Turck

Meinrad Happacher,

Die neue SPS – IoT inklusive!

Turck stellte eine robuste Kompaktsteuerung für modulare, schaltschranklose Maschinenkonzepte vor. Als Prototyp einer IP67-Cloud-Lösung war dieses Gerät auf der 27. SPS IPC Drives zu sehen. Oliver Merget, Leiter Geschäftsbereich Automation System bei Turck, erläutert das Konzept.

Oliver Merget: "Die Cloud-Lösung wird in die Codesys-Umgebung integriert sein."

© Computer&AUTOMATION

Herr Merget, Sie stellen jetzt die erste Kompakt-PLC von Turck vor. Wie lässt sich das Gerät einordnen?
Merget:
Die TBEN-L-PLC ist eine Codesys-3-Steuerung im robusten Block-I/O-Modul. Sie lässt sich als Kompaktsteuerung für kleine bis mittelgroße autarke Maschinen, aber auch für einzelne vernetzte Module großer komplexer Maschinen einsetzen. Dank der hohen Schutzarten IP67 und IP69K, lässt sich die SPS direkt an der Maschine montieren, wodurch nun endlich schaltschranklose Maschinenkonzepte realisierbar sind, wo bisher, zumindest für die Steuerung, noch ein Schaltschrank nötig war. Durch die Vielzahl der Schnittstellen und der unterstützten Master- und Slave-Protokolle lassen sich an die Kompakt-SPS weitere I/O-Module anbinden. Das Gerät kann darüber hinaus mit einer übergeordneten Hauptsteuerung arbeiten, um einzelne Maschinenmodule miteinander zu vernetzen.

Das Gerät soll zukünftig aber noch mehr können – Stichwort IoT!
Merget:
Richtig, neben den vielfältigen Kommunikationsschnittstellen und weiteren Funktionen wie etwa dem integrierten Webserver und den vielfältigen Diagnosemöglichkeiten, die die PLC bereits jetzt bietet, stellen wir hier auf der Messe einen ersten Prototyp einer Cloud-Anbindung vor – momentan allerdings noch im Status einer Studie.
Daten lassen sich dabei direkt aus der Steuerung in eine Cloud übertragen und dort nicht nur anschaulich darstellen, sondern auch speichern und von jedem beliebigen Ort aus abrufen. Natürlich können auch von außerhalb über die Cloud Daten an die SPS übermittelt werden, um beispielweise Produktionsparameter flexibel und schnell anpassen zu können. So werden IoT-Themen als Wegbereiter für Industrie 4.0 wie beispielsweise Predictive Maintenance und Fernwartung, die in Zukunft immer weiter an Bedeutung gewinnen werden, realisierbar.
Daten, die bisher eventuell gar nicht erfasst wurden, lassen sich so in der Cloud nicht nur speichern, sondern auch auswerten und etwa zu Effizienzbetrachtungen heranziehen. Aber auch völlig neue Geschäftsmodelle sind denkbar – beispielsweise die Abrechnung eines Maschinenherstellers mit seinem Kunden nach Produktivität und Output der Maschine anstelle des Maschinenverkaufs. Das Potenzial an Möglichkeiten, das eine Cloud-Anbindung bietet, ist nicht zuletzt auch durch die immer schneller voranschreitende Digitalisierung nahezu grenzenlos. Im Rahmen der Studie und in Gesprächen mit unseren Kunden und Interessenten bereiten wir derzeit die digitale Zukunft vor, in der eine Cloud-Lösung ein wichtiger Bestandteil sein kann.

Wie wird sich die IoT-Lösung für den Anwender darstellen?
Merget:
Da es sich bei der hier gezeigten Cloud-Anbindung um eine Studie handelt, ist deren Ergebnis naturgemäß noch nicht festgelegt. Einen großen Einfluss auf das Ergebnis werden unsere Kunden haben, mit denen wir eng im Gespräch sind. Sicher lässt sich aber sagen, dass wir eine Cloud-Lösung erreichen wollen, die direkt in die Codesys-3-Programmierumgebung unserer Steuerung integriert ist. Durch das einfache Hinzufügen von Variablen zu einer Symboltabelle, die mit der Cloud synchronisiert wird, lässt sich die Cloud-Anbindung für den Programmierer sehr leicht und ohne Zusatztools direkt in seinem SPS-Projekt realisieren.

Wie aufwendig gestaltet sich für Turck die Implementierung und Bereitstellung einer solchen IoT-Lösung? Und bis wann ist mit einem serienreifen Gerät zu rechnen?
Merget: I
m Gegensatz zur Entwicklung eines Hardware-Produktes, das sich meist auf Hard- und Firmware beschränkt, sind für die Cloud-Lösung einige weitere Faktoren relevant. Ein sehr wichtiger Punkt ist hier ein durchdachtes IT-Sicherheitskonzept, um das Maschinennetzwerk wirksam vor Angriffen von außen zu schützen. Weiter muss neben einem Geschäftsmodell die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, was zum einen die nötige Hardware in Rechenzentren, zum anderen aber auch die Mechanismen der Abrechnung umfasst. Aktuell planen wir die Freigabe für das vierte Quartal 2017.

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