Werkzeugmaschinen

Meinrad Happacher,

Bestellungen mehr als verdoppelt

Die Werkzeugmaschinenhersteller können sich nicht beklagen: Das Auftragsvolumen liegt derzeit sogar über dem Rekordjahr 2008.

© Trumpf

Der Auftragseingang und Umsatz in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie.

© VDW, VDMA

Im zweiten Quartal 2011 ist der Auftragseingang in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie um 83 Prozent gestiegen. Die Inlandsbestellungen nahmen um 72 Prozent zu, die Auslandsorders um 88 Prozent. Insgesamt hat sich die Nachfrage in den ersten sechs Monaten 2011 mehr als verdoppelt.

Sie notierte um 103 Prozent über dem Vorjahr. Inländische Kunden bestellten 96 Prozent, ausländische Abnehmer 107 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Auftragsvolumen lag sogar acht Prozent über dem Wert im Referenzzeitraum des Rekordjahrs 2008.

„Die nach wie vor boomende Nachfrage sorgt für ein glänzendes Halbjahresergebnis“, bestätigt Gerhard Hein, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Frankfurt am Main. Die Steigerungsraten bezögen sich auf eine bereits gestärkte Vorjahresbasis.

Mehrjähriger Höchststand im Auftragsbestand

Gerhard Hein: "Der für 2011 erwartete Umsatzzuwachs von 30 Prozent ist gesichert. Allein im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 50 Prozent."

© VDW

Das anhaltende Bestellhoch sorgt auch für eine hohe Auslastung der Kapazitäten. Sie lag aktuell im Juli dieses Jahres bei 94,7 Prozent im Vergleich zu 76,3 Prozent binnen Jahresfrist. Der Auftragsbestand verzeichnet mit 9,7 Monaten gar einen mehrjährigen Höchststand. In einzelnen Sparten des Sondermaschinenbaus, die stark von der enorm expandierenden Automobilindustrie geordert werden, liegt er sogar noch höher. „Einer schnelleren Auslieferung stehen eingeschränkte Beschaffungsmöglichkeiten bei den Komponenten entgegen“, erläutert Hein.

Die Werkzeugmaschinenindustrie bleibt beim Kapazitätsaufbau vorsichtig, gerade angesichts der erneut aufkommenden Unsicherheit im Zuge aktueller Finanzierungsprobleme in Europa und den USA. „Der Schock aus dem Jahr 2008/2009 sitzt nach wie vor tief“, sagt Hein. Andererseits seien die Firmen während der Krise auch sehr zurückhaltend mit Beschäftigungsabbau umgegangen. Aktuell im Mai dieses Jahres arbeiteten 65.560 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie. Seit Jahresbeginn wurden knapp drei Prozent zusätzliches Personal eingestellt, was rund 1800 Personen entspricht.

Für die zweite Jahreshälfte sieht Hein gute Nachfrageimpulse durch die EMO Hannover 2011. Die Weltleitmesse der Metallbearbeitung findet vom 19. bis 24. September statt. Allerdings würden die Zuwachsraten im Auftragseingang deutlich kleiner werden, weil bereits ein außerordentlich hohes Nachfrageniveau erreicht sei.

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie gehört zu den fünf größten Fachzweigen im Maschinenbau. Sie liefert Produktionstechnologie für die Metallbearbeitung in alle Industriezweige. 2010 produzierte die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie mit 64.100 Beschäftigten (Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern) Maschinen und Dienstleistungen im Wert von 9,9 Mrd. Euro. Das entsprach einem Rückgang der Produktion von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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