Mensch-Roboter-Kommunikation
Autonomen Fahrzeugen das Sprechen beibringen
Wie können sich Menschen künftig mit autonomen Fahrzeugen verständigen? Um die Interaktion zwischen Mensch und maschineller Intelligenz im urbanen Raum der Zukunft zu ermöglichen, arbeitet der Automobilhersteller Mercedes-Benz mit Experten aus Robotik und Sprachwissenschaften zusammen.
Mit dem Mercedes-Benz Future Truck 2025 hat Daimler einen LKW vorgestellt, der auf der Autobahn selbst fahren kann. Der Fahrer kann währenddessen andere Arbeiten erledigen oder sich ausruhen. Noch ist der LKW ein Prototyp.
© Daimler"Der Verkehr der Zukunft wird immer interaktiver – und dabei meine ich nicht nur die Vernetzung von Fahrzeugen", so Prof. Dr. Kohler, Leiter Konzernforschung und Nachhaltigkeit sowie Umweltbevollmächtigter bei Daimler. "Wir sehen es als unsere elementare Aufgabe, autonome Fahrzeuge nicht nur als technologische Errungenschaft auf die Straße zu bringen, sondern als integrativen Bestandteil des Verkehrs der Zukunft zu betrachten". Folgende Fragen gelte es zu klären: Wie kommunizieren wir künftig mit selbstfahrenden Autos? Kann ein autonomes Fahrzeug einen Fußgänger über die Straße "winken"? Spricht das Auto mich an oder die Person neben mir? Was heißt in diesem Fall überhaupt "sprechen"? Müssen wir eine Robotergrammatik erlernen oder muss das Auto uns verstehen können? Wie kann sich diese Sprache entwickelt werden – intuitiv oder konstruiert?
Zusammen mit dem Forschungslabor Ars Electronica Futurelab versucht Mercedes Benz ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Ko-Existenz von Menschen und autonomen Maschinen in der Zukunft gestalten könnte. Im Bild: Ein gestengesteuerter Quadcopter.
© Mercedes BenzZur Beantwortung hat Mercedes Benz zusammen mit dem Forschungslabor Ars Electronica Futurelab ein "Experimentierfeld" geschaffen, in dem verschiedene Interaktionsformen zwischen Mensch und kinetischen Robotern prototypisch ausprobiert werden konnten. Ein Beispiel: Drei interaktive Quadcopter werden in einem Test-Setting unter anderem mittels Gestensteuerung oder eines haptischen Kontroll-Objekts herbeigerufen, angehalten oder in eine bestimmte Richtung gelenkt.
Laut Martina Mara, die am Ars Electronica Futurelab zur Psychologie von Mensch-Roboter-Beziehungen forscht, sei es wichtig, "dass möglichst schnell klar wird, wie intelligent ein Roboter ist, welche Kommunikationsformen er beherrscht und dass er signalisieren kann, was seine nächsten Schritte sind". Alexander Mankowsky, Zukunftsforscher bei Daimler, ergänzt: "Wir sehen das selbstfahrende Auto, den autonomen Roboter, eingebettet in ein Gesamtbild zukünftiger Mobilität, wobei der Mensch die Hauptrolle in unserer Zukunftsvision spielt. Es gilt ein kooperatives System zu entwickeln, bei dem eine oder mehrere Kommunikationssprachen essentiell sind, um die Interaktion zwischen Mensch und maschineller Intelligenz im dichten urbanen Raum zu ermöglichen." Er fügt hinzu: "Vielleicht wird es in Zukunft sogar ein Lexikon der Robotersprache geben?" Die Adaption des Menschen an die Maschine zu fordern, sollte laut Mankowsky bei allen Überlegungen definitiv nicht das Ziel sein. Vielmehr ginge es darum, bei einer immer intensiver werdenden Mensch-Maschine-Kommunikation Vertrauen aufzubauen.
"Wenn man Gesten als eine Möglichkeit betrachtet, mit autonomen Autos erfolgreich zu kommunizieren, dann ist es wichtig zu untersuchen, welche menschlichen Gesten des Alltagsgebrauchs dafür als Ausgangspunkt besonders geeignet sind", so Prof. Dr. Ellen Fricke, Gestenforscherin an der TU Chemnitz. Ebenso zentral sei es zu fragen: "Wie formt das selbstfahrende Auto uns? Und wie wirken die Gesten der Mensch-Auto-Interaktion zukünftig auf die Gesten in der zwischenmenschlichen Kommunikation zurück?" Weiter betont Fricke, dass nicht nur ein Lexikon der Robotergesten benötigt werde, sondern als allererster Schritt eine umfassende digitale Datenbank menschlicher Gesten im Alltag - "dies kann als Ausgangspunkt für eine Konstruktion von Gesten dienen, die sich an autonome Roboter richten", so Fricke.











