Cyberattacken

Günter Herkommer,

Fast 40 % aller Industrie-Computer betroffen

Zwei von fünf Computern, die im industriellen Umfeld zum Einsatz kommen, waren im zweiten Halbjahr 2016 Cyberattacken ausgesetzt. Das geht aus einem aktuellen Kaspersky-Bericht über Cyberbedrohungen für industrielle Automationssysteme hervor.

Die Quellen der Cyberattacken auf Industrie-Computer

© Kaspersky

In Zeiten der Industrie 4.0 schreitet die Integration von Technologien und Netzwerken im industriellen Umfeld stark voran. Industrieunternehmen werden dadurch vermehrt zum potenziellen Ziel von Cyberkriminellen. Durch das Ausnutzen von Schwachstellen in der Industrie eingesetzter Software und Netzwerke sind Angreifer in der Lage, Informationen über Produktionsprozesse zu stehlen oder sogar die Produktion lahm zu legen.

Die vom Kaspersky CERT (Computer Emergency Response Team) durchgeführte Studie über Cyberbedrohungen für industrielle Kontrollsysteme (ICS, Industrial Control Systems) zeigt, dass die Cybergefahren für Industrierechner steigen. So wurde in der zweiten Jahreshälfte 2016 bei 22 % der im industriellen Umfeld eingesetzten Computer der Download von Schädlingen und der Zugang zu Phishing-Seiten blockiert. Somit war fast jede fünfte Maschine einer Infektion oder einer Kompromittierung von Zugangsdaten über das Internet ausgesetzt.

Das Internet ist jedoch nicht die einzige Bedrohungsquelle, auch Wechseldatenträger stellen ein großes Problem dar. So wurden im Untersuchungszeitraum auf 10,9 % der Computer, auf denen ICS-Software installiert war (oder mit Computern, die diese installiert haben, verbunden waren), nach einer Wechseldatenträger-Verbindung Malware-Spuren gefunden.

Darüber hinaus wurden bei 8,1 % der von Kaspersky Lab analysierten Industriecomputer gefährliche E-Mail-Anhänge und in E-Mails eingebettete Skripte blockiert. Die Malware wird meistens in Office-Dokumenten (MS Office oder PDF) versteckt. Über Social-Engineering-Techniken bringen die Angreifer die Mitarbeiter dazu, die kompromittierten Dateien herunterzuladen und die Malware auf industriellen Computern auszuführen.

Unter der für Attacken auf Industrieunternehmen eingesetzter Malware finden sich Spyware, Backdoors, Keylogger, Finanz-Malware, Ransomware und Wiper-Programme. Die Schädlinge sind in der Lage, die Kontrolle eines Unternehmens auf sein ICS-System zu beeinflussen. Außerdem können zielgerichtete Angriffe durchgeführt oder die Fernkontrolle erlangt werden.

„Unsere Analyse zeigt, dass Cybersicherheitsansätze, bei denen technologische Netzwerke vom Internet isoliert werden, heutzutage nicht mehr funktionieren“, sagt Evgeny Goncharov, Head of Critical Infrastructure Defense Department bei Kaspersky Lab. „Der Anstieg von Cyberbedrohungen für kritische Infrastruktursysteme erfordert entsprechende Malware-Schutzmaßnahmen für industrielle Kontrollsysteme – und zwar innerhalb und außerhalb der Netzwerkperimeter. Darüber hinaus sollten sich Unternehmen im industriellen Umfeld bewusst machen, dass eine Attacke fast immer vom schwächsten Security-Glied ausgeht – dem Menschen.“

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Weitere Ergebnisse der Kaspersky-Studie

  • Jeder vierte zielgerichtete Angriff, der im Jahr 2016 entdeckt wurde, hatte es auf industrielle Systeme abgesehen.
  • Knapp 20.000 verschiedene Malware-Samples, die 2.000 Malware-Familien zugeordnet werden können, tauchten im Untersuchungszeitraum auf industriellen Automationssystemen auf.
  • Im Jahr 2016 entdeckte Kaspersky Lab 75 industrierelevante Schwachstellen. Davon wurden 58 als sehr kritisch eingestuft.

Empfohlene Sicherheitsmaßnahmen für die Industrie

Um ICS-Umgebungen adäquat vor Cyberattacken zu schützen, empfehlen die Experten von Kaspersky Lab die folgenden Maßnahmen:

  • Durchführung von Sicherheitsüberprüfungen (Security Assessements) zur Identifizierung und Beseitigung von Sicherheitsschlupflöchern;
  • Einbeziehung externer Intelligence, um künftige Gefahren zu prognostizieren und entsprechende Verteidigungsmaßnahmen durchzuführen;
  • Sicherheitstrainings für Mitarbeiter erhöhen das Sicherheitsniveau in Industrieunternehmen;
  • Schutz inner- und außerhalb der Netzwerkperimeter: eine zeitgemäße Sicherheitsstrategie muss entsprechende Ressourcen zur Angriffsentdeckung und -verteidigung bereitstellen, um Angriffe blockieren zu können, bevor ein kritisches System betroffen ist;
  • Einsatz fortschrittlicher Schutzmethoden, beispielsweise mittels Default-Deny-Szenarien für SCADA-Systeme, regelmäßige Integrationsüberprüfungen für Kontrollsysteme und spezialisierte Netzwerküberwachung können die Unternehmenssicherheit erhöhen, obwohl verwundbare Systeme darin aus Supportgründen nicht mehr gepatcht werden können.
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