Pilz
Hot Spots cool managen
Brennermanagement-Systeme für den vollautomatischen Betrieb einer Brenneranlage sind komplex aufgebaut. Aufgrund des hohen Gefährdungspotenzials gelten strenge Vorschriften zur Vermeidung von sicherheitsrelevanten Prozesszuständen. Wie lassen sich diese umsetzen bzw. befolgen?
Für den sicheren Ablauf und die sichere Überwachung der Befeuerungssequenzen bei Gas- und Ölbrennern in industriellen Thermoprozessanlagen sorgen Brennersteuerungen. Sie bieten zum Beispiel variable Sicherheitszeiten für das Öffnen der Brennstoffventile, erlauben die Anpassung der Vorbelüftungszeit für frei wählbare Gebläseleistungen und Kesselräume und führen eine Gasventilprüfung (Dichtigkeitsprüfung) nach EN 1643 mit zwei Gashauptventil- Ausgängen durch. Ihre Aufgabe ist es, die in der Überwachungssequenz nachfolgenden Sicherheitsfunktionen zuverlässig zu managen: Druck-, Temperatur- und Flammenüberwachung, sicheres Anfahren, beispielsweise Vorspülen und Zünden, sowie Abschalten, zum Beispiel Nachbrennen oder Abfahren, der Brenneranlage gehören dazu. Auch die sichere Überwachung der Not-Halt-Kette ist Aufgabe einer Brennersteuerung. Weitere Funktionen, die sicher überwacht werden, sind das Brennstoff-Luft-Verhältnis, die Ansteuerung von Ventilen, Klappen und Stellantrieben, das An- und Abfahren von Ventilen und der Hochtemperaturanlage. Daneben gewährleistet die Automatisierung auch den gegebenenfalls sicheren Datenaustausch sowie die Visualisierung von Betriebszuständen und Diagnosemeldungen. Ein modernes Steuerungs-system kann alle Status- und Diagnosedaten liefern, die über Feldbusse oder Industrial Ethernet für andere Geräte lokal oder remote angezeigt werden und auswertbar sind.
Sicherheit für Kessel und Co.
Burner-Management in der Backwaren-Industrie: Der österreichische Waffelbackautomaten-Hersteller Bühler Haas verwendet die konfigurierbare Kleinsteuerung ‚PNOZmulti 2 Burner‘: Sie übernimmt die Aufgaben ‚funktionale Sicherheit‘ und ‚Brennersteuerung‘ der zuvor separaten Brennersteuerungen in einem einzigen System.
© PilzDiese Überwachungssequenz findet sich in allen Process-Heat-Applikationen wieder, unabhängig davon, ob es sich um Einzelbrenner, Brennergruppen oder um verkettete Anlagen handelt. Eine Anforderung bleibt dabei immer gleich: Die Automatisierungslösung muss sowohl die Aufgaben der Sicherheits- und Automatisierungstechnik lösen als auch komfortabel und einfach zu handhaben sein. Hersteller wie Pilz bieten deshalb Systeme, die sich mit Blick auf ihre Komplexität den unterschiedlichen Applikationen anpassen lassen und in Hard- und Software den spezifischen Anforderungen der Feuerungstechnik Rechnung tragen. So lassen sich bei industriellen Gas- und Ölfeuerungsanlagen alle Funktionen entlang der Gasregelstrecke, der sicherheitsrelevanten Flammenüberwachung und alle weiteren anlagebedingten Sicherheitsfunktionen überwachen, steuern und visualisieren.
Safety all-inclusive
Bei einfachen und weniger verketteten Anlagen übernehmen Kleinsteuerungen die Überwachung der Safety in Wärmeprozess-Anwendungen. Dabei kann beispielsweise das Basisgerät ‚PNOZ m B1 Burner‘ der sicheren konfigurierbaren Kleinsteuerung ‚PNOZmulti 2‘ von Pilz als Sicherheitssteuerung nicht nur den Brenner mit seinen Sicherheitsfunktionen selbst, sondern die gesamte Anlage sicher überwachen und steuern. Über vordefinierte und zertifizierte Funktionsbausteine lässt sich die Überwachung an unterschiedliche Brenner-Anwendungen – beispielsweise Leitbrenner oder Nicht-Leitbrenner, direkte oder indirekte Zündung, Nieder- oder Hochtemperaturbetrieb – anpassen. Die Kleinsteuerung steuert zudem auch Sicherheitsventile eines Brenners normenkonform; ein Erweiterungsmodul besitzt vier sichere, diversitäre Relaisausgänge gemäß EN 50156-1. Auch komplexe Sicherheitsapplikationen sind mit diesem System, bei dem die Diagnose integriert ist, umsetzbar – ein Basisgerät überwacht bis zu zwölf Brenner.
Allerdings stoßen Kleinsteuerungen dort an ihre Grenzen, wo lange Öfen mit Dutzenden von Brennern üblich sind – etwa in der Metall-, Glas- und Keramikindustrie. In solchen Anlagen ist eine hohe Anzahl von Ein- und Ausgängen nötig, die sich auf große räumliche Bereiche verteilen. Hier ermöglichen Steuerungssysteme wie ‚PSSuniversal PLC‘ des Automatisierungssystems ‚PSS 4000‘ das sichere Management aller in einer Anwendung vorhandenen Brenner. Daneben sind es komplexe, verkettete Anlagen, in denen Steuerungssysteme mit der passenden Software für das Burner-Management die Sicherheit der Anlage übernehmen. So lässt sich mit der integrierten Diagnose zum Beispiel der Status des Brenners anzeigen. Da Brenner entsprechend der Norm verschiedene Stufen und Sequenzen durchlaufen und dabei bestimmte Bedingungen erfüllen müssen, muss die Visualisierung sicherstellen, dass das Bedienpersonal den Status auf einen Blick über ein Display oder HMI ablesen kann. Eine zusätzliche grafische Anzeige der Flammenparameter für alle Brenner in einer Anlage sowie eine Anzeige der Sensordaten im Anlagendisplay gehören zum erweiterten Diagnoseumfang. Vor allem bei räumlich weit verteilten Industrieanlagen ist eine umfangreiche Diagnose nötig, damit schnell reagiert werden kann, wenn irgendwo im Gesamtsystem ein Fehlerzustand vorliegt.
Software-Bausteine für Brenner
Das Softwaretool ‚PNOZmulti Configurator‘ der Kleinsteuerung ‚PNOZmulti 2‘ unterstützt bei Projektierung, Konfigurationserstellung, Dokumentation und Inbetriebnahme sicherer Feuerungsanlagen, inklusive umfangreicher Diagnosemöglichkeiten.
© PilzAlle für das Burner-Management relevanten Sicherheitsfunktionen stehen in abgenommenen und gekapselten Bausteinen über Software zur Verfügung. Nur die vorhandenen Prozesssignale und die Ein/-Ausgangsmodule sind entscheidend dafür, wie viele Überwachungs- und Steuerungsfunktionen letztlich genutzt werden können. Die Funktionsbausteine können im Rahmen der Hardwaregrenzen mehrfach verwendet werden und bieten so verschiedene Möglichkeiten zur Optimierung der Anlage – über den einzelnen Brenner hinaus für einen Brennerverbund oder auch die gesamte Anlage.
Beim Basisgerät ‚Burner‘ der Kleinsteuerung ‚PNOZmulti 2‘ etwa unterstützt ein Brenner-Funktionsbaustein des Software-Tools ‚PNOZmulti Configurator‘; pro Basisgerät sind maximal zwölf Brenner-Funktionsbausteine konfigurierbar. Dieses Software-Element bildet die erweiterte Funktionalität eines flexibel konfigurierbaren elektronischen Feuerungsautomaten nach. Es steht für die Konfiguration des Basisgeräts ‚PNOZ m B1 Burner‘ zur Verfügung und ist nach den entsprechenden europäischen Normen zertifiziert, unter anderem nach der EN 298 sowie der EN 50156.
Die Software bei Steuerungssystemen, wie ‚PAS4000‘ im Automatisierungssystem PSS 4000, lässt sich durch eine hardware-unabhängige Programmierung charakterisieren. Über sie können Funktionsblöcke konfiguriert werden, die auf bestimmte Anwendungsszenarien einer Brenner-Anwendung fokussieren. Mit dem ‚Burner-Management-Software-Paket‘ lassen sich Programme zur Steuerung unterschiedlicher Brennertypen umsetzen und zugleich Sicherheitsfunktionen wie Schutztürkontakte, Not-Halte und Lichtgitter ausführen. Da die Funktionsblöcke für das Brennermanagement vorgefertigt und TÜV-zertifiziert sind, erlauben sie eine einfache Installation und Validierung.
Die Normenlage
Wie beim belgischen Stahlgiganten Arcelor Mittal kann das Automatisierungssystem PSS 4000 von Pilz in weit verzweigten Anlagen eingesetzt werden: Das Burner-Management-Software-Paket des Automatisierungssystems übernimmt die Aufgaben des Brennersteuerungsmoduls.
© PilzEU-Richtlinien für Feuerungsanlagen gibt es erst seit 2004. Bis dahin kamen nationale Standards zur Anwendung, die sich erst nach und nach auf europäischer Ebene etabliert haben. So sind industrielle Thermoprozessanlagen zum Beispiel als Maschinen unter der Maschinenrichtlinie eingeordnet, wo sie unter die EN 746, die Norm für ‚Industrielle Thermoprozessanlagen‘, fallen.
Für Feuerungsanlagen, die nicht zu den industriellen Thermoprozessanlagen gehören und auch nicht zum Erwärmen von Prozessflüssigkeiten und -gasen in der chemischen Industrie verwendet werden, existiert die europäische Norm EN 50156-1 als allgemeine Norm für die elektrische Ausrüstung.
Entsprechend der Sicherheitseinstufung durch den TÜV muss die Ausführung der Brennersteuerungen folgenden Normen entsprechen: der internationalen Norm EN IEC 61508, der darauf basierenden spezifischen Norm für Feuerungsanlagen EN 50156 oder der im Maschinenbau bekannten internationalen Norm EN ISO 13849.
Weltweit gilt für Brenneranlagen eine Vielzahl internationaler Normen für thermische Prozesse, Dampfkesselanlagen, Feuerungsautomaten und Brenner. Die in den USA und Kanada gültigen UL 60730-1 und UL 60730-2-5 befassen sich mit Feuerungsautomaten, die zur automatischen Steuerung von Brennern mit Öl, Gas, Kohle oder anderen brennbaren Stoffen eingesetzt werden. Hinzu kommen die Anforderungen nach der US National Fire Protection Association (NFPA): NFPA 85, 86 und 87. Die NFPA 85 hat die Erhöhung der Betriebssicherheit der Kessel im Fokus, die NFPA 86 die Minimierung der Brand- und Explosionsgefahr bei Öfen, die NFPA 87 Sicherheitsleitlinien für Flüssigkeitserhitzer und zugehörige Ausrüstung.
Ein Interview mit Armin Glaser: »Die neue Maschinenverordnung macht Industrial Security verpflichtend für die Sicherheit von Maschinen!«
© PilzEbenfalls relevant für die Zertifizierung von Brennermanagement-Systemen ist die Australian Gas Association (AGA), insbesondere die Norm EN 298-2012.
Brennersteuerungssysteme, die UL- oder andere internationale Zertifizierungen besitzen, ermöglichen Unternehmen beziehungsweise Anwendern den Zugang zu diesen Märkten. Die Systeme können in unterschiedlichsten Branchen für sichere Abläufe sorgen: in der Metallbearbeitung sowie der Lebensmittel- und Süßwarenindustrie, in der Rohrzucker- oder Ethylalkoholproduktion, der Papierindustrie oder der Automobilbranche. Auch für die Petrochemie oder Gasverarbeitung ist es wichtig, dass Energie weder verschwendet wird noch eine Gefährdung von ihr ausgeht – wobei die sichere Automatisierung ihren Beitrag leisten kann.
| Intuitiv und sicher - Armin Glaser im Interview |
|---|
|
Die sichere Verbrennungsüberwachung kennt heutzutage vor allem feste Logikfunktionen. Was eine frei programmierbare oder konfigurierbare Sicherheitssteuerung bringt, erläutert Armin Glaser, Vice President Strategy and Cooperation bei Pilz in Ostfildern. Herr Glaser, was bringt eine solche Sicherheitssteuerung für die sichere Verbrennungsüberwachung? Armin Glaser: Um zuerst einmal mit einem gehäuft auftauchenden Missverständnis aufzuräumen: Eine Änderung der sicheren Auswertelogik im Anwenderprogramm eines programmierbaren Safety Controllers führt nicht zwangsweise zu einer Neuzertifizierung! In einer Sicherheitssteuerung sind alle Bausteine, Bibliotheken, Befehle, sicheren arithmetischen Operationen und vordefinierten Funktionen zertifiziert und von der Zertifizierungsstelle abgenommen. Diese Abnahme bezieht sich immer auf ein ‚Paket‘ bestehend aus Hardware, Firmware und dem eingesetzten Engineeringtool. Alle vom Anwender individuell vorgenommenen Zusammenstellungen aus verschiedenen Hardwaremodulen, Funktionsbausteinen und Befehlen erfolgen ausschließlich im Rahmen des abgenommenen Gesamtsystems. Diese Modulprüfung und der sicherheitstechnische Nachweis aller Kombinationen ist Gegenstand der Nachweisführung des Steuerungsherstellers gegenüber der Abnahmebehörde. Anwender sind hiermit komplett entlastet. Was ist der Mehrwert für Betreiber von Feuerungs- anlagen? Glaser: Die Zertifizierung der Geräte stellt sicher, dass Anwender nur zugelassene Kombinationen verwenden können, organisatorischer Aufwand bleibt ihnen komplett erspart. Sie können sich ganz auf die sicherheitsrelevanten Funktionen der Maschine oder Anlage konzentrieren. Sind die Sicherheitsfunktionen der Anlage oder Maschine genehmigungspflichtig, muss eine neu hinzugekommene Sicherheitsfunktion geprüft werden. Und auch hier ist es entscheidend, dass dies für den Anwender so leicht wie möglich umsetzbar ist: Der Nachweis von unveränderten Teilen der Programmlogik kann einfach durch eine Prüfsumme des entsprechenden Bereichs erbracht werden. Diese Prüfsumme wird vom System automatisch im Hintergrund generiert und ist Teil der Dokumentation. Auf diese Weise lassen sich Verantwortungsgrenzen und freigegebene Bereiche leicht nachvollziehen und dokumentieren. In der industriellen Sicherheitstechnik ist der Anwender mit seinen Interessen und Fähigkeiten immer Teil des Projekts und mit einbezogen – weil nur eine anwendbare Sicherheit eine stabile und akzeptierte Sicherheit ist! Ich wiederhole mich gern: Die Verantwortung für die sicherheitstechnisch korrekte Funktion der Geräte übernimmt klar der Hersteller. Plus: Der Anwender muss sich innerhalb der in den Sicherheitshandbüchern beschriebenen Grenzen bewegen. Deshalb ist auch die Dokumentation zum Gerät immer Gegenstand der sicherheitstechnischen Abnahme. So stellen Hersteller und die zertifizierende Stelle gemeinsam sicher, dass der Anwender in der Feuerungstechnik-Welt immer eindeutig und leicht verständlich auf seine Handhabungsschritte und Verantwortungsgrenzen hingewiesen wird. Und was heißt das technisch betrachtet? Glaser: Anwender in der Feuerungstechnik können Änderungen an der Sicherheitsfunktion einer Sicherheitssteuerung komplett eigenständig und mit dem denkbar geringsten Aufwand durchführen. Eine Unterstützung durch den Steuerungshersteller ist nicht notwendig. Ist die Brennersteuerung eine Sicherheitsfunktion gemäß der Maschinenrichtlinie? Glaser: Hier hilft ein kurzer Blick ins Amtsblatt der Europäischen Union – aufgeführt sind hier die EN 267:2009 für automatische Brenner mit Gebläse für flüssige Brennstoffe sowie die EN 676:2003+A2:2008 für automatische Brenner mit Gebläse für gasförmige Brennstoffe. Das heißt: Brenner unterliegen aufgrund ihrer Verwendung und der verwendeten Ausrüstung den einschlägigen Normen. Genauer, der EN 746‚ der EN 676 ‚Gasbrenner‘ und der EN 12067 ‚Gas-Luft-Verhältnisregelung‘ entsprechend der Gasgeräterichtlinie, der EN 230 ‚Automatische Brennersteuerungen für Ölbrenner‘, der EN 267 ‚Ölbrenner‘ sowie der EN 298 ‚Automatische Brennersteuerungen für Gasbrenner und Gasgeräte mit und ohne Gebläse’ und auch der ‚Industriellen Thermoprozessanlagen‘ der Maschinenrichtlinie. Die Konsequenz daraus ist, dass alle Steuerungs- und Überwachungsfunktionen nach den Sicherheitsanforderungen dieser Normen ausgelegt und vom Hersteller mit einer CE-Kennzeichnung versehen sein müssen – im definierten Rahmen der – noch – gültigen Maschinenrichtlinie. Was zeichnet eine zukunftssichere Lösung in der Prozesswärme-Industrie nun also aus? Welche Rolle spielt die neue Maschinenverordnung hierbei? Glaser: Die neue Maschinenverordnung trägt der wachsenden Bedeutung von Digitalisierung und Industrial Security Rechnung. Elementar ist: Der Schutz vor Manipulation der sicherheitsgerichteten Steuerung und die Abwehr von Cyberbedrohungen wird zu einer wesentlichen Voraussetzung. Die Maschinenverordnung macht also Industrial Security verpflichtend für die Sicherheit von Maschinen! Diese neuen Vorgaben betreffen auch die Feuerungstechnologie und müssen entsprechend berücksichtigt werden. |

















