Pilz
Maschinen brauchen unseren Schutz!
Heutige Unternehmen stehen vor neuen Sicherheitsherausforderungen, denn ohne Industrial Security kann keine Safety mehr gewährleistet werden. Die Security muss sowohl den direkten physikalischen Zugang zur Maschine als auch den digitalen Zugriff über Netzwerke abdecken.
Die von einer Maschine oder Anlage ausgehenden Restrisiken dürfen akzeptable Werte nicht übersteigen, verlangt die Safety. Dies schließt sowohl die Gefährdungen der Umgebung der Anlage als auch die Gefährdungen innerhalb der Anlage ein. Industrial Security betrifft den Schutz einer Maschine oder Anlage vor unbefugten Zugriffen von außen sowie den Schutz sensibler Daten vor Verfälschung, Verlust und unbefugtem Zugriff im Innenverhältnis. Das schließt sowohl explizite Angriffe als auch unbeabsichtigte Security-Vorfälle ein.
In der klassischen IT spielt Security schon seit langem eine zentrale Rolle. Daher gibt es eine Reihe von Normen wie etwa die Reihe der ISO/IEC 27000 ‚Information technology – Security techniques – Information security management systems – Overview and vocabulary (ISO/IEC 27000:2016); German version EN ISO/IEC 27000:2017‘. Deren Anforderungen lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf die Automatisierung übertragen, wo die Verfügbarkeit der Daten an erster Stelle steht – als eine wesentliche Voraussetzung für reibungslose Fertigungsprozesse. In der IT hingegen hat die Vertraulichkeit der Daten oberste Priorität.
Um effektive Security-Lösungen für die Automatisierung zu ermöglichen, erarbeiten verschiedene Organisationen entsprechende Normen. Darin werden jedoch nur Teilaspekte wie etwa die Abgrenzung von Security und Safety beschrieben. Außerdem liegen sie weder als Entwurf noch als offizielle Norm vor, sind also eher technische Referenzen.
| Für Komponentenhersteller | Für Systemintegratoren | Für Betreiber |
|---|---|---|
| 62443-4-1 Entwicklungsprozess | 62443-2-4 Richtlinien und Vorgehens-weisen | 62443-2-4 Richtlinien und Vorgehensweisen |
| 62443-4-2 Security-Funktionen für die Komponente | 62443-3-2 Security-Funktionen für Automatisierungs- und Steuerungs-systeme | 62443-2-1 Betrieb und Service |
Die Normungssituation
Hingegen gibt es mit der IEC 62443 ‚Industrielle Kommunikationsnetze – IT-Sicherheit für Netze und Systeme‘ eine internationale Normenreihe, die die IT-Sicherheit in der Automatisierung umfassend behandelt. Ihr Themenspektrum reicht von der Systemintegration über den Betrieb einer Anlage bis zur sicheren Entwicklung von Produkten (Security by Design). Dadurch bietet die IEC 62443 die derzeit beste Orientierungshilfe für Anlagenbetreiber und Gerätehersteller, um Security effektiv umzusetzen.
Die derzeit beste Orientierungshilfe für Anlagenbetreiber und Gerätehersteller, um Security effektiv umzusetzen, ist die internationale Normenreihe IEC 62443 ‚Industrielle Kommunikations-netze – IT-Sicherheit für Netze und Systeme‘. Ihr Themenspektrum reicht von der Risikoanalyse über Anforderungen für den sicheren Betrieb bis zur sicheren Entwicklung von Produkten.
© Fotolia / adiruch na chiangmaiDas ‚ICS Security Kompendium‘ des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wendet sich insbesondere an die Betreiber industrieller Steuerungssysteme. Erläutert werden sowohl allgemeine Grundlagen als auch besondere Anforderungen und relevante Standards. Zudem werden geeignete Maßnahmen vorgestellt und Wege aufgezeigt, wie sie durchgeführt werden können.
Während die IEC 62443 und das ‚ICS Security Kompendium‘ eher etwas für Experten sind, ermöglicht die VDI-Richtlinie VDI/VDE 2182 einen vergleichsweise einfachen Einstieg in die Thematik. Doch aufgrund der Komplexität der industriellen Security ist es sicherlich ratsam – spätestens wenn es an die Umsetzung geht – externe Spezialisten hinzuzuziehen.
Die beste Effizienz bieten Lösungen, bei denen Safety und Industrial Security ganzheitlich, aber doch logisch getrennt, betrachtet werden. Wie kann eine solche Lösung aussehen?
Zugangskonzepte zu Maschinen
Die Zeiten, in denen die Sicherheit auf einer möglichst strikten Trennung von Mensch und Maschine beruhten, sind vorbei. Die Prozesse werden immer dynamischer, der Bedarf an kontrollierten Eingriffen in den Prozess sowie die Anforderungen an die Produktivität steigen und verändern somit sukzessive auch die Sicherheitstechnik. Wesentliche Bedeutung haben dabei die Zugänge zur Maschine beziehungsweise zum Prozess. Diese müssen gegen unbefugtes Öffnen (mutwillig oder versehentlich) zu sichern sein und unzweifelhaft sicherstellen, dass sich beim Start der Maschine keine Personen im Gefährdungsbereich aufhalten. Diese klassischen Safety-Aufgaben basieren auf unterschiedlichsten Sensor-Technologien von Lichtgittern bis zu sicheren Schutztürsystemen.
Heute muss es möglich sein, in definierten Schutzzonen einer Anlage tätig zu sein, ohne dass der gesamte Produktionsprozess zum Erliegen kommt. Wer darf an welcher Maschine wann was machen? Wer die Antworten auf diese Fragen geben kann, hat den Grundstein für mehr Produktivität gelegt.
Die Systemlösung
So vereint zum Beispiel das Betriebsartenwahl- und Zugangsberechtigungs-system ‚PITmode‘ von Pilz Safety- und Security-Funktionen in einem System. Das heißt, mit den Geräten ist die funktional sichere Betriebsartenwahl sowie die Regelung der Zugangsberechtigung an Maschinen und Anlagen möglich. Die Geräte lassen sich in Maschinen und Anlagen einsetzen, in denen zwischen unterschiedlichen Steuerungsabläufen und Betriebsarten umgeschaltet werden muss. Über codierte Transponderschlüssel mit RFID-Technologie können jedem Mitarbeiter die an seine Fähigkeiten angepassten Maschinenfreigaben und Berechtigungen erteilt werden. Die sichere Auswerte-Einheit (Safe Evaluation Unit) erkennt die vorgegebene Betriebsart wie beispielsweise Automatikbetrieb, manuelles Eingreifen unter eingeschränkten Bedingungen oder Servicebetrieb, wertet sie aus und schaltet funktional sicher um. Dadurch werden Fehlbedienung und Manipulation vermieden und Mensch und Maschine geschützt.
Safety- und Security-Funktionen in einem: Das Betriebsartenwahl- und Zugangsberechtigungssystem ‚PITmode‘ ermöglicht die funktional sichere Betriebsartenwahl sowie die Regelung der Zugangsberechtigung an Maschinen und Anlagen.
© PilzEine Systemlösung aus konfigurierbarer Kleinsteuerung ‚PNOZmulti 2‘ und ‚PITmode‘ erlaubt eine umfassende Zugangskontrolle sowie eine funktional sichere Betriebsartenwahl. Die Möglichkeiten dieser erweiterten Systemlösung reichen von der einfachen Freigabe über die Authentifizierung für bestimmte Maschinenteilfunktionen bis zu einer komplexen hierarchischen Berechtigungsmatrix. So lassen sich Zugangsberechtigungen mit hohem Manipulationsschutz anwenderfreundlich konfigurieren, was das Manipulations-Management vereinfacht. Ergänzt um sichere Sensorik für die Zugänge zur Maschine entsteht ein flexibles Sicherheitskonzept – nicht allein unter Safety-Gesichtspunkten: Auch Security-Aspekte sind mit Blick auf Benutzer-Authentifizierung, Qualifizierung und Zugriffsschutz berücksichtigt.
Netze schützen
Wenn sich Maschinen und industrielle Prozesse intelligent vernetzen, werden diese Netzwerke angreifbar. Hier brauchen Maschinen künftig noch mehr Schutz: Die Application Firewall SecurityBridge von Pilz schützt Steuerungen wie die konfigurierbaren, sicheren Kleinsteuerungen ‚PNOZmulti‘ und das Automatisierungs-system ‚PSS 4000‘ vor netzwerkbasierten Angriffen sowie vor unautorisiertem Zugriff.
Security ist ein ‚moving target‘, verändert sich also während des Produkt-Lebenszyklus. Angreifer entwickeln immer bessere Methoden, um Abwehrmaßnahmen zu überwinden. Daher müssen die Maßnahmen gegen Cyber-Bedrohungen kontinuierlich verbessert werden.
© Fotolia / ipopbaDie ‚SecurityBridge‘ kann der Base Unit der Steuerung vorgeschaltet werden. Sie fungiert als VPN-Server, über den ein Virtual Private Network (VPN) zu einem oder mehreren Client-PCs (Konfigurations-PC) aufgebaut werden kann. Somit ist die Verbindung zwischen PC und Gerät gesichert. Konfigurationsänderungen an einem Projekt können nur Anwender durchführen, die eine entsprechende Berechtigung besitzen. Dies verhindert den unautorisierten Zugriff auf das geschützte Netzwerk. So ist die Datenübertragung zwischen Client-PC und SecurityBridge abhör- und manipulationssicher. Anders als generische Firewalls muss sie nicht aufwendig konfiguriert werden und kann dank anwendungsspezifischer Voreinstellungen nach dem Plug-and-play-Prinzip einfach in Betrieb genommen werden. Darüber hinaus kontrolliert die ‚SecurityBridge‘ den Prozessdatenverkehr und überwacht die Integrität des Safety-Systems. Veränderungen in der Prüfsumme geben Aufschluss über Veränderungen in den Anwendungs-Projekten. Die ‚SecurityBridge‘ wurde auch unter dem Gesichtspunkt der Security in einem TÜV-zertifizierten Prozess nach der oben genannten IEC 62443-4-1 entwickelt. Dabei werden von vornherein Aspekte wie Bedrohungsszenarien, Stärken und Schwachstellen von Protokollen oder Verschlüsselungsverfahren berücksichtigt.
Neben der notwendigen Technologie ist für Security das Bewusstsein für die Bedrohung außerordentlich wichtig. Dabei kommt dem Menschen selbst stets eine Schlüsselrolle zu, sowohl am Computer als auch an der Maschine. Ein ungeschützter Port oder das unbedachte Öffnen einer E-Mail genügt und schon kann Schadsoftware in ein
Firmennetz gelangen. Auch die beste Türabsicherung oder Zugangskontrolle hilft nicht, wenn sich Unbefugte über das IT-System Zugang zur Maschine verschaffen. Zukunftsfähige Automatisierungslösungen müssen den Aspekt der Sicherheit von Anfang an berücksichtigen. Sicherheit ist dabei nicht nur als Hardware zu verstehen, sondern als Funktion, die weit über eine rein technische Betrachtung hinausgeht.
Interview zum aktuellen Thema mit Thomas Pilz, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Pilz.

















