Energieeffizienz
Baumarkt-Kette reduziert CO2-Ausstoß um 30 Prozent
Bis 2015 soll in den rund 360 deutschen Märkten der Toom-Baumarkt-Kette der CO2-Ausstoß im Vergleich zu 2006 pro Quadratmeter Verkaufsfläche um 30 % gesenkt werden. Dies funktioniert nur per intelligenter Gebäudeautomatisierung.
Mit Eröffnung eines neuen Baumarktes im rheinlandpfälzischen Nieder-Olm hat Toom Baumarkt einen weiteren Schritt in der Umsetzung seiner Nachhaltigkeitsstrategie gemacht. Der Anfang 2012 fertiggestellte Baumarkt ist das erste zertifizierte 'Green Building' des Unternehmens und so konzipiert, dass Energie und Wasser im täglichen Betrieb besonders sparsam genutzt werden. Zudem erfüllt er als erster Baumarkt Deutschlands die Vorgaben für das Zertifikat 'Silber' der 'Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen' – kurz DGNB.
In dem knapp 9.000 Quadratmeter großen Markt in Nieder-Olm sind insgesamt neun Ethernet-Controller des Typs 750-880 von Wago dezentral in Schaltschränken installiert.
© Toom / Sven HofmannDafür, dass das zur Rewe Group gehörende Unternehmen sein ambitioniertes Ziel in puncto CO2-Ausstoß-Reduktion bis 2015 erreicht, ist unter anderem Tobias Müller zuständig, der bei Toom Baumarkt im Bereich Immobilien das Energiemanagement verantwortet. Und dies kann nur gelingen, wenn Heizenergie und Strom effizient genutzt werden. Das Green Building in Nieder-Olm unterstützt bereits die aktive Senkung der Treibhausgas-Emissionen durch den zusätzlichen Einsatz umweltfreundlicher Technologien zur Energiegewinnung sowie baulicher Elemente – dazu zählen etwa Tageslicht-Architektur und effiziente Dämmung.
Ergänzend dazu gab es auch auf der Automatisierungsebene einen adäquaten technischen Umbruch. "Bis dato wurden in unseren Märkten überwiegend proprietäre Systeme verbaut, die uns neben einer enormen Herstellervielfalt eine große Herstellerabhängigkeit eingebracht haben. Diese Baustelle beheben wir nun mit der einheitlichen Umstellung auf die Programmierumgebung Codesys und das Wago-I/O-System", so der Diplomingenieur. Die ausführenden Arbeiten übernahm das Starnberger Unternehmen J&K Lausser Regeltechnik. Durch die Verwendung eines einheitlichen Automatisierungssystems für die Gewerke MSR und Elektro wird die Datenkommunikation deutlich vereinheitlicht, indem die sonst üblichen, zusätzlichen spezifischen Schnittstellen entfallen.
Die Controller mit SPS-Funktionalität übernehmen unter anderem die Steuerung und Regelung der gesamten Beleuchtung sowie des komplexen Heizungs- und Lüftungssystems.
© Toom / Sven HofmannDie Controller mit SPS-Funktionalität übernehmen unter anderem die Steuerung und Regelung der gesamten Beleuchtung sowie des komplexen Heizungs- und Lüftungssystems. Die Be- und Entlüftung des Gebäudes ist mit einer Wärmerückgewinnung kombiniert. Auf dem Dach installierte Wärmetauscher nutzen die Abluft, um die Zuluft zu erwärmen. Zusätzlich messen Sensoren im Lüftungssystem den CO2-Gehalt der Innenraumluft. So ist gewährleistet, dass abhängig von der Anzahl Menschen im Markt immer eine optimale Menge an Frischluft zugeführt wird – und zwar mit möglichst geringem Energieverbrauch. Für besondere Sparsamkeit sorgt überdies die luftdichte Bauweise, welche die Zugluft im Inneren verringert und Lüftungsverluste um rund 25 % reduziert. Damit für die Kassenarbeitsplätze im Eingangsbereich ein optimales Arbeitsklima herrscht, ist jede Kasse durch die Angestellten einzeln thermisch regelbar.
Die 1.300 Quadratmeter messende Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes liefert insgesamt 189 kWp Solarstrom. Das Sonnenlicht wird jedoch nicht nur zur Stromerzeugung genutzt, sondern auch von den Controllern bei der Dali-Beleuchtungssteuerung berücksichtigt. Auf 5.500 Quadratmeter Dachfläche verteilen sich zwölf große Lichtkuppeln, die 20 % der Baumarktfläche abdecken. Die gesamte Beleuchtungsanlage wird über Helligkeitssensoren tageslichtabhängig und damit energieeffizient geregelt. Entsprechend wird nur so viel künstliches Licht bereitgestellt, wie gerade nötig ist. Des Weiteren ist jede der insgesamt 500-Dali-Leuchten einzeln ansteuerbar, so dass der Markt die Beleuchtung und Lichtszenarien auf seinen individuellen Bedarf abstimmen kann. Das spart zusätzlich Energie – und trägt außerdem zur freundlichen Einkaufsatmosphäre bei.
Anbindung an ein Energiemanagement-Portal
Über eines von drei Control-Panels ist die Marktleitung stets aktuell über alle relevanten Parameter informiert.
© Toom / Sven HofmannNeben den Automatisierungsaufgaben kommt den Wago-Komponenten bei Toom eine weitere entscheidende Rolle zu. Sämtliche relevanten Datenpunkte werden an ein übergeordnetes Energiemanagement-Portal übergeben. Der Baumarkt erhält so einen zentralen Überblick zu Verbrauch, Verbrauchsgruppen und einzelnen Anlagenzuständen. Auf dieser Basis kann eine übergreifende, kontinuierliche Bewertung, Optimierung und Kontrolle erfolgen.
Diese Monitoring-Strategie ist die Weiterführung des Automationskonzeptes, das Toom gemeinsam mit Wago entwickelt hat: Die Haupt- und Unterzähler aller Verbraucher kommunizieren über M-Bus. Dort werden die Daten – darunter der Stromverbrauch der Regal-, Decken-, Außen- und Gartencenterbeleuchtung, die Wärmemengen sowie der Wasser- und Gießwasserverbrauch – erfasst. Das Monitoring der anlagentechnischen Parameter wie Temperaturen, Raumluftqualität und Schaltzustände ermöglicht einen tieferen Einblick in das technische Zusammenspiel der einzelnen Gewerke. "Um jeden Zähler eindeutig identifizieren zu können, wollten wir auf die Sekundär-ID anstelle der Primär-ID zurückgreifen", bemerkt Müller in diesem Zusammenhang. Die notwendigen Anpassungen der Codesys-Funktionsbausteine sowie alle tangierenden Konfigurationen wurden durch den
Wago-Projektvertrieb umgesetzt.
Zugriff auf die Gebäudetechnik vor Ort liefern schließlich drei Control-Panels mit Target-Visualisierung, die an der Info-Theke, im Gartencenter und im Büro des Marktleiters installiert sind. Über das Energiemanagement-Portal, welches auf einem klassischen Web-Server läuft, können zudem alle Informationen über das Internet eingesehen und gezielt für Dritte – zum Beispiel für Servicetechniker – freigegeben werden. Aufgrund der transparenten und jederzeit verfügbaren Daten lässt sich die gesamte Anlage optimal einregeln. "Die Plattformunabhängigkeit und Offenheit waren nicht zuletzt ausschlaggebend dafür, dass wir alle Toom Baumärkte nach diesem Vorbild aufbauen werden. Das wird aufgrund der stets unterschiedlichen Gegebenheiten sicher nicht 1:1 möglich sein, aber wir haben Nieder-Olm als Leuchtturm-Projekt fest im Blick, um unser 30-%-Ziel an Energie-Einsparung zu erreichen", betont Müller.













