Interview mit Philipp Wallner, Mathworks

Agiles Entwickeln im Maschinen- und Anlagenbau

Philipp Wallner, Mathworks
© Mathworks

Moderne Produktionsanlagen gewinnen zunehmend an Komplexität. Das schlägt sich ebenfalls im Softwarecode nieder. Gute Tools sind für das Entwickeln deshalb essenziell. Wie MathWorks Unternehmen und Hersteller unterstützt, erklärt Philipp Wallner.

Herr Wallner, Mathworks wäre 2021 wieder mit einem Stand auf der SPS vertreten gewesen. Was wollten Sie zeigen?

Philipp Wallner: Im Fokus stehen die Themen Simulation und Datenanalyse auf Basis unserer Entwicklungssoftware Matlab und Simulink. Am Stand wollten wir zeigen, wie der Maschinen- und Anlagenbau Werkzeuge erfolgreich nutzen kann – zum Beispiel für das modellbasierte Entwickeln oder für das Auswerten von Maschinendaten.

Das Thema Simulation ist grundsätzlich nicht neu in der Industrie. Warum denken Sie, ist es gerade jetzt wichtig, dass sich Maschinenbauer mit Simulationsmodellen beschäftigen?

Wallner: Über die letzten Jahre wurden moderne Produktionsanlagen immer komplexer. Ein Treiber hierfür sind die Anforderungen an eine zunehmend flexible Produktion. Hierbei betrifft die Komplexität in erster Linie die Software – und zwar genauer gesagt die Software, die auf einer In­dustriesteuerung, zum Beispiel einer SPS, an der Maschine läuft. Um die Funktion der Software zu entwickeln und zu ­validieren, rücken Methoden der modellbasierten Entwicklung immer mehr in den Fokus.

Mathworks
Der systematische Einsatz von Modellen und Daten ermöglicht das kontinuierliche Entwickeln neuer Maschinenfunktionen.
© Mathworks

Wie sieht es mit dem Nachrüsten von Software an der Maschine im laufenden Betrieb aus?

Wallner: Das ist ein wesentlicher Punkt: Bleibt die elektromechanische Basis der Maschine in Zukunft mehr oder weniger unverändert, rüsten die Hersteller auf Seiten der Software laufend neue Funktionen nach. Hierfür ist mittels modellbasierter Entwicklung vorab zu gewährleisten, dass die Maschine die neue Funktion fehlerfrei ausführt. Sobald der Entwickler die neue Software in der Simulation getestet hat, überträgt er sie mittels automatischer Code-Generierung auf die SPS oder den Industrie-PC – also direkt aus dem Entwicklungsprozess in den laufenden Betrieb.

Das klingt ein wenig nach DevOps...

Wallner: Ja, im Bereich der IT-Software ist DevOps für das agile Entwickeln seit Jahren etabliert. Ein Entwickler überführt die Software-Bausteine direkt aus der Entwicklung (Development) kontinuierlich in den Betrieb (Operations). Anschließend wird das Feedback aus dem Betrieb wieder in den Prozess der Entwicklung zurückgeführt. Wir meinen, DevOps auf Basis von Simulationsmodellen – also ‚Model DevOps‘ – ist einerseits für das Entwickeln und kontinuierliche Erweitern von IT-Software hilfreich, andererseits für komplexe mechatronische Systeme wie etwa Produktionsmaschinen.

Das klingt spannend – allerdings nach Zukunftsmusik…

Wallner: Nicht unbedingt. Bereits heute setzen führende Unternehmen aus der Industrie wie Krones oder Atlas Copco Simulationsmodelle in Form von digitalen Zwillingen über den Maschinenlebenszyklus hinweg ein. Hiermit schaffen sie es, neue getestete Funktionen in kurzer Zeit zu entwickeln und in den Betrieb zu bringen.

Welche Rolle spielt Mathworks hierbei?

Wallner: Unsere Software setzen Entwickler dafür ein, um neue Maschinenfunktionen effizient zu entwickeln und zu testen. Zum Beispiel Matlab, Simulink sowie über 100 Toolboxen, um etwa automatisch C, C++ oder IEC 61131 Code zu erzeugen, OPC-UA-Konnektivität herzustellen oder für Predictive-Maintenance-Anwendungen. Zusätzlich haben unsere technischen Ansprechpartner in Deutschland und anderen Standorten weltweit Erfahrung aus zahlreichen Kundenprojekten in unterschiedlichen Branchen. Hiermit können wir Maschinenbauer auf ihrem Weg zur digitalen Transformation unterstützen.

Können interessierte Messebesucher ihre Digitalisierungsprojekte mit Ihnen besprechen?

Wallner: Wir zeigen Beispiele zu den Themen virtuelle Inbetriebnahme, künstliche Intelligenz und automatisiertes Generieren von Funktionen für Industriesteuerungen. Zusätzlich stehen wir gerne für Gespräche rund um Digitalisierungsprojekte im Maschinen- und Anlagenbau bereit. Ich freue mich auf zahlreiche interessante Gespräche auf unserem Messestand.


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