Nachgehakt bei Siegfried Schülein

Meinrad Happacher,

Zielmarkt Maschinenbau

infoteam Software ist als Softwaredienstleister in der Industrieautomation, der Energietechnik sowie der Medizintechnik etabliert. Jetzt peilt das Unternehmen ein neues Geschäftsfeld an: den Maschinenbau. Siegfried Schülein, seit Anfang des Jahres mit dem Aufbau des neuen Geschäftsfeldes beauftragt, erläutert die Hintergründe.

Siegfried Schülein, Business Segment Leiter bei infoteam Software: "Im Maschinenbau findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt."

© infoteam Software

Herr Schülein, infoteam ist seit 30 Jahren in der Industrieautomation tätig. Wo genau ziehen Sie die Grenze zwischen Ihrem etablierten Geschäft in der Industrieautomation und dem neuen Tätigkeitsfeld Maschinenbau?

Unser Geschäft in der Industrieautomation ist primär auf die Hersteller von Automatisierungskomponenten wie Sensoren, Aktoren, I/Os, Antrieben und Steuerungen spezialisiert. Wir sind herstellerunabhängig und bieten unsere Dienstleistung für beliebige Zielsysteme und Automatisierungsplattformen an. Das neue Business-Segment hat als Zielmarkt den Maschinenbau, also die Anwender der in der Industrieautomation entwickelten Automatisierungskomponenten. Wir gehen damit den nächsten logischen Schritt entlang der industriellen Wertschöpfungskette.

Machen Sie damit ihren angestammten Kunden in der Automation nicht Konkurrenz?

Es ist richtig, unsere Kunden der Industrieautomation und unser Business-Segment Maschinenbau sprechen die identische Zielgruppe an. Unsere Kunden in der Industrieautomatisierung haben jedoch das primäre Ziel, ihre Automatisierungskomponenten und -plattformen zu vermarkten. Die Konzeption und Realisierung der proprietären, maschinenspezifischen Automatisierungslösung als ergänzende Dienstleistung für den Maschinenbauer steht dabei nur selten im strategischen Fokus. Wir machen unseren Kunden in der Automatisierung also keine Konkurrenz, sondern ergänzen deren Automatisierungsplattformen um ein Dienstleistungsportfolio.

Warum geht infoteam ausgerechnet jetzt den Maschinenbau an. Bot sich diese Klientel nicht schon lange als Betätigungsfeld an?

Aktuell findet ein Paradigmenwechsel im Maschinen- und Anlagenbau statt. Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 hat bei Neu- oder Weiterentwicklungen von Maschinenkonzepten und Maschinensoftware inzwischen zu einem deutlichen Umdenken im Maschinenbau geführt. Themen wie Security, Safety, Usability und Big Data gewinnen des Weiteren massiv an Bedeutung. Die bisherige Trennung zwischen zwischen klassischer Automatisierungssoftware und Informatik ist bei der Entwicklung moderner Automatisierungskonzepte nicht mehr denkbar. Unterschiedliche Vorgehens- und Denkweisen in der Informationstechnik, der Informatik, der klassischen Automatisierungstechnik und der Mechanik müssen zusammengeführt werden. Durchgängige, modellbasierte Entwicklungsprozesse und ein interdisziplinäres Denken werden unumgänglich. Daraus resultiert ein deutlich erweitertes Anforderungsprofil an einen Entwicklungspartner für den Maschinenbauer. Viele bestehende Entwicklungs- und Applikationspartner der Maschinenbauer können diese erweiterten Erwartungen nicht mehr erfüllen, so dass der Maschinenbau zum aktuellen Zeitpunkt neue Partnerschaften mit einem deutlich erweiterten Kompetenz- und Dienstleistungsspektrum benötigt. Infoteam besitzt das notwendige Kompetenzportfolio und langjährige Erfahrung in interdisziplinärer Entwicklungsarbeit im Automatisierungs- und Informatik-Umfeld.

Wobei werden Sie den Maschinenbauer genau unterstützen?

Wir wollen unsere Partner über den gesamten Lebenszyklus ihrer Maschine unterstützen. Das kann schon im Vorfeld einer geplanten Entwicklung mit Technologie- und Prozessberatung, Machbarkeits- und Risiko- sowie Eignungsanalysen ausgewählter Automatisierungsplattformen beginnen. Im Entwicklungsprozess stehen wir von der Anforderungsanalyse über die Systemkonzeption und -spezifikation bis hin zur Realisierung, Inbetriebnahme, Pflege und Wartung der Automatisierungssoftware zur Verfügung. Unser Kompetenzportfolio deckt sowohl die Anforderungen der klassischen Automatisierung als auch der Informatik über alle Automatisierungsebenen vom Sensor/Aktor bis zur Anbindung an das ERP-System ab.

Wie sehen Ihre Vorstellungen des neuen Geschäftsbereiches für die nächsten fünf Jahre aus?

Das Business-Segment Maschinenbau ist eine strategische und soll zukünftig eine tragende Säule unserer Wachstumsstrategie werden. Weiter wollen wir aber auch durch Pionierarbeit beim Thema Industrie 4.0 und den Cyber Physical Systems mit Maschinenbauern die industrielle Zukunft maßgeblich aktiv mitgestalten. Im Laufe der nächsten fünf Jahre planen wir, uns als Dienstleistungspartner erster Wahl für Software-Entwicklung und Technologietransfer im Maschinenbau zu etablieren.

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