RFID-Technologie
Transponder im Hochtemperatureinsatz
In Umgebungen mit extrem hohen Temperaturen stieß die RFID-Technologie bislang an ihre Grenzen. Hochtemperaturbeständige Hochfrequenztransponder sorgen hier für Abhilfe: Sie lassen sich direkt nach dem Verlassen des Ofens lesen und beschreiben – Temperaturen bis maximal 250 °C zum Trotz.
Speziell für den Hochtemperatureinsatz – etwa in Lackieröfen der Automobilindustrie oder bei metallurgischen Pulver-Sinterverfahren – entwickelte die Firma Contrinex ein Hochfrequenz-RFID-System, das auch bündig einbaubare Tags beinhaltet. Im Gegensatz zu Fixcode-Trägern – zum Beispiel Laser-geschnittener Barcode auf einer Metallplatte oder der SAW-Technik (Surface acoustic wave) – speichert ein RFID-Datenträger die gesamte individuelle Produkthistorie. Er erleichtert damit Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung auch in sehr schwierigen Umgebungen. So begleitet der Transponder ein Fahrzeug während des gesamten Fertigungsprozesses und speichert die individuellen Daten inklusive der Kundenwünsche direkt am Objekt. Jedes Objekt ist zu jedem Zeitpunkt der Fabrikation eindeutig identifizierbar.
Aber: Die modernen Fertigungsabläufe verlangen den eingesetzten Materialien und Systemen viel ab. In vollautomatisch gesteuerten Automobil-Lackierstraßen beispielsweise werden die zu lackierenden Karosserieteile zunächst gewaschen und gespült. Anschließend folgt die Elektrophorese mit einem weiteren angeschlossenen Spülvorgang. Danach wird die Karosserie mit einer Schutzschicht versehen und versiegelt, bevor sie einen ersten Ofen durchläuft. Erst im letzten Schritt erfolgt die eigentliche Lackierung und deren Aushärtung in einem weiteren Ofen. Die Temperaturen in den Spülbädern und Öfen beträgt bis zu 220 °C. Für die am Werkstück montierten RFID-Transponder bedeutet dies, dass sie nicht nur widerstandsfähig gegen unterschiedlichste Reinigungschemikalien sein müssen, sondern auch hohen Temperaturen und schnellen Temperaturwechseln trotzen. Darüber hinaus müssen die Tags gegen die während der Elektrophorese angelegte Spannung von 400 V resistent sein.
Das Hochtemperatur-RFID-System: Vor und nach der Hochtemperaturstrecke wird der im Karosserieteil integrierte RFID-Tag bei Raumtemperatur über Schreib-/Leseköpfe ausgelesen beziehungsweise mit neuen Informationen beschrieben. Die Daten selbst gelangen über ein Interface und ein Feldbus-System an die zentrale Steuerung beziehungsweise umgekehrt die Befehle von der Steuerung an die Schreib-/Leseköpfe.
© ContrinexBeim Transpondermaterial entschied sich Contrinex daher für ein Inlay aus Nelco N7000-1, die Polyamide Laminat und Prepreg (vorimprägnierte Fasern) sowie ein Gehäuse aus Vectra C115 LCP mit einer 15-%igen Glasfaserverstärkung. Der nur wenige Millimeter kleine Chip sitzt im Inlay in einer metallversiegelten, stickstoffgefüllten Keramikhülle und ist mit der aufgedruckten Spulen-Antenne verbunden. Diese muss, passend zum Frequenzbereich von 13,56 MHz, eine gewisse Länge aufweisen, wodurch die Größe des RFID-Tag vorgegeben ist: So wird er üblicherweise in den Durchmessern 20, 30 und 50 mm gefertigt.
Zwei verschiedene ISO-kompatible HF-RFID-Transponder für den Hochtemperatureinsatz stehen zur Verfügung: Zum einen der bündig in Metall einbaubare RTP-0263-020 mit einem Durchmesser von 26 mm und einer Temperaturbeständigkeit bis 180 °C, und zum anderen der nicht bündig einbaubare RTP-0502-022 mit einem Durchmesser von 50 mm, der maximal 250 °C „verträgt“. Der letztgenannte Tag hält sowohl wechselnden als auch dauerhaft hohen Temperaturen stand; dies beweisen Tests, bei denen der Transponder zweitausendmal im Wechsel jeweils 30 Minuten bei 25 °C und dann 30 Minuten bei 250 °C aushalten musste. Zudem trotzte der Datenträger einer konstanten Temperatur von 250 °C über einen Zeitraum von mehr als 2000 Stunden.
Beide Datenträgertypen entsprechen Schutzart IP68/IP69K und lassen sich unmittelbar nach dem Verlassen der Hochtemperaturzone lesen oder beschreiben. Ein Abkühlen der Tags ist nicht erforderlich.
Was die Zukunft bringt
Aufbau eines Hochtemperatur-HF-RFID-Transponders für 250 °C (von oben nach unten): Abdeckung, Inlay mit integrierter Antenne und Chip (rot), Chipgehäuse und Aufnahme.
© ContrinexDerzeit arbeiten Hersteller industrieller RFID-Systeme zum Beispiel an der Verbesserung der Leserate durch eine Optimierung der Antennentechnik – unter anderem mit Hilfe von 3D-Antennen-Messlaboren – sowie an der Ausweitung des Einsatzbereichs der Technologie. Speziell im Telemetriebereich – also der Messung und Speicherung physikalischer Größen wie Druck, Feuchte oder Temperatur – ist eine Reihe industrieller Anwendungsmöglichkeiten mit Sensortranspondern denkbar. Ein anderes wachsendes Einsatzgebiet sind NFC-Technologien (near field communication). Mit RFID als Kommunikationsstandard wird das Smartphone zur Geldbörse und lässt sich zur Echtheitserkennung per App nutzen. Zudem ist die Technologie als Add-on nutzbar, um eine Bluetooth-Kommunikation schnell freizuschalten. Darüber hinaus öffnet sich in der Kommunikation von Maschinen untereinander (Web 3.0) ein breites Anwendungsfeld für RFID. Und mit der Umstellung auf das Internetprotokoll Version 6 (IPv6) erhalten auch Alltagsgeräte eine eigene IP-Adresse und können weltweit vernetzt autonom miteinander kommunizieren.
Autor: Norbert Matthes ist Produktmanager Geschäftsfeld Sensorik Deutschland bei Contrinex in Nettetal.
RFID – Die physikalischen Grundlagen
Eine sich ausbreitende elektromagnetische Welle wird an Metall reflektiert. Dabei überlagert die reflektierte (zurücklaufende) Welle die ausgesendete Welle, so dass sich beide Wellen teilweise auslöschen und Funklöcher produzieren. In diesen können (passive) Transponder nicht mit Energie versorgt werden. Dieses Phänomen tritt vor allem bei höheren Frequenzen (UHF/SUHF) im Weitfeld auf. Das elektrische Feld nimmt lediglich mit dem Quadrat der Entfernung ab. Das Nahfeld ist als Magnetfeld weitgehend resistent gegenüber Reflektionen, nimmt jedoch mit der dritten Potenz der Entfernung ab und senkt damit die erzielbaren Reichweiten deutlich.











