Gas-/Wasserzähler

Gwenn Gmeinder | Inka Krischke,

Ein Plädoyer für den Reed-Schalter

Für batteriebetriebene Messanwendungen mit niedrigem Strombedarf sind Magnetoresistive und Hall-Halbleitersensoren oft nicht optimal geeignet, insofern sie den hohen Anforderungen an Genauigkeit und geringen Energiebedarf nicht gerecht werden. Als Alternative bieten sich Reed-Schalter an.

© Littelfuse

Gas- und Wasserzähler mit automatischen Datenfernauslese-Systemen erfordern Sensoren mit äußerst geringem Strombedarf. Die Messung des Wasser- und Gasverbrauchs erfolgt häufig durch einen auf einer Drehachse angebrachten Magneten. Dabei wird jede Umdrehung in ein elektrisches Signal umgewandelt und an das integrierte, elektrische Zählwerk übertragen. Da die erwartete Lebensdauer solcher Zähler in der Regel bei 20 Jahren ohne Batterie-Austausch liegt, ist ein geringer Stromverbrauch essenziell für eine möglichst lange Lebensdauer der Batterie.

Häufig werden Halbleiter-Sensoriktechnologien wie Magnetoresistive(MR)- und Hall-Sensoren für Messanwendungen mit niedrigem Stromverbrauch verwendet. MR-Sensoren sind monolithische, integrierte Schaltkreis-Vorrichtungen mit eingebauten Widerstands-elementen in Kombination mit einem komplementären Metall-Oxid-Halbleiter-Schaltsystem (CMOS-Schaltsystem). Wird ein solcher Sensor einem Magnetfeld ausgesetzt, verändert sich der elektrische Widerstand der MR-Vorrichtung im Verhältnis zur Richtung des Magnetfelds. Diese Veränderung des Widerstands lässt sich nutzen, um die Veränderung in einem angelegten Magnetfeld festzustellen. So kann ein MR-Sensor als berührungsloser Schalter mit einem äußerst niedrigen Stromverbrauch sowie hoher Ansprechempfindlichkeit und Zuverlässigkeit fungieren. Aber: Herkömmliche MR-Sensoren ziehen in der Regel kontinuierlich eine geringe Menge Strom.

Hall-Sensoren sind Halbleiter-basierte Wandler, die die Ausgangsspannung als Reaktion auf die Veränderungen im entsprechenden Magnetfeld modifizieren. Diese Sensoren kombinieren ein Hall-Sensorelement mit Schaltungstechnik, um eine digitale An-/Aus-Funktion zu erzeugen, die sich nach der Veränderung eines Magnetfelds richtet und dabei keinerlei bewegliche Teile enthält. Wie die MR-Sensoren ziehen auch Hall-Sensoren stetig eine geringe Menge Strom.

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Veraltete oder bewährte Technik?

Obwohl Reed-Schalter als veraltete Technik gelten, sind sie wegen ihrer Einfachheit und Zuverlässigkeit für leistungsarme Anwendungen weiterhin beliebt. Bei einem Reed-Schalter handelt es sich um einen elektrischen Schalter, der durch das Anlegen eines Magnetfelds betätigt wird. Der Schalter besteht aus zwei oder drei dünnen Metallzungen mit beschichteten Kontakten an ihren Enden, die mit minimalem Abstand zueinander liegen.

Diese metallischen Schaltzungen befinden sich in der Regel in einem dichten Glasröhrchen mit Inert-Gas. Durch das Anlegen eines magnetischen oder elektromagnetischen Felds schlagen die Metallzungen aus und verbinden oder unterbrechen dabei die Schaltkontakte.

Vorteile der Reed-Schalter

Reed-Schalter benötigen deutlich weniger Strom als MR- und Hall-Sensoren. Diese Mikroleistungs-Sensoriktechnologien haben dank eines kurzen, aktiven Abtastzyklus zwar einen niedrigen Stromverbrauch; die Systeme ziehen jedoch kontinuierlich Strom, um einen internen Oszillator anzutreiben. Im Gegensatz dazu sind Reed-Schalter passive Bauteile, die für ihren Betrieb überhaupt keinen Strom benötigen. Eine leistungsarme Reed-Schalter-Konfiguration besteht aus zwei Reed-Schaltern in Ver­bindung mit Feldeffekt-Transistoren (FET-Schaltern). Die Reed-Schalter können so ausgelegt werden, dass sie Drehbewegungen ohne Strombedarf wahrnehmen, es sei denn, einer der Schalter hat eine Veränderung erkannt.

Die unterschiedlichen Bauteile eines Reed-Schalters.

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Alternativ kann ein bereits im System vorhandener Mikrocontroller ­einen Reed-Schalter-Kontakt mit ­minimaler Leistungsaufnahme mittels Polling abrufen. Reed-Schalter haben einen deutlich niedrigeren Strombedarf als alle vergleich­baren Technologien und sind kostengünstiger, da sie kleinere Batterien benötigen.

Halbleitervorrichtungen besitzen einen typischen Betriebsstrom und einen maximalen Betriebsstrom. In einer optimalen Konstruktionsplanung werden Worst-Case-Werte berücksichtigt. Der höhere Maximalstrom bei Halbleitersensoren kann zu Problemen führen, wenn diese von den Batterien mehr Strom benötigen und damit die Lebensdauer des Produkts reduzieren. Die Stromaufnahme eines Reed-Schalters hingegen ist durch einen Widerstand und die Versorgungsspannung festgelegt. Die typischen ­Stromversorgungs- und Widerstands­toleranzen sind bei Reed-Schaltern ­erheblich enger gefasst als in den ­Spezifikationen zum Betriebsstrom von Halbleitervorrichtungen.

Beispielsweise verfügt ein Micro­power-Hall-Sensor über einen durchschnittlichen typischen Betriebsstrom von 5 µA, aber über einen durchschnittlichen Worst-Case-Betriebsstrom von 10 µA. Ein Nanopower-MR-Sensor besitzt einen typischen durchschnittlichen Betriebsstrom von 0,31 µA, aber einen durchschnittlichen Worst-Case-Betriebsstrom von 6,35 µA. Ein sich kontinuierlich in Betrieb befindlicher Reed-Schalter-Kreislauf, der die Hälfte der Zeit geschlossen ist und mit einem 1 MΩ starken Pull-up-Widerstand und einer Spannungsversorgung von 3 V arbeitet, hat im Vergleich hierzu einen typischen Betriebsstrom von 1,5 µA. Der durchschnittliche Worst-Case-Betriebsstrom liegt bei 1,66 µA. Diese Angaben gehen von einer 5-%igen Toleranz bei der Stromver­sorgung und dem Widerstand aus. In diesem Beispiel besitzt der Reed-Schalter den niedrigsten Worst-Case-Stromverbrauch.

Ein wichtiges Merkmal des Reed-Schalters ist seine Ansprechempfindlichkeit, also die erforderliche Magnetfeldstärke, um ihn auszulösen. Die Ansprechempfindlichkeit von Reed-Schaltern wird durch die Ampere-Windungszahl (AW) beschrieben und entspricht dem Strom in einer Spule, multipliziert mit der Anzahl der Windungen. Eine typische Pull-in- beziehungsweise Betätigungsempfindlichkeit liegt zwischen 8 und 40 AW. Zwar wird die magnetische Ansprechempfindlichkeit von Reed-Schaltern in der Einheit AW angegeben, näherungsweise kann jedoch ein Verhältnis von 1 AW = 1 Gauß (entspricht 0,1 mT) angenommen werden.

Die magnetischen Ansprechschaltpunkte von Reed-Schaltern sind präziser als digitale Halbleiterschalter. Eine hohe Genauigkeit ist insbesondere wichtig, wenn Systeme unter allen Betriebsbedingungen funktionieren sollen.

Einfach anpassbar

Als Durchflussmessgerät in einem Wasser- oder Gaszähler verwendeter Reed-Schalter.

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Herkömmliche magnetische Micropower- und Nanopower-Halbleiterschalter werden als Einheitsprodukte angeboten. In der Regel sind derartige Schalter in ein bis drei breit gefassten (ungenauen) Empfindlichkeitsbereichen verfügbar. Entspricht diese Empfindlichkeit oder Aktualisierungsrate nicht den Anforderungen einer Anwendung, ist es schwierig, eine angepasste Lösung mit einem engeren Empfindlichkeitsbereich zu erhalten.

Zwei in Verbindung mit FET-Schaltern verwendete Reed-­Schalter (M = Magnet; SW1 und 2 = Reed-Schalter). Wenn SW1 geschlossen ist, ist SW2 offen. Q1 ist ausgeschaltet, um Strom zu sparen.

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Im Gegensatz dazu gibt es Reed-Schalter mit Empfindlichkeitsbereichen, die auf die Anforderungen einer spezifischen Anwendung zugeschnitten sind. Beispielsweise kann es vorkommen, dass eine Anwendung ein Empfindlichkeitsspektrum von 8 bis 11 AW benötigt, während eine andere Anwendung 25 bis 30 AW erfordert.

Dieses Maß an Flexibilität ist bei magnetischen Halbleitersensoren nicht verfügbar. Da­rüber hinaus werden bei Reed-Schaltern kundenspezifische Anpassungen wie beispielsweise Gehäusevarianten für den mechanischen Einbau und Kabelkonfektionierungen sowie verschiedene Anschlussoptionen angeboten, damit sich die Sensoren leicht in möglichst viele verschiedene Anwendungen verbauen lassen. Die bei Reed-Schaltern angebotenen Kontaktoptionen umfassen unter anderem Arbeits- und Ruhekontakte sowie einpolige Umschalter (SPDT).

Durch das Polling lässt sich eine äußerst niedrige Leistungs­aufnahme erreichen.

© Littelfuse

Micropower- und Nanopower-Halbleiterschalter arbeiten nicht kontinuierlich. Während sich der Schalter im Schlafmodus befindet, wird das Magnetfeld nicht wahrgenommen und der Output nicht aktualisiert. Dauert der Schlafmodus 100 ms an, wird der Output zehnmal pro Sekunde aktualisiert. Bewegt sich der erfasste Magnet zu schnell, kann der Sensor damit nicht Schritt halten, Messfehler sind die Folge. Bei Reed-Schaltern gibt es keinen Schlafmodus, so dass sie mehrere hundert Mal pro Sekunde einsetzbar sind.

Last but not least ist die Hysterese ein wichtiger Aspekt: Im Bereich der Sensorik-Technologien ist die Hysterese als Unterschied der Magnetfeldstärke zwischen dem Einschaltpunkt (Output ‚eingeschaltet‘) und dem Ausschaltpunkt (Output ‚ausgeschaltet‘) des Geräts definiert. Ein Hysterese-Verhalten ist bei Zähleranwendungen äußerst wichtig, da die erfasste Bewegung an jedem Punkt des Rotationszyklus anhalten kann. Ohne Hysterese könnte eine sehr kleine Veränderung des Magnetfelds zu einer unbeabsichtigten Veränderung des Outputs und einem Messfehler führen.

Eine kleine Veränderung des Magnetfelds könnte durch in der Nähe befindlichen elektrischen Strom (beispielsweise durch Stromleitungen oder Motoren) sowie durch Metall, das sich im Magnetfeld der Erde bewegt, verursacht werden. Die Stärke des Magnetfelds der Erde liegt bei 0,25 bis 0,65 Gauß. Diese unkontrollierbaren Magnetfelder begrenzen sowohl das für ein robustes Design erforderliche Hysterese-Minimum als auch die erforderliche Empfindlichkeit der Sensoren. Eine hohe magnetische Empfindlichkeit ist deshalb zwar für elektronische Kompasse nützlich, nicht aber für Näherungsschalter.

Bei der Planung einer robusten Messanwendung ist das Hysterese-Minimum ein wichtiger Gesichtspunkt. In magnetischen Halbleitersensoren muss die Hysterese mit Hilfe von Schalttechnik zu dem betreffenden Sensorelement hinzugefügt werden. Damit ist diese festgelegt und schwer zu steuern. Bedingt durch ihren magnetisch-mechanischen Aufbau verfügen Reed-Schalter über eine immanente Hysterese, die für eine höhere Zuverlässigkeit der Messanwendung sorgt.

Autor: Gwenn Gmeinder ist North American Business Development Manager sensor products bei Littelfuse Inc. in Chicago.

 

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