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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kommentar zu IoT und Industrie 4.0

Meinrad Happacher,

Das richtige Timing

Alle Welt redet über das Internet der Dinge und Industrie 4.0 - aber wer traut sich tatsächlich schon, die Vision im eigenen Unternehmen anzugehen? Welches sind die Hemmschuhe, die viele noch vor einem beherzten Einstieg in das neue Zeitalter zurückschrecken lassen?

Ein Kommentar von Meinrad Happacher, Chefredakteur Computer&AUTOMATION

© WEKA Fachmedien

Die Aussagen der Aussteller auf der embedded world klangen unisono: Ja, das Interesse an IoT-tauglichen beziehungsweise Industrie-4.0-fähigen Geräten ist riesengroß; doch wenn es zur Sache geht und die Interessenten auch kaufen sollen, ist als durchgängiges Verhaltensmuster ein intensives Zurückschrecken zu verzeichnen!
Woher rührt diese Zurückhaltung? Gunther Koschnik, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation hat eine Erklärung parat: "In Sachen Industrie 4.0 waren wir bisher sehr stark auf der konzeptionellen Ebene unterwegs – wir haben Modelle und Rahmen definiert!", führt er im Nachgehakt aus. Seinen Worten nach ist es jetzt an der Zeit, eine Brücke von der Theorie in die Entwicklungsabteilungen der Unternehmen zu schlagen, um diese Konzepte mit Leben zu füllen.
Sind also all jene Unternehmen viel zu früh dran, die heute schon eine durchgängige Kommunikationslösung vom Sensor in die Cloud anbieten? Scheitern vielleicht gar jene innovativen Vorreiter, die bereits flexible Gerätekonzepte für ein Edge-Cloud-Computing im Verkaufsprospekt aufführen, nur weil sie zu fix sind?

Das Schlimme ist: Ein Patentrezept für den IoT-Erfolg gibt es nicht! Und wann der richtige Markt-Einstiegspunkt für welches IoT-taugliche Gerät, für welche IoT-fördernde Software oder für welches IoT-fähige Kommunikationskonzept tatsächlich ist, steht mehr oder weniger in den Sternen! Ein plakatives Beispiel für die nicht genauer definierbare Zeitachse der IoT-Etablierung geben die beiden Branchenkenner Michael Volz und Heinrich Munz in ihren Statements: Allein schon die Frage, wann die für eine IoT-Landschaft notwendige Ablösung des Feldbusses durch die Ethernet-Technologie erfolgt, wirft ein großes Fragezeichen auf.

Einer der glaubt und darauf vertraut, für sich den richtigen Weg in die IoT-Welt gefunden zu haben, ist Marco Riedesser. Er hat die Speicherprogrammierbare Steuerung Controllino auf Arduino-Basis entwickelt. Mein Kollege Günter Herkommer ist der Frage nachgegangen, warum sich für diese Kleinsteuerung bereits Konzerne wie VW, Audi und Sony interessieren. Aber auch, warum etablierte Systemhäuser wie Logi.cals im industriellen Umfeld auf diese Plattform setzen. Und letztlich: Wie kann es sein, dass der Initiator eines anno 2014 ins Leben gerufenen Crowd-Funding-Projektes für die Jahre 2016 und 2017 schon von 50.000 bis 70.000 verkauften Steuerungen ausgeht? Ob Marco Riedesser letztlich mit seiner Strategie und seinem Optimismus recht behält, können wir noch nicht sagen. Die Tatsache allerdings, dass die etablierten Hersteller von Kleinsteuerungen aufgeschreckt sind und die weiteren Entwicklungen rund um Controllino mit Argus­augen beobachten, spricht für sich!

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