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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kommentar

Günter Herkommer,

Industrie 4.0 - eine digitale Zweiklassengesellschaft?

In wenigen Tagen öffnet die Hannover Messe 2018 ihre Pforten. Unter all die Euphorie, die das Thema Industrie 4.0 derzeit allerorts hervorruft, mischen sich auch kritische Stimmen. So mancher befürchtet, dass gerade kleine Mittelständler abgehängt werden könnten.

Ein Kommentar von Günter Herkommer, Chefredakteur Computer&AUTOMATION

© WEKA FACHMEDIEN GmbH

Bereits Anfang Februar 2018 konnte Dr. Jochen Köckler, Chef der Deutschen Messe AG, anlässlich seines Ausblickes auf die Hannover Messe 2018 verkünden: "Wir sind ausgebucht und alle Plätze sind belegt!" Maßgeblich dazu beigetragen hat sicherlich die Wiedereingliederung der Cemat. Zur Erinnerung: 2002 gab die Deutsche Messe bekannt, das Thema Materialfluss und Logistik in eine eigenständige, nur noch im 3-Jahres-Rhythmus und dann jeweils im Oktober stattfindende Messe auszugliedern.

Dass die Intralogistik-Branche künftig wieder alle zwei Jahre im April unter dem Dach der Hannover Messe vertreten sein wird, macht absolut Sinn – ist sie doch für die Realisierung flexibler Fertigungskonzepte à la Industrie 4.0 ein ebenso essenzieller Baustein wie die Robotik, die auf der weltgrößten Industrieschau in den letzten Jahren ebenfalls wieder festen Fuß fassen konnte. Für die Besucher bedeutet das: Vom 23. bis 27. April können sie sich an einem Ort umfassend zu den Themen der vierten industriellen Revolution informieren.

Zu wissen, mit welchen Strategien, Methoden und Produkten die Digitalisierung beziehungsweise Industrie 4.0 umzusetzen wäre, ist das eine – es auch zu tun, das andere! Besonders schwer scheint die Umsetzung dem Mittelstand zu fallen – zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine im März veröffentlichte Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, in deren Rahmen rund 2000 Unternehmen in ­Deutschland befragt wurden. Einer der Hauptgründe hierfür neben fehlenden finanziellen Mitteln: Inzwischen klage jeder fünfte Mittelständler, dass ihm die Mitarbeiter fehlen, um überhaupt oder mehr in die Digitalisierung zu investieren – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 13 %.

Untermauert wird diese Feststellung von einer weiteren Umfrage, durchgeführt von Bitkom Research unter mehr als 900 Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern. Was speziell den Maschinen- und Anlagenbau betrifft, hätten zwar 88 % der Unternehmen die Digitalisierung bereits strategisch verankert – was übrigens deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (74 %) liege. Trotzdem klagen in dieser Branche 32 % der befragten Führungskräfte über mangelndes Fachpersonal. Deutlich intensiver als andere Wirtschaftszweige suchen Maschinenbauer derzeit beispielsweise Software-Entwickler (33 %) und Virtual-Reality-Designer (17 %).

Michael Marbler, Partner bei Ernst & Young, befürchtet ob dieser Entwicklung eine Verfestigung der ‚digitalen Zweiklassengesellschaft‘: auf der einen Seite einige erfolgreiche, meist größere Unternehmen, die längst beherzt die sich bietenden Chancen der digitalen Technologien nutzen; auf der anderen Seite die immer noch Abwartenden. Er warnt daher: „Eine ausbleibende Digitalisierung kann sich schnell rächen. Im schlimmsten Fall ist sogar die Existenz in Gefahr.“ Sein Rat: „Wenn Geld und Personal fehlen, müssen diese Unternehmen kreativer werden, um trotzdem mit der Entwicklung Schritt zu halten. Kooperationen mit anderen Unternehmen oder mit einer Forschungseinrichtung können sinnvolle Alternativen sein.“ Angesichts von rund 6000 Ausstellern, die in der kommenden Woche in Hannover vor Ort sein werden, dürfte sich ausreichend Gelegenheit bieten, entsprechende Kontakte zu knüpfen – ganz nach dem diesjährigen Leitthema der Messe: Connect & Collaborate!

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