12. VDI Kongress Automation 2011

Meinrad Happacher,

Verkannte Automation!

Zukunft verantwortungsvoll gestalten – unter dieses Motto stellte das VDI Wissensforum den diesjährigen Kongress Automation 2011 Ende Juni in Baden-Baden. Der Rekord von 440 Besuchern unterstrich die Bedeutung der jährlich stattfindenden Automatisierungs-Plattform.

© VDI

In seinen einleitenden Worten geht der Vorsitzende der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik Dr. Kurt Bettenhausen auf das Motto des Kongresses und die häufig verkannte Bedeutung der Automation ein: „Automation ist die Leitdisziplin für die Entwicklung, Optimierung und Anwendung neuer Produkte, Verfahren und Technolgien. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Lösung anstehender gesellschaftlicher Herausforderungen.“ Nur leider sei dies so in der Öffentlichen Wahrnehmung nicht verankert. Dr. Bettenhausen: „Die Rolle der Automation muss der breiten Bevölkerung noch stärker bewusst und verständlich gemacht werden.“

Helfen hierbei soll auch die neue VDI-Broschüre „Die Zukunft kommt ganz automatisch“, die viele allgemein verständliche Beispiele eingesetzter Automatisierungstechnik beschreibt und auf dem Kongress erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert wurde. In der anschließenden Keynote streicht Professor Dr. Jörg Vienken von Fresenius Medical Care die Bedeutung der Automation in der Medizintechnik, insbesondere in dier Dialyse-Technik, heraus. Doch dann geht es mit rund 100 Vorträgen in sechs parallelen Slots in die tiefen Sphären der Technik. – Sechs Slots deshalb, weil der VDI erstmalig an den eigentlichen Automation-Kongress auch noch die beiden bisher eigenständig laufenden Kongresse „Industrielle Robotik“ und „Wireless Automation“ andockte.

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Ein großer Stellenwert kam auf dem Kongress dem Engineering zu. Dr. Sebastian Schreiber vom Institut für Automatisierungstechnik in Hamburg etwa formulierte die Anforderungen an Steuerkonzepte für moderne Fertigungsanlagen. Wobei er sich auf die Herausforderungen für dezentrale Ansätze konzentrierte. Denn, so seine Meinung: „Bisherige Steuerungskonzepte, meist geprägt durch eine zentralistische oder stark hierarchische Struktur, sind nur noch bedingt geeignet, die heute vorherrschende Komplexität zu beherrschen.“ Schreiber stellte einen Anforderungskatalog für Steuerungen in modernen Fertigungsanlagen vor, der als erster Schritt dienen soll, dezentrale Steuerungskonzepte untereinander zu vergleichen.

Camelia Maga vom in Stuttgart ansässigen Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik, stellte Möglichkeiten zur Steigerung des Wiederverwendungsgrades mechatronischer Artefakte anhand von Domain Repositories vor. Sie schlug Kriterien vor, die domainübergreifend die Konzepte und Methoden der Domain Repositories erfassen und über diese eine Evaluierung unterschiedlicher Domain Repositories ermöglichen.

Inwiefern die IEC 61131 in modellgetriebene Entwicklungsprozesse eingebunden werden kann, erläuterte Prof. Georg Frey vom Lehrstuhl für Automatisierungstechnik von der Universität des Saarlandes. Er untersuchte, ob die Verbindung der IEC 61131 mit weiteren Ansätzen – konkret der IEC 61499, UML und SysML – zu einem abstrakteren Entwurfsprozess im Sinne des Model Driven Development führen kann. Sein Fazit: Die IEC 61131-3 enthalte in ihrem Funktionsbausteinkonstrukt bereits einige Konzepte aus der Objektorientierung. Mit der Funktionsbausteinsprache (FBS) stehe darüber hinaus eine Methode zur grafischen Beschreibung von Applikationen im Sinne der modellgetriebenen Entwicklung zur Verfügung. Allerdings erlaube die FBS keine Modellierung auf höheren Abstraktionsebenen. Die Einbindung der IEC 61499 bringe hier keine weiteren Vorteile; UML eigne sich bei geeigneter Interpretation der Elemente und Verwendung enstprechender Profile recht gut. Die besten Voraussetzungen für ein integriertes modellgetriebenes Vorgehen böte allerdings SysML.

Die parallelen Tagungen

Erstmals hat der VDI das Umfeld des Automations-Kongresses dazu genutzt, parallel auch die Jahrestagungen „Wireless Automation“ und „Industrielle Robotik“ durchzuführen. Im Wireless-Track beschäftigten sich viele der Vorträge mit der Fragestellung, an welchen Stellen der industriellen Fertigung - inklusive des Ex-Bereiches - die drahtlose Kommunikation sinnvoll einsetzbar ist. Dass diese Frage nicht einfach beziehungsweise pauschal zu beantworten ist, zeigt sich allein an der mittlerweile fast unüberschaubaren Anzahl unterschiedlicher beziehungsweise (firmen-)spezifischer Lösungen und Standards.

Speziell was das Thema M2M-Kommunikation (Machine-to-Machine) betrifft, wies Prof. Dr. Jürgen Jasperneite vom Institut Industrial IT (inIT) in Lemgo auf die Problematik der schwankenden Verbindungsstabilität in den Mobilfunknetzen hin, die im Rahmen einer Langzeitmessung untersucht werden. Ein Ergebnis, das zu denken gibt: Innerhalb eines Messzeitraumes von zehn Tagen kam es zu mehreren hundert Verbindungsausfällen von bis zu 50 Sekunden – auch längere Ausfälle von bis zu 40 Minuten sind keine Seltenheit! Das Fazit: Für die Übertragung von Alarmen beziehungsweise für echtzeitkritische Anwendungen sind die heutigen Netze nur bedingt zu empfehlen.

Praktische Anwendungsaspekte standen auch bei der Robotik-Tagung im Fokus. Dabei wurde deutlich, dass sich die Roboter einerseits innerhalb ihrer bisherigen Stammbranche – der Automobilindustrie – immer mehr Applikationsfelder neben dem Rohbau erschließen. So werden beispielsweise bei Daimler oder Audi in der Montage und der Vorkommissionierung zunehmend neue Ansätze auf Basis innovativer Konzepte der Mensch-Roboter-Interaktion sowie auf der Grundlage von mobilen und zum Teil sensiblen (Leichtbau-)Roboterplattformen erprobt. Doch auch außerhalb der Automobil- und deren Zulieferindustrie erobern sich die „stählernen Werker“ neue Applikationsfelder: Der Einsatz des Roboters als Werkzeugmaschine ist nur ein Beispiel hierfür.

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