Industrielle Kommunikation
Der 18. ICC bei Phoenix Contact
Safety und Security – unter diesem Motto stand der diesjährige Industrial Communication Congress von Phoenix Contact. An zwei Tagen diskutierten die rund 200 Teilnehmer in Bad Pyrmont, wie sich künftige Automatisierungslösungen sicher gestalten lassen – und zwar in jeder Hinsicht.
Es ist schon Tradition, dass Firmenchef Klaus Eisert im Rahmen der Begrüßung der ICC-Teilnehmer einen Abriss über die Konjunktur sowie die Entwicklung seines eigenen Unternehmens gibt. Demnach konnte Phoenix Contact den Umsatz im vergangenen Jahr um 4,5 % steigern. Damit blieb das Wachstum zwar deutlich hinter dem Nachkrisenjahr 2011 zurück (+13,7 %); ein Gesamtumsatz von 1,59 Mrd. Euro sorgte trotzdem für ein neues Umsatz-Allzeithoch. Mit einem Anteil von 30 % ist Deutschland laut Eisert nach wie vor einen guter "Home-Markt". Und auch für das laufende Jahr gibt es sich bei aller gebotener Vorsicht zuversichtlich: "Wenn alles gut geht, sollten wir wieder im mittleren einstelligen Bereich wachsen."
Nach den Zahlen ging es in die Technik. In seinem Einführungsvortrag sorgte Roland Bent, Mitglied der Geschäftsführung, jedoch zunächst für das ein oder andere Fragezeichen in den Gesichtern der Zuhörer. Er referierte – wie könnte es anders sein – über das Thema 'Industrie 4.0' und damit über Schlagwörter wie 'Cyber-Physical Systems', das 'Internet der Dinge' und selbstorganisierende, intelligente Produktionssysteme und –prozesse. Was dies mit dem eigentlichen Motto der Veranstaltung zu tun hatte? Ganz einfach: "Angesichts der mit Industrie 4.0 einhergehenden zunehmenden Vernetzung auch über das Internet und den damit zwangsläufig drohenden Gefahren, ist die Vision von der Produktionstechnik der Zukunft nur über das Thema Sicherheit zu verwirklichen – zum einen damit weder Menschen noch die Maschinen selbst dabei zu Schaden kommen, zum anderen damit die Anlagen datentechnisch nicht angreifbar werden", so Bent.
Wie dies konkret zu bewerkstelligen ist, erfuhren die Kongressteilnehmer während der beiden Tage im Rahmen zahlreicher Fachvorträge rund um Safety und Security. Dabei wurde eines immer wieder klar heraus gestellt: Beide Disziplinen dürfen künftig nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden. Mit anderen Worten: Safety geht nicht mehr ohne sich Gedanken über die Security zu machen und umgekehrt! Die Praxis sieht heute allerdings noch anders aus, wie Berthold Heinke von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) aus eigener Erfahrung weiß. Er prangert an: "In allen Normen rund um die Maschinensicherheit sprechen wir heute nur von Safety – Security findet hier nicht statt und kommt auch in keinem Prüfszenario vor. Es ist höchste Zeit, dass sich dies ändert!"
Security-Experte Ralph Langner von Langner Communications kann dem nur zustimmen. Und auch er sieht speziell beim Thema Security noch enorme Defizite: "Viele bestehende Anlagen sind heute aus Security-Sicht komplett ungeschützt." Und was noch viel schlimmer sei: Auch Anlagen, die neu installiert werden, sind diesbezüglich häufig auf dem Stand von vor zehn Jahren! Lagner fordert daher: "Wenn man Security nachhaltig betreiben will, muss man zum einen proaktiv an die Sache herangehen, und zum anderen das Thema ganzheitlich betrachten." Seine Warnung an die Zuhörer: "Wer sich nur auf einzelne Dinge wie beispielsweise Policies konzentriert, hat Security nicht verstanden."
Ganz entscheidend im Zusammenhang mit einer ganzheitlichen Betrachtungsweise sei, auch die Geschäftsleitung von der Wichtigkeit des Themas zu überzeugen, denn: "Viele Aktivitäten scheitern irgendwann, weil das Thema Geld kostet", so Langner. Ein weiterer Kritikpunk: "Die meisten Security-Projekte, die wir heute sehen, sind von der IT getrieben. Weil diese aber für die Automatisierungstechnik oft nicht praktikabel sind, versanden sie mit der Zeit." Der Appell in die Runde lautete daher: "Vergessen Sie erst mal die Technik und überlegen Sie, wie Sie das Management ins Boot holen!"










