IIC versus Industrie 4.0
"Es geht um Testbeds, Testbeds und Testbeds!"
Steht das Industrial Internet Consortium (IIC) in Konkurrenz zur deutschen Plattform Industrie 4.0? Diktieren die US-amerikanischen IT-Giganten per Consortium den deutschen Fabrikausrüstern die Technologie der Zukunft? Richard Soley, Executive Director des IIC, bezieht Stellung.
Richard Soley, Executive Director des IIC, zur Roadmap des IIC: "Primär forcieren wir das Aufsetzen von Testbeds!"
© Computer&AUTOMATIONComputer&AUTOMATION: Herr Soley, das Industrial Internet Consortium gibt es erst seit einem Jahr und doch zählen Sie schon über 160 Mitgliedsfirmen. Dieser Erfolg schürt in den Reihen der Industrie-4.0-Protagonisten die Angst, das IIC könnte der Industrie-4.0-Initiative den Rang ablaufen.
Richard Soley: Eine Angst, die ich für unbegründet halte und bei den deutschen Firmen so auch nicht wahrnehme. Schauen Sie, Bosch hat federführend im IIC das erste Testbed geschaffen und auch die Firmen SAP, Software AG und Siemens sind bei uns aktive Mitglieder – da nehme ich keine Berührungsängste wahr!
Es heißt, Sie stehen auch mit den deutschen Verbänden in Kontakt. Um was geht es hierbei genau?
Wir sprechen intensiv mit VDMA und Bitkom, wie eine Zusammenarbeit beziehungsweise Mitgliedschaft der Verbandsfirmen aussehen könnte. Zu den Details kann ich leider noch nichts sagen. – Warten Sie mal ab bis zum Maschinenbaugipfel in Berlin im Oktober!
Kommen wir zurück zur Angst. Eine Befürchtung ist, dass über das IIC Standards entstehen könnten, die den deutschen Aktivitäten in die Quere kommen …
Das ist Blödsinn. Wir sind eine internationale, offene Organisation, die auf Testbeds fokussiert ist und keine Standards festlegt.
Aber Ihre Mutterorganisation, die Object Management Group (OMG), ist sehr wohl eine Standardisierungsorganisation. Und dass es eine enge Verbindung von OMG und IIC gibt, lässt sich nicht verleugnen.
Sicher, in der Mutterorganisation OMG und der Tochter IIC agieren dieselben Mitarbeiter, aber es handelt sich definitiv um zwei unterschiedliche Organisationen. Und von der OMG werden seit 18 Jahren Standards definiert, das ist nichts Neues. Aber nochmal: Es gibt keine Verbindung zwischen den Organisationen außer denselben Mitarbeitern.
… also keinerlei Standardisierungs-Aktivitäten?
Das IIC hat zum Ziel, Testbeds zu generieren. Als Ergebnis unserer Testbeds gibt es natürlich auch Standardisierungsvorschläge, die wir mit DIN, ISO und auch der OMG diskutieren. Da das IIC offen gegenüber jedermann ist, werden die Ergebnisse auch offen diskutiert.
Die Plattform Industrie 4.0 hat zur Hannover Messe eine Referenzarchitektur präsentiert, die gewisse Standards präferiert, die die OMG ja aufgreifen könnte – etwa OPC UA.
Die Veröffentlichungen enthalten tatsächlich Standards, die theoretisch mit OMG im Wettbewerb stehen könnten. Wir wollen allerdings sicherstellen, dass dies in der Praxis nicht passieren wird. Und weiter: Auch die Plattform will jetzt Testbeds erstellen - bislang gibt es die von Industrie 4.0. nicht. Auch hier wollen wir keinen Wettbewerb, sondern eine Zusammenarbeit. Eine Zusammenarbeit, an deren Abstimmung wir gerade noch arbeiten – Details kann ich leider noch nicht nennen.
Die Semantik im Fokus
Soley: "Wir suchen den Schulterschluss mit der Plattform Industrie 4.0?"
© Computer&AUTOMATION / Meinrad HappacherSind die beiden Organisationen nicht doch eine zu viel?
Aktuell agieren wir ja in zwei unterschiedliche Richtungen: Die Plattform Industrie 4.0. plant grob gesagt die Zukunft und hilft Organisationen, diese Zukunft zu verstehen. Wir hingegen sind auf die Umsetzung fokussiert – gemäß des Nike-Mottos "Just do it!". Dies ist wohl auch der Grund, warum einige deutsche Firmen sowohl innerhalb der Industrie 4.0 als auch beim IIC aktiv sind.
Wie Sie aber schon erwähnten, will auch die Plattform Industrie 4.0 jetzt Testbeds erstellen.
Wenn sich die Plattform Industrie 4.0. in unsere Richtung entwickeln sollte, ist da natürlich kein Mehrwert mehr, in beiden Organisationen aktiv zu sein. Aber derzeit sind Plattform und IIC sehr unterschiedlich in ihrer Herangehensweise.
Sie haben jetzt auch eine Referenzarchitektur erstellt …
… auf die wir sehr stolz sind! Der Sinn der Referenzarchitektur besteht darin, die Testbeds zu durchdringen, um Interoperabilität zu ermöglichen. Wir haben sie nicht zu abstrakt, aber auch nicht zu konkret gehalten, um mögliche Testbeds nicht zu sehr einzuschränken.
Welche Rolle spielt bei Ihren Architektur-Aktivitäten die Semantik?
Die meisten Standardisierungs-Organisationen fokussieren auf die unteren Schichten, wo Bits und Bytes bewegt werden. Das ist meines Erachtens nicht so schwierig, da haben wir mit DDS übrigens auch eine Lösung, die bestens für die Integration industrieller Systeme geeignet ist.
Viel wichtiger für die notwendige Interoperabilität sind Semantik-Standards. Was ist etwa nötig, damit unterschiedliche Triebwerkshersteller unterschiedliche Informationen ihrer Produkte auslesen und auswerten können? Wie bekommen wir eine einheitliche Sicht auf Energie-Erzeugung und –Distribution über die Energieträger Solar, Kohle, Gas und Atom hinweg?
Auch in Asien aktiv
Soley: "Das IIC ist auf Testbeds fokussiert, wir legen keine Standards fest!“
© Computer&AUTOMATION / Meinrad HappacherEine weitere Befürchtung aus deutschen Landen ist, dass vor allem durch die fünf Gründungsmitglieder AT&T, Cisco, GE, IBM und Intel das IIC zu IT-lastig ist und fertigungstechnische Aspekte zu kurz kommen.
… einer Einseitigkeit, der wir entgegenwirken. Mittlerweile sind auch Unternehmen wie Fujitsu, Real Time Innovations, Accenture, die Vanderbilt University und meine Person im Steering Comittee vertreten.
Inwiefern betreffen Ihre internationalen Aktivitäten auch Asien?
In China geht gerade das Industrieministerium daran, eine Organisation zum Thema digitale Fabrik zu bilden. Wir werden versuchen, den Prozess zu unterstützen. Aber auch das IIC selbst wächst in China: Bejing Water und China Telecom sind schon Mitglied bei uns.
In Japan gibt es seit Neuestem eine Industrial Value Chain Initiative. Es ist allerdings noch nicht ganz klar, was diese konkret machen soll. Wir selbst wachsen auch dort: In Japan zählen wir bereits Firmen wie Hitachi, Mitsubishi und Toshiba zu unseren Mitgliedern.















