X-Force Threat Intelligence Index 2022

Andrea Gillhuber,

Fertigungsindustrie am stärksten betroffen

Die Fertigungsindustrie gilt laut X-Force Threat Intelligence Index 2022 von IBM als die an der Anzahl der gemessenen Attacken am stärksten von Cyberangriffen betroffene Branche und löst damit die Finanz- und Versicherungsbranche ab.

© Pixabay/CC0

Jährlich nimmt IBM in seinem X-Force Threat Intelligence Index weltweite Cyberattacken unter die Lupe. Laut dem Bericht war die Fertigungsindustrie mit 23 % aller Angriffe die global am stärksten Betroffene Branche; in Deutschland betrug der Anteil sogar 31 %. Dabei erfolgten die meisten Angriffe auf die Produktion über die Ausnutzung von Schwachstellen (47 %) gefolgt von Phishing mit 40 %. Interessant ist, dass Cyberkriminelle gezielt die Fertigungsindustrie und ihre Rolle in globalen Lieferketten nutzten, um diese gezielt zu stören beziehungsweise zu unterbrechen.

Ransomware die am häufigsten genutzte Angriffsart

Die am häufigsten genutzte Angriffsart war auch im Jahr 2021 Ransomware – trotz eines Rückgangs von 9 % gegenüber dem Vorjahr. Als wahrscheinlichste Ursache für den Rückgang von Ransomware- und IoT-Botnet-Angriffe im Jahr 2021 benennte IBM die Aktivitäten von Strafverfolgungsbehörden. Gleichzeit warnt der IT-Konzern jedoch, dass ein mögliches Wiederaufleben im Jahr 2022 nicht auszuschließen sei.

Von allen Industriezweigen war die Fertigungsindustrie die am stärksten von Cyberangriffen betroffene Branche im Jahr 2021.

© IBM

Unternehmen sehen sich bei Ransomware-Angriffen jedoch immer häufiger mit einer dreifachen Erpressung konfrontiert: Ihre Daten werden verschlüsselt und gestohlen, während die Hacker gleichzeitig damit drohen, diese Daten zu veröffentlichen und einen DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service) gegen den Betroffenen zu starten, sollte keine Lösegeldzahlung erfolgen.

Der häufigste Ransomware-Stamm war mit 37 % aller Ransomware-Angriffe 'REvil', ein Typ, den der X-Force-Bericht auch als ‚Sodinokibi‘ bezeichnet. Auf Platz 2 folgt der Ransomware-Typ 'Ryuk' mit 13 %.

Phishing-Kits für Microsoft, Apple und Google

Untersucht wurde im Rahmen des Berichts auch, wie Cyberkriminelle im Jahr 2021 Phyihing-Kits einsetzten. Demnach versuchten Cyberkriminelle im Jahr 2021 insbesondere Große Marken wie Microsoft, Apple und Google zu imitieren. Die Securityexperten gehen davon aus, dass die Angreifer gerade aus der Popularität und dem Verbrauchervertrauen in diese drei Marken Profit schlagen wollten.

Laut dem Bericht waren Bedrohungsgruppen auf der ganzen Welt bestrebt, ihre Fähigkeiten zu verbessern und mehr Unternehmen zu infiltrieren. Die von ihnen verwendete Malware war in häufig in Programme oder Methoden eingebettet, die zur Umgehung von Verteidigungsmechanismen dienen. In einigen Fällen wurden diese über cloudbasierte Messaging- und Speicherplattformen gehostet, um Sicherheitskontrollen zu umgehen. Diese Plattformen wurden genutzt, um Befehls- und Kontrollkommunikation im legitimen Netzwerkverkehr zu verstecken. Zudem entwickelten die Cyberkriminellen weiterhin Linux-Versionen von Malware, um den Übergang zu Cloud-Umgebungen zu erleichtern.

Insbesondere drei besonders aktive Bedrohungsgruppen wurden von den Analysten im Jahr 2021 beobachtet: der mutmaßliche iranische Bedrohungsakteur ITG17 (MuddyWater), die cyberkriminelle Gruppe ITG23 (Trickbot) und Hive0109 (LemonDuck).

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Geeignete Schutzmaßnahmen

© Pixabay/CC0

Den X-Force Threat Intelligence Report nahm Wolfgang Huber, Regional Director DACH beim Datenmanagement-Anbieter Cohesity, zum Anlass, einige Tipps zum Schutz vor Cyberkriminellen zu geben. Er empfiehlt:

1) Sicherheitslücken schneller schließen

Es ist erschreckend, dass heute immer noch knapp die Hälfte aller Angriffe bereits bekannte Schwachstellen ausnutzt. Daher müssen Unternehmen aller Branchen ihre Systeme ständig aktualisieren und sämtliche verfügbaren Patches sofort einspielen. Ordnungsgemäß abgesicherte Systeme, wirksame Kennwortrichtlinien und die Sicherstellung der Compliance sind entscheidende Bausteine einer soliden Security. Dabei sollten Firmen auch das Risiko im Bereich der Anmeldeinformationen mit Hilfe strenger Zugangskontrollen wie Multifaktor-Authentifizierung oder granularer rollenbasierter Zugriffskontrolle eindämmen.

2) Bestandsaufnahme für Daten

Unternehmen müssen ermitteln, welche Daten sie besitzen, wo sie sich befinden, wie sie klassifiziert sind und wer mit ihnen arbeitet. Nur dann können sie feststellen, ob abweichendes Verhalten gegenüber diesen Datensätzen auftritt, etwa durch Spionage, Ransomware oder Phishing-Opfer. Mit Hilfe von Automatisierung, Machine Learning und KI lässt sich die Umgebung kartieren, um die Speicherorte der wertvollsten Daten zu ermitteln. Auf Basis eines richtlinienbasierten Ansatzes ist dann zu überlegen, wie die Daten geschützt und im Angriffsfall wiederhergestellt werden. Zum Beispiel erkennen ML- und KI-Tools sofort, dass sich Daten am falschen Ort befinden und isolieren diese. So kann eine unmittelbare Reaktion erfolgen, wenn Abweichungen erkannt werden.

3) Niemandem trauen – Zero Trust

Hacker gehen immer mehr zu gezielten Angriffen über, die herkömmliche Security-Tools meist nicht erkennen. Das Zero-Trust-Modell basiert auf dem Prinzip „never trust, always verify“, etwa: vertraue niemandem, überprüfe jeden. Es sollte mit effektiven Lösungen umgesetzt werden, die Datensicherheit und Data Governance vereinen. Dann können Unternehmen feststellen, wer auf Daten zugreift und Verhaltensanomalien nahezu in Echtzeit erkennen. Eine automatisierte Datenklassifizierung mit vordefinierten Richtlinien für Vorschriften wie DSGVO erleichtert die Erfüllung von Compliance- und Governance-Vorgaben. Zudem lassen sich richtliniengetreue Abwehrmaßnahmen über die Integration mit führenden SOAR-Plattformen (Security Orchestration, Automation and Response) auslösen.

4) Unveränderliche Backups nutzen

Früher verschlüsselten Cyberkriminelle nur Produktionsdaten. Diese ließen sich durch Backups schnell wiederherstellen. Doch heute zerstören oder verschlüsseln sie auch zunehmend die Backup-Daten. Deshalb müssen Unternehmen Datenmanagementlösungen der nächsten Generation einsetzen, die unveränderliche Backup-Snapshots umfassen. Die Unveränderbarkeit stellt sicher, dass kein unbefugter Benutzer oder keine unbefugte Anwendung die „goldene“ Kopie der Sicherung verändern kann. Jeder Versuch, die „goldene“ Kopie zu ändern, führt automatisch zur Erstellung eines Null-Kosten-Klons. Diese Architekturen sollten auch robuste Verschlüsselungsalgorithmen, Löschcodierung und WORM (DataLock) beinhalten.

5) Sicherheit als Service nutzen

Viele Industrie-Unternehmen sind mit der Einführung aktueller Security-Lösungen überfordert. Doch sie können diese einfach als Service-Angebote nutzen. Dies gilt nicht nur für einen KI/ML-basierten Datensicherheits- und Governance-Service, der sensible Daten sowie anormale Zugriffs- und Nutzungsmuster automatisch erkennt. Es lässt sich auch eine Kopie in einer vom Anbieter verwalteten sicheren Datenisolation speichern. Im Falle eines Ransomware-Angriffs können Unternehmen dann schnell und zuverlässig eine saubere Kopie der Daten am gewünschten Ort wiederherstellen – on-Premises oder in der Cloud.

KI-gestützte Sicherheit

Mit modernen Datenmanagement-Lösungen können Unternehmen die Produktionsdaten scannen und über KI-gestützte Funktionen ihre allgemeine Sicherheitslage verbessern. Zum Beispiel werden Verantwortliche benachrichtigt, wenn Backup-Datenänderungen oder Zugriffsraten von der Norm abweichen. Denn das könnte auf einen Angriff hinweisen. Zudem lassen sich die Security-Lösungen als Service nutzen. Dann sind Unternehmen auch ohne eigene Infrastruktur optimal geschützt.

Mit Unterlagen von IBM und Cohesity.

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