nachgehakt! - bei Dieter Hess
Das neue Bezahlmodell
Bislang vertrieb Codesys ihre Soft-SPS mit einem Geräte-basierten Lizenzmodell. Jetzt wechselt das Unternehmen auf ein Applikations-basiertes Bezahlmodell. Zu den Hintergründen der Lizenzumstellung bezieht Geschäftsführer Dieter Hess Stellung.
Herr Hess, Sie haben Ihre Soft-SPS Codesys bislang mit einer Geräte-basierten Lizenz vertrieben. Jetzt stellen Sie auf eine Applikations-basierte Lizenzierung um. Wie muss man sich das neue Bezahlmodell vorstellen?
Das neue Bezahlmodell ermöglicht eine Lizensierung ohne Abhängigkeit zur Hardware. Die Applikation wird anhand von verschiedenen Kriterien etwa E/A-Anzahl, Anzahl der Feldbusanschlüsse, Codegröße sowie der Verfügbarkeit von Funktionen, wie zum Beispiel Multicore-Unterstützung, in eine von acht Leistungsklassen eingeteilt. Daraus ergibt sich der Preis. Die unterste Kategorie ist nicht einmal halb so teuer wie die bisher günstigste, produktiv nutzbare Lizenz für den Raspberry Pi, Codesys Control Raspberry PI MC. Die leistungsfähigste Kategorie ist nicht einmal 10% teurer als die bisher teuerste Lizenz für unsere Windows-SPS mit harter Echtzeit, Codesys Control RTE. Dazu kommen dann noch Zusatzfunktionen wie Visualisierung, OPC UA oder Motion Control auch in Abhängigkeit des Nutzungsgrades, also etwa der Anzahl der verwendeten Datenpunkte.
Für welche Kundenklientel wird sich das Modell als eine „versteckte“ Preiserhöhung darstellen und welcher Kunde profitiert eher von dem neuen Modell?
Kunden, die eine kleine oder mittlere Applikation auf einem Industrie-PC laufen haben, können unter Umständen mit günstigeren Lizenzen rechnen. Für Kunden, die eine sehr große Applikation auf einem kleinen ARM-Gerät hatten, könnte sich eine Preiserhöhung ergeben. Sehr komplexe Applikationen haben allerdings auch viele E/As und/oder Antriebe. Da fällt der Preis für eine SoftSPS normalerweise nicht ins Gewicht. Wir haben im Vorfeld der Entscheidung eine Stichprobe bei einigen unserer Endanwender durchgeführt mit dem Ergebnis: Wir verzeichneten wesentlich öfter wesentliche Preisreduktionen oder gleichbleibende Preise als Preissteigerungen.
Sie wechseln auf ein neues Bezahlmodell, das für den Anwender gerechter ist, bei dem Sie aber über den Daumen betrachtet eine Preisreduktion, sprich einen Umsatzrückgang in Kauf nehmen?
Die Auswirkungen auf unseren Umsatz können wir schwer abschätzen. Wir halten durchaus einen kurzfristigen Umsatzrückgang in diesem Bereich für möglich. Langfristig können wir einen breiteren Markt von Applikationen abdecken und rechnen mit deutlich steigenden Stückzahlen und natürlich einem Umsatzplus.
Das bisherige Modell – Bezahlen pro Gerät - scheint einen transparenteren Bezahlmodus zu haben, als die Abrechnung über die Applikationsgröße. Ist das neue Modell nicht sehr unübersichtlich zu handhaben?
Das bisherige Modell war klar, aber oft eben auch ungerecht. Anwender aus dem Maschinen- und Anlagenbau kennen in aller Regel ihre Applikation. Das Codesys Development System liefert alle Daten, um die richtige Lizenz auszuwählen. Das bedeutet, dass man jederzeit nur die Preisdifferenz zur höheren Lizenz zahlen muss. Es spielt also preislich keine Rolle, ob man erst eine kleinere Lizenz kauft und später ein Upgrade, oder ob man sofort die größere Lizenz erwirbt.
Warum kommt die Lizenz-Umstellung jetzt?
Zum einen werden die CPUs immer schneller und alle Lizenzen rutschen irgendwann in die höchste und damit teuerste Kategorie, obwohl die Applikation ja in aller Regel gleichbleibt. Zum anderen besteht der Trend viele virtuelle Steuerungen auf einen einzelnen, sehr leistungsfähigen Server zu packen. Natürlich wird für jede virtuelle SPS auch eine Lizenzgebühr fällig. Ohne diese Lizenzumstellung müssten aber alle Lizenzen auf so einer Plattform aus der teuersten Kategorie kommen. Die virtuelle Steuerung von Codesys startet Anfang kommenden Jahres ausschließlich mit dem neuen Lizenzmodell.










