Myra Security

Alexandra Hose,

Cyberangriffe auf demokratische Wahlen gerichtet

Trotz eines starken Rückgangs in der zweiten Jahreshälfte steigt die Anzahl schädlicher Requests im Gesamtjahr 2024 um 25 Prozent. Auch die Einflussnahme auf Wahlen und die Bevölkerung nimmt zu. Der öffentlicher Sektor bleibt Cyberhotspot. Die Hältfe der Überlastungsangriffe (55,8 Prozent) sind erfolgreich.

Im Gesamtjahr 2024 verzeichneten die Abwehrsysteme von Myra einen Anstieg der schädlichen Anfragen um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. © Myra Security

Die Bedrohungslage im Internet verschärft sich trotz vereinzelter positiver Signale insgesamt weiter. Das zeigt der neue Report des deutschen Cybersicherheitsanbieters Myra Security, der die wichtigsten Herausforderungen für die Cybersicherheit von Unternehmen und Organisationen untersucht.

Schädliche Traffic-Ströme auf Applikationsebene erreichten zur Jahresmitte 2024 ihren Höchststand. © Myra Securit

Über das gesamte Jahr 2024 stieg die Menge schädlicher Anfragen um 25 Prozent. Daten aus dem Security Operations Center (SOC) von Myra zeigen in der ersten Jahreshälfte einen signifikanten Anstieg von schädlichen Traffic-Strömen um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Juli 2024 markiert den mitigationsintensivsten Monat seit Beginn der Auswertung. Nach diesem Höhepunkt waren die Angriffe im Monatsverlauf rückläufig. Im Oktober lag die Anzahl der blockierten Requests erstmals unter dem Vorjahreswert. Diese positive Entwicklung ist mitunter auf erfolgreiche Operationen internationaler Ermittlungsbehörden zurückzuführen, die mehrere zentrale Cybercrime-as-a-Service-Plattformen stilllegten.

Öffentlicher Sektor bleibt Cyberhotspot

Auswahl publik gewordener Cybervorfälle im öffentlichen Sektor für das Jahr 2024. © Myra Security

DDoS-Attacken sind das Mittel der Wahl, um öffentlichkeitswirksam Cybervorfälle zu provozieren. In Europa ist der öffentliche Sektor mit Abstand am stärksten von Überlastungsangriffen betroffen: Ein Drittel aller gemeldeten Attacken zielt auf die Webseiten und Dienste von Behörden. Hinter 40 Prozent der DDoS-Attacken steckt mutmaßlich eine politische Motivation oder aktivistische Agenda, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Doch trotz der alarmierenden Zahlen sind offenbar noch immer viele Organisationen nicht ausreichend abgesichert. Denn nach Angaben der Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (Enisa) führen mehr als die Hälfte (56,8 Prozent) der DDoS-Angriffe zu einem vollständigen Ausfall des Ziels.

Anzeige

Digitale Angriffe auf demokratische Wahlen nehmen zu

Im September 2024 war über einen längeren Zeitraum hinweg eine signifikante Häufung von DDoS-Angriffen auf österreichische Organisationen im Zusammenhang mit den Nationalratswahlen zu beobachten. Im Falle einer zentralen Landesbehörde wehrten die Systeme von Myra bis zu 24-stündige Attacken ab. Ende November 2024 warnte das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz vor Risiken durch die Einflussnahme anderer Staaten auf die anstehende Bundestagswahl. Im Dezember war in Rumänien bereits zu sehen, wie Cyberangriffe demokratische Wahlen gefährden. Untersuchungen des rumänischen Geheimdienstes ergaben, dass die Wahlinfrastruktur des Landes im Kontext der Präsidentschaftswahlen Ziel von mehr als 85.000 Cyberangriffen war, die von Desinformationskampagnen auf Social Media begleitet wurden. Aufgrund dieser Einflussnahme auf den Wahlprozess erklärte das oberste Gericht Rumäniens die erste Runde der Präsidentschaftswahlen für ungültig.

Christof Klaus, Director Global Network Defense bei Myra Security. © Nicolas Armer/Myra Security

»Auch wenn die geringeren Angriffszahlen im zweiten Halbjahr 2024 Hoffnung geben, hat sich die Gesamtlage leider abermals verschärft«, erklärt Christof Klaus, Director Global Network Defense bei Myra Security. »Politisch und wirtschaftlich befinden wir uns in herausfordernden Zeiten. Durch Cyberangriffe und Desinformation versuchen politisch motivierte und teils staatlich unterstützte Cyberakteure, diese Gemengelage auszunutzen. Das dürfen wir nicht zulassen – zum Schutz unserer Wirtschaft und vor allem zum Schutz unserer Demokratie. Noch nie war es so wichtig, unsere digitale Verteidigungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und weiter auszubauen.«

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Illumio

Warum IT/OT-Grenzen neu gedacht werden müssen

Smart Factories verbinden Produktionsanlagen, Steuerungen und IT-Systeme über gemeinsame Netzwerke – eine Entwicklung, die die Effizienz zwar steigert, aber auch zusätzliche Angriffsflächen schafft. Um diese Risiken zu beherrschen, müssen...

mehr...
Anzeige
Anzeige

Axians

Fünf unbequeme Wahrheiten über OT‑Security

Firewalls kaufen kann jeder. OT-Security machen die wenigsten wirklich. Timmi Hopf, Business Development Manager OT Cybersecurity bei Axians, benennt in seinem Kommentar fünf unbequeme Wahrheiten aus der Praxis und erklärt, warum der erste Schritt...

mehr...
Anzeige

Parasoft

So entspricht Software der EU-Verordnung

Neue gesetzliche Vorgaben zur Cybersicherheit betreffen nahezu alle Anbieter digitaler Produkte im EU-Markt. Die Cyberresilienz-Verordnung definiert verbindliche Standards und Meldepflichten. Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren