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Artikel und Hintergründe zum Thema

100 Jahre Phoenix Contact

Andrea Gillhuber,

»Der Wettbewerb beginnt erst in der Anwendung«

Mit der Reihenklemme fing alles an, weiß Hans-Jürgen Koch von Phoenix Contact. Heute ist das Ziel der Unternehmens, die Welt vollumfänglich zu elektrifizieren. Für die Zukunft ist sich Koch sicher: In nicht marktdifferenzierenden Themen sollten Unternehmen mehr kooperieren.

Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Koch ist Executive Vice President Industry Management and Automation bei Phoenix Contact Electronics in Bad Pyrmont

© Phoenix Contact

Herzlichen Glückwunsch zu 100 Jahre Phoenix Contact! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung Ihres Unternehmens?

Hans-Jürgen Koch: Spontane Antwort: die Reihenklemme. Sie hat die Marke Phoenix Contact geprägt und zumindest im Bereich der Elektrotechnik kennt sie jeder. Die Reihenklemme war und ist die Basis für das, was Phoenix Contact heute darstellt. Mit ihrem wirtschaftlichen Erfolg schuf sie ideale Voraussetzungen für die Entwicklung aller weiteren Produktsparten wie zum Beispiel Geräteanschlusstechnik, Industrieelektronik und Automatisierungstechnik.

Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘ und was macht ihn aus?

Koch: Der Erfolg von Phoenix Contact basiert auf dem Zusammenspiel der Geschäftsbereiche aus der Elektromechanik und Elektronik. Natürlich begann alles mit der Reihenklemme, aber schon seit Jahrzehnten tragen sämtliche nachfolgend entstandenen Produktsparten nachhaltig zum Unternehmenserfolg bei. Den einen absoluten ‚Bestseller‘ gibt es heute nicht mehr. Die Breite des Produktportfolios - von der Geräteanschlussklemme bis hin zum Webservice - in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Prozess und Fabrikautomation ist die Erfolgsformel.

»Die Reihenklemme war und ist die Basis für das, was Phoenix Contact heute darstellt.«

In 100 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?

Koch: 100 Jahre ist eine lange Zeit. Ich persönlich habe schon 32 Jahre das Glück, dieses Unternehmen hautnah miterleben zu dürfen. Aus der Erinnerung heraus erscheint mir die Situation während der Finanzkrise im Jahr 2009 als die schwierigste Zeit, da es einen drastischen Markteinbruch gab, der flächendeckende Kurzarbeit und erhebliche Einschränkungen in der gesamten Unternehmensgruppe mit sich brachte, die man bis dato so nicht kannte. Setzt man dies allerdings in Relation zu den Geschehnissen im 2. Weltkrieg, wo das Unternehmen aufgrund von Bombenangriffen seinen Sitz von Essen nach Blomberg ins Lipperland verlegen musste, wirken die Ereignisse und ihre Folgen im Jahr 2009 für die Betroffenen eher harmlos.

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Wie sieht denn die Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?

Koch: Phoenix Contact wird in den nächsten zehn bis 15 Jahren und darüber hinaus seinen Beitrag für eine nachhaltigere Welt leisten. Wir haben uns dem Gedanken verschrieben, die Welt vollumfänglich zu elektrifizieren, indem wir unsere Produkte und Lösungen auf die effiziente Erzeugung und intelligente Verteilung von regenerativer Energie fokussieren. Wir nennen das die „All Electric Society“ - eine Welt, in der ausreichend regenerative Energie für alle zur Verfügung stehen wird.

»Wir haben uns dem Gedanken verschrieben, die Welt vollumfänglich zu elektrifizieren«

Welche technologischen Trends sehen Sie, die für Phoenix Contact wichtig sind beziehungsweise werden?

Koch: Die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen in der Industrieproduktion sowie dem Energie- und Infrastrukturbereich sind die Treiber für die nächsten Jahrzehnte, da nur durch intelligentes und effizientes Vernetzen von Komponenten und Vorgängen der notwendige Energiebedarf der Menschheit gedeckt und gleichzeitig dem Klimawandel Einhalt geboten werden kann. Wir müssen uns nicht neu erfinden, sondern die Vernetzung der Welt mit allen darauf befindlichen Dingen konsequent weiter vorantreiben. Dies tun wir bei Phoenix Contact schon seit 100 Jahren: Wir verbinden – mechanisch, elektrisch und sicher.

Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?

Koch: Die größte Herausforderung in den nächsten Jahren ist nicht nur für Phoenix Contact, sondern ebenso für sämtliche Marktbegleiter die notwendigen Menschen zu finden, die das bisher Gesagte auch umsetzen. Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten. Er kommt. Deshalb müssen wir noch mehr lernen, dezentral in internationalen Teams zu arbeiten. Und darüber hinaus: In den nicht marktdifferenzierenden Themen, also beispielsweise der Implementierung von Standards in die Produkte, sollten wir vielmehr mit Marktbegleitern kooperieren, anstatt jeder für sich das Gleiche parallel zu tun. Dies vermindert den Aufwand für alle und schont die geringer werdenden Kapazitäten an erforderlichem Fachpersonal.

»In den nicht marktdifferenzierenden Themen, also beispielsweise der Implementierung von Standards in die Produkte, sollten wir vielmehr mit Marktbegleitern kooperieren, anstatt jeder für sich das Gleiche parallel zu tun.«


Technologisch besteht die Herausforderung in den kommenden Jahren darin, die oben beschriebene vernetzte Welt noch sicherer gegen Cyberattacken zu machen. Das LifeCycle Management von Produkten und Komponenten wird dadurch noch aufwendiger, da hier eine ständige Aufmerksamkeit gegen eine nie endende Gefahr notwendig ist. Um schnell handeln zu können und die vielen Produkte mit einem Sicherheitsupdate zu versehen, ist es unerlässlich, auf eine einheitliche und skalierbare Software-Plattform zu setzen. Diese heißt bei Phoenix Contact PLCnext Technology und entspricht heute schon den geltenden Security-Anforderungen. Diese teilen wir im Übrigen mit interessierten Unternehmen, damit wir - wie bereits erwähnt - die nicht differenzierenden Pflichtaufgaben gemeinsam und effizient erledigen. Der Wettbewerb beginnt erst in der Anwendung.

25 Jahre Computer&Automation

Nicht nur die Computer&Automation hat in diesem Jahr Grund zum Feiern – auch zahlreiche Unternehmen der Branche begehen in 2023 Jubiläen. Und seien es nun zehn, 50 oder gar 100 Jahre – der Stolz auf Erreichtes ist allen gemeinsam.

Ohne Ups and Downs kommt kein Unternehmen durch die Zeit. Wie die einzelnen Unternehmen ihr Firmenjubiläum erleben, darüber berichten Unternehmensvertreter im Interview – nachzulesen unter www.computer-automation.de/jubilaeum

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