Premiere vor 40 Jahren

Der steile Aufstieg und jähe Fall des IBM-PCs

6. August 2021, 14:05 Uhr | dpa
1. Personal Computer von IBM
Das undatierte Handout zeigt den ersten Personal Computer von IBM. Vor 40 Jahren startete IBM mit seinem ersten Personal Computer eine neue Ära in der Technik-Geschichte.
© IBM/dpa

Vor 40 Jahren startete IBM mit seinem ersten Personal Computer eine neue Ära in der Technik-Geschichte. Der IBM PC 5150 war zwar weder der erste noch beste Rechner. Doch kein anderer Computer hatte auf die Branche so viel Einfluss wie der erste IBM-PC.

Den Trend zum Personal Computer hat der Computergigant IBM in den 70er Jahren fast verschlafen. Damals war der Konzern zwar der führende Anbieter von Großrechnern, doch die waren meistens so groß wie ein Kühlschrank und nicht für den privaten Gebrauch geeignet. An diesen Verhältnissen wollten die Konzernmanager an der Ostküste der USA eigentlich auch nichts ändern. Doch die langhaarigen Technik-Nerds in Kalifornien, die sich im ‚Homebrew Computer Club‘ ihre selbstgebastelten Mikrocomputer vorführten, wirbelten die Pläne von IBM durcheinander und erzwangen vor 40 Jahren die Entwicklung des ersten IBM-PCs.

Einer dieser Homebrew-Nerds, der IBM in Verlegenheit brachte, war der geniale Tüftler Steve Wozniak. ‚Woz‘ wurde von seinem Freund Steve Jobs immer wieder ermahnt, nicht nur an seine Bastler-Freunde zu denken, sondern weit darüber hinaus. Der von Wozniak entwickelte Apple I wurde 1976 von den Anzugträgern bei IBM noch nicht einmal zur Kenntnis genommen. Das Nachfolgeprojekt Apple II dagegen schon.

»Plötzlich kauften Zehntausende von Menschen solche Computer (wie den Apple II) und sie liebten sie«, erinnert sich der ehemalige IBM-Manager Jack Sams in der TV-Dokumentation ‚Triumph of the Nerds‘. »Sie waren sehr zufrieden mit ihnen.« IBM musste reagieren - und zwar möglichst schnell. Doch der damalige Konzernchef Frank Carey befürchtete, bei IBM würde es vier Jahre und dreihundert Leute brauchen, um ein Projekt auf die Beine zu stellen.

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Das Know-how wurde zugekauft

Carey beauftragte Anfang 1980 den Entwickler Bill Lowe, sich im IBM-Forschungslabor in Boca Raton (Florida) mit einem verschworenen Dutzend Entwickler an die Arbeit zu machen. Sie sollten an der berüchtigten IBM-Bürokratie vorbei einen neuartigen Personal Computer entwickeln. Lowe entschied sich für eine offene Architektur ohne vorhandene IBM-Technologie.

Doch dazu mussten die IBM-Techniker Komponenten von außen zukaufen. Bei der Suche nach einem geeigneten Chip stießen sie auf Intels Mikroprozessor 8008 und legten damit das Fundament für den Aufstieg von Intel zum weltgrößten Chip-Produzenten. Auch das Betriebssystem für den neuen PC wollten die IBM-Ingenieure nicht selbst schreiben.

40 Jahre IBM PC 5150

Der IBM-PC Mod. 5150 Heinz Nixdorf
© Heinz Nixdorf MuseumsForum / Jan Braun (CC BY-NC-SA)
Bill Lowe, IBM
© Armonk/IBM/dpa
Frau bei der Arbeit an einem IBM-PC.
© Armonk/IBM/dpa

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Nachdem der führende Softwareentwickler Gary Kildall von Digital Research die IBM-Offerte nicht ernst nahm, ergriff der damals erst 25 Jahre alte Bill Gates die Chance seines Lebens. Dabei verfügte Microsoft 1980 gar nicht über ein geeignetes Produkt. Doch Gates und sein Partner Paul Allen erkannten sofort, welche Perspektive ihnen ein IBM-Auftrag eröffnen würde. Gates kaufte bei einem Entwickler in der Nachbarschaft für läppische 25 000 Dollar den Kern für eine Systemsoftware zusammen und lizenzierte IBM das Konglomerat als PC-DOS 1.0. Die erfahrenen IBM-Manager ließen sich von Gates sogar die Rechte an DOS abringen und sorgten so dafür, dass Microsoft sich zum globalen Softwaregiganten entwickeln konnte.


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