IoT-Hotspot
Vom IoT-Datenpool zum SAP
Sensor-Daten einzusammeln ist nichts Besonderes. Doch wie gelangen die Informationen aus dem IoT-Datenpool zur ERP-Lösung? Wie lassen sich die IoT-Systeme zum Beispiel mit SAP-Geschäftsprozessen verzahnen?
Wenn IoT-Sensoren Alarm schlagen, ist meistens schnelles Handeln angesagt: Fällt im Sommer die Kühlung in einem Frischwarentransport aus, müssen verdorbene Waren wie Milch- oder Gemüseprodukte umgehend ersetzt werden. Die Sensoren messen, welcher Teil der Ladung betroffen ist, während das ERP-System umgehend die Nachlieferung plant und steuert. Doch wie gelangen die Informationen aus dem IoT-Datenpool zur ERP-Lösung? Wie lassen sich die IoT-Systeme zum Beispiel mit SAP-Geschäftsprozessen verzahnen? Antworten suchen und finden die IT-Anbieter in der Cloud.
Ein Unternehmen kann seine Lieferketten nur dann in Echtzeit überwachen und steuern, wenn es diese durchgängig digitalisiert: Diese Botschaft scheint angekommen zu sein. So sind es bereits knapp 60 % der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die ihre Maschinen, Fahrzeuge und Anlagen per IoT-Lösungen dirigieren. Das hat eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens PAC über das Internet der Dinge im deutschen Mittelstand herausgefunden. Das Ziel der Mittelständler: Mit Hilfe der Echtzeitdaten wollen sie Ausfallzeiten reduzieren, Verkehrsrouten optimal planen und Liefertermine besser einhalten.
Und Optimierungspotenzial besteht reichlich. Denn jede dritte Lieferung kommt laut einer Studie des Logistikanbieters GEODIS beschädigt oder zu spät an. Auch Diebstahl ist in der Logistik ein großes Problem. Allein in Deutschland stehlen Kriminelle laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft alle 20 Minuten Transportgüter oder -fahrzeuge.

Digitale Plattformen – Bedrohung oder von Nutzen?
Bedroht das Aufkommen digitaler Plattformen das eigene Geschäft? Oder ist der Aufbau einer eigenen Plattform nützlich? Oder eine Beteiligung, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln? Diese Fragen beantwortet eine aktuelle Studie von Sopra Steria Consulting.
Sensortechnik auf hoher See
So hat zum Beispiel die Reederei Deutsche Afrika-Linien (DAL) mittels einer IoT-Lösung der Deutschen Telekom ihre Container vernetzt. Jetzt geben die Container mehrmals täglich per Sensortechnik Antwort darauf, ob sie unbefugt geöffnet, unterwegs gekippt oder aus großer Höhe gestürzt wurden und die Ware beschädigt ist. Denn nahe der Tür des Containers ist ein sogenanntes Smart Container Device installiert. Das kleine Gerät enthält einen GPS-Sensor zur Ortung sowie fünf weitere Sensoren, die Türöffnung, Erschütterung, Neigung, Temperatur und die Batteriespannung registrieren. Das Smart Container Device schlägt außerdem Alarm, falls jemand das Gerät unberechtigt demontiert oder sogar zerstört.
Der Erfolg jeder IoT-Lösung fällt mit Umfang und Qualität der erhobenen Daten. Sie müssen vor allem sehr granular vorliegen. Damit ihre Erfassung dennoch wirtschaftlich bleibt, nutzt die Telekom zum Beispiel „Cloud der Dinge Asset Tracking“. Mit ihm können Unternehmen alles im Blick behalten, was für ihr Geschäft von Belang ist: von der Kabeltrommel bis zum Bagger. Wer das Tracking-Modul mit Sensorik montiert und sich im Online-Portal anmeldet, sieht alle registrierten Geräte und Fahrzeuge anhand ihrer Positionsdaten auf einer Übersichtskarte. Der Klick auf das einzelne Asset informiert außerdem über Temperatur, Ladezustand, Neigung oder Erschütterungen. Für diese Merkmale lassen sich Grenzwerte festlegen. Werden sie überschritten, schlägt die Lösung per SMS oder E-Mail Alarm.
Das dabei eingesetzte Tracking-Modul ist robust und damit für harte Einsatzbedingungen geeignet. Die Installation erfolgt durch einfaches Aufkleben, Festschrauben oder Anhaften per Magnet. Die Batterie versorgt jedes Modul bis zu zwei Jahre mit Strom und ist wiederaufladbar. Sämtliche Echtzeitdaten sammelt die Deutsche Telekom dabei über eigene Mobilfunknetze und die ihrer Netzpartner. Das gewährleistet Schutz und Sicherheit bei der Datenübertragung sowie eine globale Konnektivität.
Bestandssysteme einbinden
Der Mehrwert steigt weiter, wenn Unternehmen ihre gewohnten Bestandssysteme wie vor allem ERP-, SCM- und WM-Lösungen in die IoT-Lösung integrieren können. Lieferketten und Wertschöpfungsnetzwerke sind so auch firmenübergreifend abbildbar. SAP und Deutsche Telekom haben deshalb eine passende Schnittstelle entwickelt: den Cloud-2-Cloud Connector (C2C). Die Lösung bringt die Telekom Cloud of Things mit der SAP Cloud zusammen, indem sie Hardware, Sensordaten, Plattformen und SAP-Landschaft miteinander verbindet.
Auf diese Weise lassen sich etwa Live-Daten aus der IoT-Plattform der Telekom direkt in SAP-Anwendungen integrieren. Der Vorteil: Landen die gesammelten Informationen der IoT-Anwendungen zunächst als Rohdaten in der Cloud of Things, filtert der C2C-Connector diese nach individuell definierten Parametern – etwa Temperaturdaten für eine ununterbrochene Kühlkette beim Transport von Lebensmitteln. Die Cloud-Schnittstelle fungiert dabei quasi als Universal-Adapter, der alle relevanten Informationen automatisch in die SAP-Landschaft der Kunden integriert. Positions- und Zustandsdaten aus der Supply Chain finden auf diese Weise in Echtzeit ihren Weg in die SAP-Systeme.
Der Vorteil für die Anwender: Sie arbeiten weiter in ihrer gewohnten SAP-Umgebung, während über eine standardisierte Schnittstelle die Echtzeitdaten in Anwendungen wie SAP Global Track and Trace, SAP Connected Goods oder SAP Vehicle Insights zusammenfließen. So sind die Unternehmen zum Beispiel in der Lage, automatisiert den ERP-Rechnungslauf zu starten, wenn die Lieferung vom Hof fährt.
IoT-Fertiglösungen für einzelne Branchen
Den Einstieg machen Telekom und SAP ihren Kunden mit Fertiglösungen für bestimmte Branchenszenarien schmackhaft. „Wir machen es unseren Kunden jetzt sehr einfach: Sensorik anbringen und einschalten. Auf diese Weise lässt sich das Internet der Dinge für die Prozess-Automatisierung nutzen“, sagte etwa Adel Al-Saleh, CEO von T-Systems, auf der diesjährigen Hannover Messe.
Den Start macht eine Lösung für die Logistik. Das Telematik-Modul erkennt nicht nur die Position von Gütern via GPS, sondern auch ihre Geschwindigkeit. Darüber hinaus liefert es Daten zu Erschütterungen und Temperatur. Weitere Geräte wie etwa ein IoT-Bestellknopf oder ein Modul, das Sensordaten von Maschinen sammelt, bietet die Telekom ebenfalls an. Und für die Logistik gibt es künftig ein digitales Etikett, das Papier-Etiketten ersetzen soll.
Komponenten wie diese sammeln Daten und übermitteln die Informationen verschlüsselt via Mobilfunk an die IoT-Plattform von T-Systems. Mit dem Koppeln der Telekom- und SAP-Clouds gelangen nun diese Daten automatisch in SAP Leonardo IoT – die IoT-Lösung von SAP – und von dort aus automatisch in die passenden SAP-Systeme.
Wichtige Erfolgsfaktoren
Daten sind nicht gleich Daten:
Einfach nur Daten sammeln, hat wenig Sinn. Zunächst müssen Unternehmen und ihre Mitarbeiter festlegen, welche Daten sie erheben wollen und welchen Wert diese besitzen. Nur so lässt sich eine strukturierte und qualitativ hochwertige Datenbasis schaffen. Auch müssen alle Informationen gut lesbar sein: Eine einfache und verständliche Auswertung sowie Darstellung der Daten sind deshalb ein Muss.
Transparenz auch nach außen:
An Supply Chains sind meistens mehr als nur ein oder zwei Unternehmen beteiligt. Deshalb müssen Unternehmen die IoT-Zustandsdaten auch für Partner und Kunden in Echtzeit verfügbar machen – etwa über Sensorik, Lokalisierungstechnolo-gien und entsprechend integrierte IT-Systeme. Heutige IoT-Lösungen bieten dafür vielfältige Einstellungsmöglichkeiten: So kann ein Unternehmen bis ins Detail wählen, welche Daten es für welche Partner und Kunden verfügbar machen will.
Rechtlich auf der sicheren Seite:
Wer betriebliche Informationen mit Lieferanten, Kunden und Partnern umfänglich teilt, braucht Rechtssicherheit. Der Informationsaustausch sollte deshalb rechtlich und vertraglich geregelt sein. Auch klar definierte
Standards – etwa für die Datenübertragung – schaffen Orientierung und Sicherheit.
Automatisierung vorbereiten:
Systeme kommunizieren nur dann unternehmensübergreifend miteinander und steuern sich selbst, wenn genug Vorarbeit in die Automatisierung geflossen ist. So gilt es vor allem, Medienbrüche und die Diversität der IT-
Systeme zu überwinden, Datenstandards konsequent umzusetzen und Breitbandnetze auszubauen. Zudem fördern intelligente Bauteile, wie etwa Identifikations-Tags, die Vernetzung – intern wie extern.
Autoren:
Sebastian Berg ist IT-Architekt bei T-Systems International;
Henning Neuse ist IT-Architekt bei T-Systems International.










