Vega

Günter Herkommer,

Radar zum Preis von Ultraschall

Im Vergleich zu Ultraschall bietet die Radar-Messtechnik zwar diverse Vorteile, ist bis dato jedoch deutlich teurer. Vega bringt nun eine neue Geräteserie auf den Markt, bei der dieser bisherige Kostennachteil wegfällt.

Vega-Geschäftsführer Rainer Waltersbacher: „In fünf Jahren gibt es keinen Grund mehr, Ultraschall zu verkaufen.“

© Computer&AUTOMATION

Radar zur Füllstandmessung hat bei Vega eine lange Historie. Das erste entsprechende Gerät kam bereits 1991 auf den Markt. Der Vorteil dieser Technologie gegenüber Ultraschall: Radar ist unabhängig von Temperatur, Gasschichtungen, Druck/Vakuum sowie von Umweltbedingungen. Das alles hat jedoch seinen Preis: Das erste Radargerät von Vega aus dem Jahr 1991 auf Basis von 6 GHz kostete rund 6000 DM, aktuelle Sensoren der Vegapuls-Serie auf der Basis von 80 GHz liegen bei rund 1500 Euro. Im Vergleich dazu bewegen sich Ultraschall-Geräte um die 500 Euro.

Speziell mit Fokus auf preissensitive Standard-Messanwendungen, wie sie zum Beispiel in der Wasser- und Abwasserindustrie oder in Hilfskreisläufen der Prozessautomatisierung vorkommen, hat Vega nun eine neue kompakte Geräteserie angekündigt. Diese ist ebenfalls in der 500-Euro-Preisklasse und damit auf dem gleichen Kostenniveau wie vergleichbare Ultraschall-Sensoren angesiedelt. Für diese Geräte konzipierten die Schiltacher unter anderem explizit einen neuen Mikrochip, in dem nach Aussage von Geschäftsführer Rainer Waltersbacher „die Erfahrung aus 20 Jahren Radartechnologie steckt“, und der sich durch eine sehr kleine Bauform und einen geringen Energiebedarf auszeichnet. Die Sensoren gibt es sowohl als Ausführung mit Kabelanschlussraum als auch mit festem Kabelanschluss (IP68). Als direkte Ausgangssignale stehen wahlweise 4 bis 20 mA, HART, SDI-12 oder Modbus zur Verfügung.

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Autarke Sensoren für IoT-Anwendungen

Ergänzend zu diesen neuen Vegapuls-Sensoren, die ab Januar 2020 käuflich zu erwerben sind, geht Vega das Thema IoT-Anwendungen insbesondere im Bereich Logistik an. Kennzeichnend für dieses Umfeld sei, dass sich die Sensoren an Orten und in Positionen befinden, zu denen die Energie nicht aus der Steckdose kommen kann. Um dem Rechnung zu tragen, haben die Schiltacher das Projekt ‚AuRa‘ gestartet mit dem Ziel, speziell für diese Situationen autarke Füllstandsensorsysteme ebenfalls auf der Basis der 80-GHz-Radartechnologie zu entwickeln. Dabei sorgen Batterien in Kombination mit optimierten Messzyklen für das Energiemanagement für eine Laufzeit von bis zu 10 Jahren. Was die Kommunikationsanbindung betrifft, werden zunächst die Standards NB-IoT und LoRa unterstützt. Vega setzt hier auf ein Multi-Kommunikationsmodell: Der Sensor ist mit mehreren Low-Power-Funkstandards ausgerüstet und nutzt den jeweilig verfügbaren. Gleichzeitig seien auch zukünftige Standards schnell umsetzbar.

Erste Versionen dieser autarken Radarsensoren sind für Mitte 2020 angekündigt. Eine mögliche Anwendung sei beispielsweise die Anbringung an IBC-Containern. Dank Radar sei hier eine Messung von außen möglich, die IBC-Kunststoffblase müsse also nicht geöffnet oder modifiziert werden. Mit wenigen Handgriffen installiert, könne diese Lösung zudem dauerhaft am Container verbleiben und den jeweiligen Status übertragen, gleich ob im Unternehmen oder auf dem Transportweg. Selbst übereinandergestapelt, erfassen die Sensoren an jedem einzelnen Behälter mehrfach pro Tag den aktuellen Füllstand und die Position – und übermitteln diese per Funk in die Cloud.

Universelle Kommunikation über IO-Link

Nicht zuletzt ist Vega mit neuen kompakten Drucksensoren und kapazitiven Grenzschaltern – den Geräteserien Vegabar beziehungsweise Vegapoint – nach Nürnberg zur SPS 2019 angereist und rundet damit sein Messtechnik-Portfolio für hygienesensible Prozesse nach unten ab. Ein interessantes Feature dieser Sensoren: Alle Schaltzustände sind visuell mittels einer Rundum-Schaltzustandsanzeige in Form eines Leuchtringes aus jeder Richtung erfassbar. Dessen Farbe lässt sich aus über 256 Farben frei wählen. Auf den ersten Blick sei damit erkennbar, ob der Messvorgang läuft, der Sensor schaltet oder ob womöglich eine Störung im Prozess vorliegt.

Für die universelle und gleichzeitig besonders einfache Kommunikation sorgt das Standardprotokoll IO-Link. Damit verfügen die Geräte laut Rainer Waltersbacher „über eine  standardisierte Kommunikationsplattform, die den nahtlosen Datentransfer und eine einfache Integration in Maschinen und Anlagen ermöglicht.“ Mit anderen Worten: Nachdem Vega bisher hauptsächlich in der Prozesstechnik unterwegs ist, möchte man mit diesen neuen Sensoren nun auch einen Schritt in die Fabrikautomation machen – ein ergänzender Markt für die Schwarzwälder, in dem jedoch andere Regeln und Anforderungen gelten als in der Chemie-, Namur- oder Pharma-Welt.

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