TIA Portal

Günter Herkommer,

Siemens definiert Engineering neu

Anton S. Huber (im Bild), Geschäftsführer des Geschäftsbereiches Industry Automation, gab am ersten Messetag den offiziellen Startschuss für eine neue Ära in Sachen Engineering. Zentrales Element hierfür ist das Framework „TIA Portal“, welches die Basis aller künftigen Engineering-Systeme zur Projektierung, Programmierung und Inbetriebnahme der Automatisierungsgeräte und Antriebssysteme von Siemens sein wird.

Anton Huber ist überzeugt: „Durch die Vereinheitlichung der Bedienoberfläche und eine gemeinsame Datenbasis wird das Handling der verschiedenen Engineering-Tools deutlich einfacher und es entstehen erstmals anlagenweit konsistente und damit transparente Lösungen.“

© Siemens

„Für die Entwicklung des neuen Frameworks hat Siemens über mehrere Jahre hinweg typische Engineering-Anwendungen untersucht sowie Kundenanforderungen weltweit analysiert und bewertet“, betont Anton S. Huber anlässlich der Erstpräsentation auf der SPS/IPC/Drives 2010. Herausgekommen ist das TIA Portal, welches als integraler Bestandteil der kommenden Engineering-Systeme von Siemens gemeinsame Dienste und Eigenschaften bereitstellen und ein einheitliches, konsistentes Systemverhalten sicherstellen soll. So werden künftig beispielsweise alle Geräte und Feldbusse nur noch mit einem gemeinsamen Geräte- und Netzwerkeditor konfiguriert.

Projektnavigation, Bibliothekskonzepte, Datenhaltung, Projektablage, Diagnose und Online-Funktionen werden vereinheitlicht und dem Anwender über eine gemeinsame Rahmenapplikation bereitgestellt. Zudem sind Daten wie Parameter, Bausteine, Tags oder Meldungen nur noch einmal an einer Stelle einzugeben. Das neue TIA Portal kommt nicht ‚ohne Begleitung‘ – ebenfalls zur Messe hat Siemens mit „Step 7 V11“ und „WinCC V11“ die zwei ersten, dafür maßgeschneiderten Engineering-Systeme vorgestellt. Step7 V11 dient der Projektierung, Programmierung und Diagnose sämtlicher Simatic-Controller – angefangen bei der Klein-Steuerungen Simatic S7-1200, die Siemens bereits zur Hannover Messe 2009 als Nachfolger der S7-200-Generation auf den Markt gebracht hat, über die bisherigen Steuerungsfamilien Simatic S7-300 und -400 bis hin zur PC-basierten Automatisierung Simatic WinAC.

Huber zufolge wurden für hierfür die Programmier-Editoren S7-SCL, S7-Graph, KOP, FUP und AWL komplett neu entwickelt. Simatic Step 7 V11 gibt es in den Varianten Basic und Professional. Erstere zielt speziell auf die S7-1200er-Serie, die zweite deckt sämtliche Simatic-Controller-Familien einschließlich S7-1200 ab . In beiden enthalten ist Simatic WinCC Basic V11 zur Projektierung der HMI-Basic-Panels. Für die Professional-Variante gibt es zudem die Optionspakete PID Professional V11 zur Reglerprojektierung mit Funktionalität der bisherigen Optionen Standard PID Control und Modular PID Control sowie Easy Motion Control und nicht zuletzt Step 7 Safety V11. „Vor allem Applikationen für fehlersichere Simatic-Controller profitieren künftig von dem intuitiven Engineering und dem einheitlichen Bedienkonzept für Standard- und sicherheitsgerichtete Anwendungen“, ist Huber überzeugt.

Bestehende Konfigurationen mit Simatic-Steuerungen und -HMI-Komponenten lassen sich seinen Worten zufolge in die neue Software übernehmen und weiter verwenden. Ebenfalls auf TIA Portal basiert die neue Software Simatic WinCC V11. Zu den erweiterten Funktionalitäten zählen zum Beispiel die symbolische Adressierung bei den S7-1200-Controllern, ein durchgängiges Bibliothekskonzept und neue Bibliotheksobjekte. Auch die Runtime-Funktionen wurden erweitert. Dazu gehören F(x) Control für die Comfort-Panels und PC-Einplatzsysteme, vielfältige Kommunikationstreiber für Fremdsysteme und OPC UA (OPC Unified Architecture) sowie Erweiterungen bei den Rezepturen, zum Beispiel das Laden von Datensätzen zurück in das Engineering.

Die künftige HMI-Software gibt es ebenfalls in unterschiedlichen Ausprägungen: „Basic“ für die Basic-Panels und „Comfort“ für alle Simatic-Panels. Die Ausführung „Advanced“ in Kombination mit WinCC Runtime Advanced unterstützt zusätzlich die PC-basierte Visualisierung im maschinennahen Umfeld. Die Ausprägung „Professional“ bietet darüber hinaus umfangreiche Scada-Funktionen. In einer weiteren Ausbaustufe soll Huber zufolge im Laufe des nächsten Jahres schrittweise die Inbetriebnahme von Umrichtern der Antriebsfamilie Sinamics in TIA Portal integriert werden, womit der Anwender dann „mit Step 7 und WinCC aus einem Guss Antriebs- und Automatisierungsaufgaben lösen kann“, verspricht Huber.

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