Versionierungs-Software

Silke Glasstetter | Lukas Dehling,

Warum nicht auch die Prozesse optimieren?

In einer Fertigung von der Größe und Spezialisierung wie bei Stihl müssen die Anlagenbetreiber und Instandhalter den Überblick behalten. Dabei unterstützt eine Versionierungssoftware, welche die Datenhaltung optimiert.

© Andreas Stihl AG & Co. KG

Die Instandhaltung bei Stihl ist zweiteilig organisiert. Jeder Produktionsbereich hat seine Instandhalter-Teams, die mit sehr guter Anlagenkenntnis das Tagesgeschäft betreuen. Übergeordnet gibt es einen zentralen Instandhalter-Pool mit Spezialisten, welche die Teams vor Ort unterstützen, wenn es zeitlich eng wird oder spezielles Know-how gefragt ist. Dabei haben es die Instandhalter der Werke in Waiblingen und Ludwigsburg schon wegen der räumlichen Nähe einfach, sich auszutauschen und Erfahrungen weiterzugeben. Mit den Instandhaltern in der Schweiz, den USA, Brasilien oder China gibt es einen weniger häufigen, allerdings nicht weniger intensiven Austausch, beispielsweise in Workshops oder durch die Mitarbeiter des hauseigenen Betriebsmittelbaus. Dieser hauseigene Betriebsmittelbau, der Fertigungsmittel und Anlagen für die einzelnen in- und ausländischen Werke entwickelt und realisiert, ist einer der Wettbewerbsvorteile von Stihl. 

Im Betrieb hat es – jedenfalls aus Sicht der Instandhalter – den unschätzbaren Vorteil, „dass der Anlagenbauer im Haus und daher schnell verfügbar ist“, wie Thomas Ruppmann, der seit 1991 bei Stihl in der zentralen Elektrokonstruktion tätig ist, anmerkt. „Wenn wir eine Anlage bauen, dann sind wir ein Maschinenleben lang in der Verantwortung. Von daher haben wir bereits bei der Planung und beim Bau ein Interesse daran, dass die Anlage qualitativ hochwertig ist und wenig Probleme bereitet.“ Ziel sei es, eine möglichst hohe Verfügbarkeit der Produktionsanlagen zu erreichen. Und hierbei unterstützt auch die Versionsverwaltungssoftware ‚Versiondog‘. Der Grund für die Einführung des Tools im Jahr 2009 war nicht so sehr der Leidensdruck bei der Suche nach der jeweils aktuellen Softwareversion, sondern das Bestreben, Prozesse zu optimieren. 

Nach und nach wurden alle Anlagen und Bereiche der Produktion implementiert. Heute sind es etwa 220 User, die am Stammsitz in Waiblingen mit dem Tool arbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Fertigung selbst – obwohl Produktionsanlagen den Schwerpunkt bei der ‚Versiondog‘-Nutzung ausmachen –, sondern auch die Gebäudetechnik, die damit arbeitet: Schaltpläne sind ebenso abgelegt wie Programme zur Lüftungs- oder Lichtsteuerung. Darüber hinaus legen die Verantwortlichen für die Qualitätssicherung darin die Prüfvorschriften ab.
 

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Vergabe von Zugriffsrechten

Die Anforderungen an die unterschiedlichen Abteilungen und Bereiche sind differenziert – entsprechend unterschiedlich sind die Zugriffsrechte vergeben, denn das Facility Management braucht eben andere Informationen als die Fertigung. Daher ist es wichtig, dass mit ‚Versiondog‘ die Vergabe unterschiedlicher Zugriffsrechte möglich ist.

Änderungshistorie: Anhand der Änderungshistorie lässt sich mit 'Versiondog' erkennen, wer, wann, was, wo und warum geändert hat.

© Auvesy

Besonders restriktiv werden die Zugriffsrechte im Betriebsmittelbau gehandhabt, vor allem wenn es um Know-how-trächtige Anlagen geht. Daher komme die Software nicht erst in der laufenden Anlage zum Einsatz, wie Thomas Ruppmann sagt: „Wir nutzen das System im Betriebsmittelbau schon bei der Anlagenerstellung, um Zwischenstände zu archivieren.“ Manchmal stelle sich im Laufe der Inbetriebnahme heraus, dass ein Abschnitt neu programmiert werden müsse. Dann sei es vorteilhaft, wenn auf eine Vorgängerversion zurückgegriffen werden könne.

„Wir haben ein Tool, mit dem wir an Ort und Stelle auf alle erforderlichen Informationen über die Anlage zugreifen können. Und oft reduziert dieser schnelle Zugriff auch die Stillstandzeiten einer Anlage“, erläutert Ruppmann. Mit Hilfe eines flächendeckenden WLANs sind über die Software nicht nur die Programmstände der jeweiligen SPS, sondern auch elektrische und pneumatische Schaltpläne, sogenannte ‚Quicktipps‘, wie es die Instandhalter nennen, in allen Produktionsbereichen vor Ort verfügbar. Sprich Einstellhinweise oder Unterlagen mehr oder weniger exotischer Baugruppen. 

Gestartet hatte man das Projekt ganz klassisch mit der Sicherung von SPS-Software. Je sicherer man bei der Handhabung und Bedienung geworden sei, desto mehr Möglichkeiten hätten sich den Anwendern gezeigt. Sehr geschätzt werde auch, dass die benötigten Editoren ebenfalls integriert seien und in gewohnter Umgebung gearbeitet werden könne. „Wir mussten lediglich die Verzeichnis- beziehungsweise Ablagestruktur definieren. Vom System her war kein Programmieraufwand notwendig“, meint Ruppmann.
 

3000 Anlagen archiviert

Inzwischen sind in allen deutschen Stihl-Werken rund 3000 Anlagen in ‚Versiondog‘ archiviert, in der Summe sind das zirka 7600 Komponenten. Als Standard wurden für jede Anlage drei Komponenten definiert: die Software – das heißt das Steuerungsprogramm –, Schaltpläne und Dokumentation. Bei Bedarf lassen sich die Komponenten weiter mit Unterverzeichnissen strukturieren oder durch Komponenten für eine Roboter- oder Schraubersteuerung ergänzen. 

Ein Wettbewerbsvorteil: Der hauseigene Betriebsmittelbau, der Fertigungsmittel und Anlagen für die in- und ausländischen Werke entwickelt und realisiert.

© Andreas Stihl AG & Co. KG

Unter ‚Dokumentation‘ können sich vielerlei Informationen verbergen: PDF-Dokumente ebenso wie Excel-Tabellen – alles, was (steuerungstechnisch) als Dateiformat vorkommen kann. Seit Beginn der Datenaufzeichnung sind insgesamt über 46.000 Versionen im Archiv gespeichert. Der Speicherbedarf auf dem Server beträgt nicht einmal 1,5 GByte. 

Man könnte die Frage stellen, ob es bei derart vollgepackten Verzeichnissen nicht störend lange Prozesse beim Arbeiten gibt, was die schnelle Wiederinbetriebnahme nach einem Stillstand verzögen könnte. Die Antwort lautet „Nein“! Denn um Zeit zu sparen, wird bei Stihl standardmäßig immer nur die letzte Version heruntergeladen. „Außerdem“, so Ruppmann, „geht etwa ein Vergleich von einer S7-Einheit sehr schnell.“ 

Die Anlagen werden täglich gesichert, damit stets die aktuellen Produktionsdaten vorliegen. Zusätzlich ermöglichen die Backups, unbeabsichtigte Änderungen zu detektieren. Die Backups laufen im Hintergrund; müssen also nicht gezielt beobachtet werden. Bei Auffälligkeiten wird sofort jemand aus dem zuständigen Team per E-Mail benachrichtigt.
 

Akzeptanz ist hoch

Die unkomplizierte Handhabung von ‚Versiondog‘ schlägt sich auch im Schulungsaufwand nieder. Neue Mitarbeiter kommen schon nach kurzer Einarbeitung mit dem System zurecht und generell ist die Akzeptanz im Team sehr hoch. Laut Ruppmann sehen die Kollegen die Vorteile tagtäglich in ihrer Arbeit, da alle relevanten Daten jederzeit und überall verfügbar sind.

Und welche Bilanz zieht Ruppmann, wenn es um den Return on Invest geht? „Die Vorteile lassen sich nur schwer in Euro beziffern, da vor allem die weichen Faktoren den Mehrwert zeigen. Subjektiv ist es mit ‚Versiondog‘ deutlich einfacher geworden.“ Die finanzielle Einsparung sei bei der Beschaffung gar nicht im Vordergrund gestanden, sondern die transparente und nachvollziehbare Dokumentation. Einsparungseffekte seien ein angenehmer Nebeneffekt. „Der Suchaufwand nach der aktuellen Softwareversion entfällt komplett. Man weiß immer, wo man suchen muss.“ Zudem könne man sich durch die regelmäßigen Backups darauf verlassen, dass immer die aktuellste Version der Steuerung abgelegt sei. 

Die Datenhaltung ist dementsprechend einfacher und sicherer geworden. Durch die zentrale Datenablage in einem Software-Tool bestehe nun auch kein Verlustrisiko von Datenträgern mehr. Laut Rupmann sind Funktionalitäten wie der Ver­sionsvergleich deutlich besser als die Lösungen der einzelnen Geräteher­steller.

Autorin: Silke Glasstetter ist Head of Marketing bei Auvesy.

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