Torc Robotics
Wie blinde Fahrer ein Auto steuern können
Die amerikanische National Federation of the Blind (NFB) hat Entwickler dazu aufgerufen, blinden Menschen selbständiges Autofahren zu ermöglichen. Torc Robotics hat nun eine entsprechende Lösung präsentiert.
Torc hat gemeinsam mit dem Robotics and Mechanisms Laboratory der Virginia Polytechnic Institute and State University einen SUV umgerüstet. Zum einen wurde das Fahrzeug mit LiDAR-Systemen ausgestattet, um die Umgebung zu erfassen. LiDAR liefert eine 3D-Punktwolke der Hindernisse in der Umgebung des Fahrzeuges. Anhand dieser Daten lässt sich bestimmen, welche Hindernisse der Fahrer umfahren muss und über welche Teile des Untergrundes gefahren werden kann. Einer der großen Schwachpunkte von LiDAR ist jedoch die Klassifizierung von Hindernissen: Man erhält lediglich die Form eines Hindernisses. Das kann in vielen Fällen problematisch sein, etwa im Gelände und bei der Unterscheidung von Objekten wie Pflanzen von anderen, massiveren Objekten.
Deshalb kommt mit der Prosilica GC1290C von Allied Vision zusätzlich eine Spezialkamera zum Einsatz. Die Kamera nimmt Bilddaten aus der Umgebung auf und speist sie in die Software ein, um ein Verständnis der Fahrzeugumgebung zu liefern. Sie hilft beim Erkennen von Spurmarkierungen, die mit LiDAR nicht gut auszumachen sind, da sie auf die Fahrbahn gemalt sind. Darüber hinaus kann die Kamera helfen, die Spur zu finden. Die erfassten Daten liefern dem blinden Fahrer Informationen, mit denen er das Fahrzeug in der Spur halten kann.
Vibrationen geben Steuerungsimpulse
Der blinde Fahrer ist mit speziellen Handschuhen ausgestattet und sitzt auf einem Polstereinsatz auf dem Fahrersitz. In den Handschuhen befinden sich kleine vibrierende Motoren an der Spitze jedes Fingers, die helfen, Lenkinformationen an den Fahrer weiterzugeben. Die Polster auf dem Fahrersitz enthalten ebenfalls vibrierende Motoren, die sich an den Beinen und am Rücken des Fahrers befinden. Diese übermitteln die Geschwindigkeitsinformationen des Fahrzeugs.
Ist eine Beschleunigung nötig, vibriert die Polsterung an den Beinen, während der Fahrer fährt. Muss der Fahrer bremsen, werden Vibrationen am Rücken spürbar. Die Handschuhe vibrieren an der Hand, in deren Richtung das Auto gelenkt werden muss. Der Grad des Lenkeinschlags wird durch Vibrationen an bestimmten Fingern angegeben. Beispielsweise bedeuten Vibrationen am Zeigefinger, dass eine leichte Lenkung nach rechts gemacht werden muss. Mit den erfassten Daten könnte das Fahrzeug grundsätzlich zwar auch weitgehend autonom fahren, aber das Ziel der NFB ist es, blinden Menschen ein aktives Steuern eines Fahrzeugs zu ermöglichen. Bislang wird die Torc-Lösung allerdings nur auf abgesperrten Strecken erprobt.










