Siemens – das Geschäftsjahr 2012
Sektor Industry soll gestärkt werden
Siemens-Chef Peter Löscher hat am 8. November die Zahlen für das vierte Quartal sowie für das gesamte Geschäftsjahr 2012 bekannt gegeben. Das Fazit: Der Auftragseingang sank stärker als der Konzern beim Umsatz zulegen konnte. In den kommenden Jahren will Löscher insbesondere den Sektor Industry stärken. Die aktuelle Übernahme der Firma LMS ist ein erster Schritt auf diesem Weg.
Siemens hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von knapp 78,3 Mrd. Euro generiert – rund sieben Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr (73,3 Mrd. Euro). Trotz positiver Umsatzentwicklung in allen Sektoren ging das Ergebnis über alle Sektoren von 9,4 Mrd. Euro im Vorjahr auf 7,5 Mrd. Euro zurück (-20 Prozent). Der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten sank im Jahresvergleich von 7,4 auf 5,2 Mrd. Euro (-30 Prozent), der Gewinn nach Steuern um 27 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro. Ebenfalls gesunken – wenn auch nicht so stark wie der Gewinn – ist der Auftragseingang: und zwar um zehn Prozent von ehemals 85,2 Mrd. Euro auf 76,9 Mrd. Euro.
Der Sektor Industry wies einen Auftragseingang in Höhe von 20 Mrd. Euro aus nach 20,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Der Umsatz erhöhte sich um fünf Prozent auf 20,5 Mrd. Euro. Das Ergebnis des Sektors Industry hingegen sank um zehn Prozent: von 2,75 Mrd. Euro in 2011 auf jetzt 2,47 Mrd. Euro. Im Sektor Infrastructure & Cities sank der Auftragseingang um 20 Prozent auf 17,2 Mrd. Dies sei vor allem auf im Vorjahr gebuchte Großaufträge im Bahngeschäft zurückzuführen, wie etwa für den ICx – den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte. Alle anderen Divisionen des Sektors verzeichneten ein größeres Auftragsvolumen als im Vorjahr.
Im Sektor Energy sank der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 26,9 Mrd. Euro. Ursache hierfür war laut Siemens unter anderem ein geringeres Volumen aus Großaufträgen als im Vorjahr. Der Umsatz des Sektors stieg hingegen um zwölf Prozent auf 27,5 Mrd. Euro. Positiv entwickelte sich der Sektor Healthcare. Hier lagen Auftragseingang und Umsatz über den Vorjahreswerten. Während sich der Auftragseingang um fünf Prozent von 13,1 Mrd. Euro im Vorjahr auf 13,8 Mrd. Euro erhöhte, kletterte der Umsatz um neun Prozent von 12,5 Mrd. Euro auf 13,6 Mrd. Euro.
Die Reaktion auf sinkende Margen und Auftragseingänge
"Nachdem wir in den letzten Jahren unsere Performance gegenüber Wettbewerbern stark verbessert hatten, ist uns das im vergangenen Jahr nicht überall gelungen", resümiert Löscher das zurückliegende Geschäftsjahr und kündigt als Konsequenz an: "Um unsere selbst gesteckten Ziele wieder zu erreichen, haben wir das Unternehmensprogramm 'Siemens 2014' gestartet, mit dem wir die Ergebnismarge für die Summe der Sektoren von aktuell 9,5 auf mindestens zwölf Prozent im Jahr 2014 erhöhen wollen. Wir wissen, was zu tun ist, und sorgen für eine konsequente Umsetzung der Maßnahmen."
Einer der fünf Hebel des Programms ist, die Kerngeschäfte des Unternehmens zu stärken. Mit dieser Zielsetzung übernimmt Siemens für rund 680 Millionen Euro im Sektor Industry die Firma LMS International und ordnet außerdem sein Wassergeschäft neu. Dieses soll auf die Siemens-Kernkompetenz für Automatisierungs- und Antriebstechnik fokussiert werden, während die Aktivitäten zur Aufbereitung und Behandlung von Wasser und Abwasser zum Verkauf gestellt werden.
Mit über 1200 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 140 Mio. Euro für die ersten neun Monate des Jahres 2012 (1. Januar bis 30. September) ist LMS Geschäftspartner für etwa 5000 Unternehmen der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt sowie anderer Industrien. Das Privatunternehmen mit Sitz in Leuven, Belgien, vertreibt seine Simulationssoftware zur Bewertung mechatronischer Systeme hinsichtlich Akustik, Vibrationen, Schwingungen, Betriebsfestigkeit und Dynamik in 15 Ländern. Mit dem Zukauf von LMS erreicht Siemens nach den Worten von Löscher in diesem Softwaresegment eine Spitzenposition.
Der Ausblick auf 2013
Im Geschäftsjahr 2013 will Siemens beginnen, das unternehmensweite Programm 'Siemens 2014' umzusetzen. Im ersten Jahr des Programms erwartet das Unternehmen – auf organischer Basis – ein moderates Wachstum des Auftragseingangs und einen Umsatz, der sich dem im Geschäftsjahr 2012 erreichten Niveau annähern werde. Konkret rechnet Siemens mit einem Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten in einer Bandbreite von 4,5 bis 5 Mrd. Euro. Hierin sind Belastungen von insgesamt rund einer Milliarde Euro für programmbezogene Produktivitätsmaßnahmen in den Sektoren enthalten. Das Unternehmen geht weiterhin davon aus, dass die hiermit verbundenen Produktivitätsgewinne in den Ergebnissen des Geschäftsjahrs 2014 realisiert werden.













