außenantennen ab einer gewissen Sendeleistung zusätzliche Genehmigungen voraus, um beispielsweise Strahlungsgrenzwerte einzuhalten. Bei der Abschätzung, ob der Aufbau und Betrieb von Private 5G sinnvoll ist, sind deshalb umfangreiche Kosten-Nutzen- sowie Standortanalysen unerlässlich.
Lässt sich denn grundsätzlich sagen, ob es geschickter ist, ein privates Netz aufzubauen oder eines in Verbindung mit dem öffentlichen Netz der Netzbetreiber?
Grunwitz: Die Wahl des Betreibermodells hat Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Flexibilität der Netze und muss deshalb auf die individuellen Anforderungen abgestimmt sein. Wenn die Einführung von 5G unter dem Aspekt einer ganzheitlichen Digitalisierung betrachtet wird, sind darüber hinaus weitere Fragen zu klären: Welche Datenarchitektur wird benötigt? Wie können Systeme zusammengeführt werden? Wie muss die Sicherheitsarchitektur designt werden? Welche Kompetenzen brauchen die Mitarbeiter?
Eine Expertise, die in den wenigsten produzierenden Unternehmen vorhanden ist …
Grunwitz: Die Einführung von Private 5G ist kein klassisches Rollout-Projekt, bei dem nur neue Komponenten installiert werden müssen und das mit dem Go-live abgeschlossen ist. Derzeitige 5G-Campusnetze sind noch sehr früh im Produktzyklus, das heißt, in Aufbau und Implementierung sind viele Anpassungen erforderlich, teilweise fehlt die notwendige Technik wie 5G-Module. Die Mobilfunktechnologie war zudem bis zur aktuellen Generation ausschließlich den Carriern vorbehalten, weshalb Expertise im herkömmlichen Enterprise-Networking-Bereich nur bedingt weiterhilft. Unternehmen sollten sich deshalb einen erfahrenen Partner an Bord holen, wenn sie das Beste aus ihrem 5G-Netz herausholen wollen.










