Siemens Q4/2024
Rekordgewinn und zähes Wachstum
Siemens erwartet für das neue Geschäftsjahr ein weiteres Wachstum. So soll der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 3 bis 7 % steigen, teilte das Unternehmen am 14. November mit. Herausgerechnet sind Währungs- und Portfolioeffekte.
Siemens leidet zwar unter eher zähen Geschäften – insbesondere bei der Automatisierung – doch in der Bilanz steht ein Rekordgewinn. Der Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 9 Mrd. Euro Gewinn nach Steuern erzielt – so viel wie nie zuvor, wie das Dax-Unternehmen mitteilte. Den Rekord verdankt der Konzern aber auch einem Buchgewinn von einer halben Milliarde durch die Übertragung von Anteilen an seiner Ex-Tochter Siemens Energy an den eigenen Pensionsfonds.
Beim Umsatz kommt Siemens dagegen nur langsam voran. So wird es den eigenen Vorhersagen zufolge auch im seit Oktober laufenden neuen Geschäftsjahr bleiben. Siemens profitiere «von der anhaltend großen Nachfrage bei der Elektrifizierung, Mobilität und unseren industriellen Software-Angeboten», sagte Konzernchef Roland Busch. Das Automatisierungsgeschäft bleibe dagegen «herausfordernd». Für das Geschäft mit der digitalen Industrie (DI) zeigte sich das Unternehmen vorsichtig und hält einen erneuten Umsatzrückgang für möglich. Im besten Fall dürfte lediglich ein leichtes Wachstum erreicht werden. Zuletzt kämpfte Siemens im Automatisierungsgeschäft mit einer mauen Nachfrage sowie hohen Lagerbeständen in Europa und insbesondere China. Dabei erwartet Siemens einen schwachen Jahresauftakt der Sparte und einen deutlichen Umsatzrückgang im ersten Geschäftsquartal. So werde der Abbau der Lagerbestände in China noch eine Weile dauern, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas. Zu einer breiteren Erholung des Automatisierungsgeschäfts werde es erst später im Jahr kommen.
Um der Schwäche zu begegnen, will Siemens in dem Bereich bei den Kosten »nachschärfen«. Dazu gehört auch der Abbau von Stellen - weltweit ist nach Angaben Buschs zufolge eine niedrige bis mittlere vierstellige Zahl an Jobs betroffen. Dabei sollen auch Mittel wie Umschulungen und der Wechsel auf andere Arbeitsplätze zum Einsatz kommen, erläuterte Busch und verwies auf tausende offene Stellen bei Siemens derzeit. Ob und wie Deutschland betroffen ist, ließ er zunächst offen.
Umsatz wächst nur leicht
Den größten Beitrag zum Ergebnis lieferte dieses Jahr die Sparte Smart Infrastructure, die deutlich zulegen konnte. Damit überholte sie die Sparte Digital Industries mit dem schwächelnden Automatisierungsgeschäft. Digital Industries leidet seit einiger Zeit unter anderem an hohen Lagerbeständen bei Kunden und Händlern. Dort sanken Umsatz und Ergebnis deutlich.
Insgesamt konnte Siemens den Umsatz im Geschäftsjahr 2024 um 1 % auf 75,9 Mrd. Euro steigern. Der Auftragseingang sank um 6 % auf 84,1 Mrd. Im neuen Geschäftsjahr erwartet Siemens dennoch ein mäßiges Umsatzwachstum von 3 bis 7 % auf vergleichbarer Basis. Der Gewinn soll sich – ohne Sondereffekte – auf ähnlicher Basis wie 2024 abspielen. Inklusive Sondereffekte hat Siemens die ersten 2 Mrd. Euro schon in der Tasche. Der jüngst abgeschlossene Verkauf des Elektromotorenhersteller Innomotics sorgt für einen vorläufigen Gewinn in dieser Höhe, der im laufenden neuen Geschäftsjahr zu Buche schlagen wird.
Starker Abschluss im vierten Quartal
Im vierten Quartal stieg der Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 10 % auf 22,9 Mrd. Euro an (Q4 GJ 2023: 21,2 Mrd. Euro). Dieser Anstieg ist auf ein sehr starkes Wachstum bei Mobility und eine beträchtliche Zunahme bei Smart Infrastructure zurückzuführen. Ebenso stiegen die Umsatzerlöse auf vergleichbarer Basis um 2 % auf 20,8 Mrd. Euro (Q4 GJ 2023: 20,6 Mrd. Euro), mit Wachstum bei Smart Infrastructure, Mobility und Siemens Healthineers, während ein Rückgang im Automatisierungsgeschäft von Digital Industries gegenläufig wirkte.
Das Ergebnis des Industriellen Geschäfts sank auf 3,1 Mrd. Euro. Dieses ist auf einen sehr starken Rückgang bei Digital Industries zurückzuführen, insbesondere wegen des Automatisierungsgeschäfts. Die anderen industriellen Geschäfte steigerten ihre Ergebnisse, angeführt von Smart Infrastructure mit seinem höchsten jemals erzielten Quartalsergebnis. Die Ergebnismarge des Industriellen Geschäfts erreichte 15,5 %.
Der Gewinn nach Steuern betrug 2,1 Mrd. Euro nach 1,9 Mrd. Euro im Vorjahresquartal, in dem der Gewinn nach Steuern durch einen Verlust von 0,2 Mrd. Euro im Zusammenhang mit der Siemens Energy-Beteiligung sowie durch eine höhere Steuerquote belastet war.










