Drehgeber-Schnittstellen
SSI behauptet sich gegen Feldbus und Ethernet
Die SSI-Schnittstelle, bereits seit rund 20 Jahren am Markt, gehört noch nicht zum alten Eisen. Vor einem Jahr stand bei der Firma Leine & Linde die programmierbare SSI auf der Kippe. Ein entsprechender Drehgeber ist nun wieder auf dem Messestand des Herstellers zu sehen. Wir haben Klaus Korger (im Bild), Geschäftsführer von Leine & Linde Deutschland, gefragt, warum sich diese Schnittstelle weiterhin am Markt behauptet.
Herr Korger, die programmierbare SSI-Schnittstelle ist ja nicht neu. Sie hatten bis ins Jahr 2008 einen entsprechenden Drehgeber verfügbar. Warum haben Sie diese Technik vom Markt genommen?
Korger: Wir hatten das Problem, dass einige Komponenten nicht mehr verfügbar waren. Als es um die Frage eines Redesigns ging hatten wir uns zunächst gegen eine Neuauflage entschieden.
Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?
Korger: Wir hatten den Markt unterschätzt. Man merkt oft, was man hatte, wenn es weg ist. Die Nachfrage nach der programmierbaren SSI-Schnittstelle aus der Industrie ist da.
Was führt Ihrer Meinung nach zur ungebrochenen Nachfrage nach der SSI-Schnittstelle in der Industrie?
Korger: Jeder Elektrokonstrukteur kennt SSI: Es ist die am weitesten verbreitete industrielle Schnittstelle für die Punkt-zu-Punkt-Übertragung von Positionsdaten. Der Anwender beherrscht die Technik. In Zeiten knapper Kassen forcieren die Entscheider nicht zwangsläufig die Entwicklungen hin zu Feldbus- oder Ethernet-Systemen, nur weil es diese Technik gibt.
Dabei spielt auch die überarbeitete Maschinenrichtlinie eine Rolle. Nach den neuen Richtlinien muss der Maschinen- und Anlagenbauer seine komplette Anlage durchrechnen. Für die neueren Systeme fehlen oft die Erfahrungswerte. Gerade bei den ethernetfähigen Drehgebern, die erst seit zwei Jahren in größerer Zahl am Markt sind.
Was hat sich technisch gegenüber der Vorgängerversion getan?
Korger: Neben einer erhöhten mechanischen Belastbarkeit haben wir einen „Zero Set Button" integriert. Damit kann der Anwender den Drehgeber in der Applikation mithilfe eines durch eine Kappe geschützten Schalters „auf Null stellen".
Wie sehen Sie die Zukunft der SSI-Schnittstelle? Wird sie sich gegen Schnittstellen wie Ethernet- und Feldbus-Systeme oder andere Punkt-zu-Punkt-Verbindungen wie BISS und EnDat weiterhin im Markt behaupten?
Korger: Ich denke ja. Gerade was die einfache Punkt-zu-Punkt Verdrahtung betrifft, wird SSI neben EnDat 2.0 weiterhin eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen. Die neueren seriellen Spielarten Hiperface, EnDat 2.2 oder Biss sind natürlich deutlich schneller als SSI, bidirektional und speziell für sehr dynamische Antriebssysteme geeignet.
Bei diesen Systemen entsteht aber ein höherer Aufwand durch entsprechende „Partner" auf der Steuerungsseite. Auch Feldbus- und Ethernet-Systeme werden die SSI für einfache Anwendungen in nächster Zukunft nicht vollkommen „ausrotten" können: Totgesagte leben halt doch oft noch sehr lange.










