Marktstudie Wireless-Technologien
Drahtlose Sensorvernetzung - fit für die Industrie?
Der Europamarkt für drahtlose Sensoren verzeichnete von 2007 auf 2008 einen mehr als 20%-igen Umsatzzuwachs auf 8,2 Mio. US-Dollar. Doch wie steht es um den breiten Industrie-Einsatz? Ergebnisse einer aktuellen Studie von Frost & Sullivan.
Drahtlose Sensoren in Industrie-Anwendungen: Wo europäische Anwender in den Jahren 2008 bis 2014 die größten Herausforderungen sehen.
Keine Frage – drahtlose Technologien sind in der industriellen Automation auf dem Vormarsch, ungeachtet der noch herrschenden Skepsis, was die Zuverlässigkeit der bisher verfügbaren Lösungen anbelangt. Doch die Vorteile des drahtlosen Zeitalters werden immer offensichtlicher und sind kaum mehr von der Hand zu weisen: So lassen sich mit drahtlosen Mess- und Überwachungstechnologien nicht nur Verkabelungskosten sparen, sie bieten Anwendern darüber hinaus auch die Option zur Erfassung neuer, wichtiger Parameter. Aber: Inwiefern sich das wachsende Interesse in einer entsprechend hohen Nachfrage niederschlagen wird, ist bislang unklar. Noch sind die potenziellen Endnutzer in der prozessorientierten und diskreten Industrie, in Maschinen- und Anlagenbau sowie der Automobilindustrie nicht restlos von der Zuverlässigkeit, Sicherheit und Interoperabilität der drahtlosen Lösungen überzeugt. Hier spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:
- Raue Betriebsbedingungen und Hindernisse in Form von Metallen und größeren Maschinen stellen hohe Anforderungen an eine widerstandsfähige drahtlose Übertragung. In einem derartigen Umfeld wäre beispielsweise der Einsatz von Verstärkern und zusätzlichen Messpunkten notwendig – was Kunden erhöhte Installationskosten befürchten lässt.
- Trotz der wachsenden Anzahl an Verschlüsselungsoptionen herrscht große Sorge um die Sicherheit der übermittelten Daten.
- In Prozessindustrien wie der Öl- und Gasindustrie, der Chemie und Pharmaindustrie gibt es Gefahrenzonen in den Fabriken, in denen der Einsatz drahtloser Lösungen aus Sicherheitsgründen bislang verboten ist. Entscheidende Veränderungen könnten sich hier aus dem Angebot explosionssicherer zertifizierter Produkte ergeben.
- Bis dato mangelt es an einheitlichen Standards, was die reibungslose Integration drahtloser Sensoren in bestehende Fabrik-Infrastrukturen erschwert.
- Eine zusätzliche Herausforderung ist die Batterielebensdauer: Anwender befürchten hohe Zusatzkosten, sobald ein Sensor die gewünschten Daten in regelmäßigen kurzen Abständen übertragen muss. Da dies die Batterie stark beansprucht, wird ein häufiger Austausch notwendig.
Da die Industrie auf neue technologische Trends traditionell eher zurückhaltend reagiert, liegt in Kombination mit den genannten Faktoren der Schluss nahe, dass mit einer Einführung drahtloser Sensoren auf breiter Basis zumindest kurzfristig nicht zu rechnen ist. Bislang erfolgt der Einsatz in Endnutzer-Anlagen vor allem im Rahmen von Pilot- und Testprojekten.
Die möglichen Wachstumstreiber
Trotz all der angeführten Stolpersteine bieten drahtlose Sensoren in bestimmten Anwendungen jedoch erhebliche Vorteile gegenüber anderen Lösungen. Ein Bereich, in dem drahtlose Technologien signifikante Einsparungen bei den Verkabelungskosten ermöglichen, ist die Überwachung in der Wasser- und Abwasser- sowie in der Öl- und Gasindustrie. Zudem wächst sowohl in der prozessorientierten als auch in der diskreten Industrie der Druck, die Gesamtleistung zu erhöhen und die Effizienz zu steigern. Ein Gebiet, das für den Einsatz drahtloser Sensoren geradezu prädestiniert scheint, ist die Überwachung und Bewertung des Asset-Zustandes nicht zugänglicher Geräte. Mit Hilfe entsprechender Technologien lassen sich hier kritische Daten erheben, die die Ausgangsbasis für eine bessere Performance der gesamten Anlage liefern können.
Die Anbieter drahtloser Sensoren haben die Notwendigkeit erkannt, auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Endnutzer zu reagieren, und setzen mittlerweile verstärkt auf Kooperationen. Folglich dürften zumindest einige Produkte künftig kompatibel sein mit Wireless-HART und dem noch in der Erarbeitungsphase befindlichen Standard ISA SP 100.11a. Derartige Initiativen könnten erheblich dazu beitragen, die Skepsis potenzieller Kunden abzubauen, und damit der Nachfrage den dringend erforderlichen Schub verleihen.
Mittel- und langfristig wird der Europamarkt für drahtlose Sensoren erheblich an Volumen zulegen. Da die Rezession die Endnutzer jedoch voraussichtlich dazu zwingen wird, geplante Projekte aufzuschieben, dürfte das Wachstum zumindest auf kurze Sicht eher verhalten bleiben. Während dieser Phase ist eine Fortführung der Produkttests denkbar. Parallel dazu sollten die Marktteilnehmer die Zeit nutzen, um die Zuverlässigkeit ihrer Systeme zu erhöhen und an der Interoperabilität zu arbeiten. Sobald sich die Konjunktur wieder erholt und die Geschäftsaussichten für die Endnutzer sich verbessern, wird voraussichtlich auch die Nachfrage nach drahtlosen Lösungen anziehen. Frost & Sullivan rechnet für den europäischen Markt im Prognosezeitraum mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von rund 25 %, womit 2014 die Schwelle von 30 Mio. US-Dollar überschritten würde.











