Middleware
Vermittler zwischen den Welten
Die Meinungen sind geteilt: Brauchen Unternehmen bei mobilen SAP-Anwendungen eine Middleware? Ja – denn sie garantiert höhere Sicherheit und verteilt Lasten.
Unternehmen benötigen Middleware, wenn sie den Außendienst mit einer ins SAP-ERP oder -CRM integrierten mobilen Lösung ausstatten wollen – eigentlich. Einige Anbieter behaupten allerdings, ihre Lösungen funktionierten auch ohne diese ‚Zwischenanwendungen‘. Ist Middleware also Schnee von gestern? Vielen IT-Verantwortlichen bereitet der Begriff Middleware Bauchschmerzen. Sie fürchten zusätzliche Kosten für Lizenzen und Infrastruktur sowie einen hohen Aufwand bei mobilen Lösungen. Aber wie sieht die Realität aus?
Eine mobile Lösung besteht in der Regel aus der Anwendung selbst, den Quellsystemen, aus denen die Daten kommen und Prozesse gesteuert werden, sowie einer Komponente dazwischen. Diese ist dafür verantwortlich, relevante Daten in definierter Menge an die richtigen Anwender zu verteilen und neue Software-Versionen im Falle eines Updates zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus verschlüsselt sie Daten und offenbart Datenkonflikte, wenn im Backend Verbuchungsprobleme aufgrund von Restriktionen entstehen.
Entsprechende Services, die sich mobil abrufen lassen, benötigen nicht zwangsläufig eine zusätzliche Hardware-Komponente, die als Datendrehscheibe zwischen dem mobilen Endgerät und dem Backend steht. Sie können im Backend selbst laufen. Aber es sind in jedem Fall eine oder mehrere solcher Komponenten nötig, um diese Dienste zu managen. Eine Lösung gänzlich ohne Middleware ist daher in aller Regel kaum möglich, auch wenn dem Anwender diese häufig verborgen bleibt oder der Name Middleware hierfür schlicht nicht in Augenschein tritt.

Fraunhofer-Projekt 'SmartDe’s@Work'
Smart Devices für eine digitale Produktion
Das Konsortium 'SmartDe’s@Work' ist im Januar mit dem Ziel gestartet, Smart Devices im Produktionsumfeld nutzbringend einzusetzen. Dafür erhält das Projekt jetzt Unterstützung von der Bayerischen Forschungsstiftung.
Middleware stemmt vielfältige Aufgaben
Was sind also die wichtigsten Aufgaben einer Middleware? Die meisten Unternehmen wollen mobile Lösungen auch offline nutzen, um die Verfügbarkeit der Daten sowie Logik und Persistenz für den Anwender stets zu garantieren. Dafür müssen die Daten verteilt und synchronisiert werden. Der Mitarbeiter bekommt allerdings nur die Datensätze, die er wirklich braucht. Das funktioniert über Datenverteilungsregeln – ein komplexes Regelwerk, dem ein Datenmodell zugrunde liegt. Dieses beschreibt, aus welchen Objekten und Datenfeldern die mobile Anwendung besteht und wer bestimmte Daten erhält oder darauf Zugriff hat. Im Ergebnis kommt der Außendienstmitarbeiter dadurch schneller an relevante Informationen im eigenen System, etwa über Geräte, die der Kunde im Einsatz hat, oder an Kontaktdaten von Ansprechpartnern.
In einigen Fällen reichen dem Außendienstmitarbeiter die Daten aus dem SAP-Systemumfeld nicht aus. Muss er beispielsweise ein ihm unbekanntes Gerät reparieren, benötigt er weitere Datenquellen – in diesem Fall eine Lösungsdatenbank, die häufig nicht im SAP vorzufinden ist. Die SAP-Mobile-Plattform – die strategische Middleware der SAP für mobiles Arbeiten – kann unterschiedliche Datenquellen integrieren, die nicht zwingend Teil des SAP-Systems sein müssen. Somit lassen sich Daten aus mehreren Quellen zusammenfassen und stehen dem Mitarbeiter nach nur einem Synchronisationsprozess zur Verfügung.
Geschwindigkeit ist das A und O einer mobilen Anwendung, hängt doch die Anwenderakzeptanz maßgeblich an der Performance. Dies gilt für den Datenzugriff, aber auch für die Verarbeitung von Plausibilitätsprüfungen, die sich meist aus dem SAP-Backend dynamisch ableiten und bereits innerhalb der mobilen Anwendung verfügbar sein sollen. Zudem erhält das SAP-Backend signifikant mehr Last, wenn – etwa morgens bei Arbeitsbeginn – eine große Anzahl von mobilen Mitarbeitern darauf zugreift und Daten nach komplexen Regeln abruft. Eine Middleware kann hierfür Daten im Vorfeld verarbeiten und so zu einer Entzerrung führen, auf dem Client wie auch im Backend. Lastspitzen treten somit erst gar nicht auf und Innen- sowie Außendienst können produktiver arbeiten.
Höhere Sicherheit und verteilte Lasten
Durch Verlust des Endgeräts oder auch durch einen Wechsel des Mitarbeiters zum Wettbewerb entstehen Sicherheitslücken, wenn der Zugriff auf sensible Daten weiterhin möglich ist. Deswegen sollten dem Außendienstmitarbeiter nur genau die Informationen ‚mitgegeben‘ werden, die er wirklich benötigt. Die Sicherheitsanforderungen im Kontext mobiler Anwendungen lassen sich mit Lösungen für Mobile Device Management erfüllen. Aber auch Middleware unterstützt hier: durch Authentisierungs- sowie Verschlüsselungsverfahren auf der Prozessseite schafft sie Zugriffsbeschränkungen und beugt unerlaubter Nutzung vor.
Wenn offline auf mobilen Datenbeständen gearbeitet wird, können im Nachhinein Konflikte bei der Verbuchung auftreten, wenn zwischenzeitlich der Innendienst auf denselben Datensätzen gearbeitet hat. Ein kontextsensitives Konflikthandling, welches verschiedene Middleware-Lösungen unterstützen, ist erforderlich. Der nüchterne Mechanismus, dass derjenige Anwender, der den Datensatz zuletzt geändert hat, ‚gewinnt‘, und die älteren Daten somit überschrieben werden, reicht allein meist nicht aus, da wertvolle Daten verlorengehen könnten.
Bei moblilen Anwendungen koordiniert Middleware die Datenverteilung oder -konsolidierung.
© Axians IT SolutionsJe mehr Anwender ein Unternehmen hat, desto größer muss das SAP-System infrastrukturell ausgeprägt sein, was entsprechende Kosten nach sich zieht. Eine Middleware kann eine Lastentzerrung herbeiführen, indem die Daten bereits auf einer Meta-Ebene in einer Art Daten-Queue beispielsweise vor Arbeitsbeginn vorgehalten werden. Im Effekt können dadurch Infrastrukturkosten reduziert und zudem die Performance gesteigert werden.
Fehler in Anwendungen sind ein wichtiges Thema. Daher müssen Unternehmen Updates schnell an alle Mitarbeiter verteilen können – beispielsweise über eine Middleware. Die Aktualisierung kann ‚Over-the-Air‘ erfolgen oder durch manuelle Freischaltung des Anwenders. Bei einer zentralen Verteilung durch einen Administrator könnten aber wichtige Daten überschrieben werden, die noch nicht synchronisiert waren. Daher ist auch hier eine Middleware sinnvoll, die den Geschäftskontext differenziert.
Anforderungen variieren
Für Regionen mit mangelnder Netzabdeckung oder nur sehr langsamer Internetverbindung ist eine Middleware im Prinzip unumgänglich. Denn Mitarbeiter in Service und Instandhaltung sind auf gute Offline-Fähigkeit oder den Zugriff auf ältere Daten angewiesen. Rein theoretisch könnten sie online im Webbrowser arbeiten – das dauert jedoch länger und sobald offline gearbeitet werden muss, treten Probleme auf.
Dem gegenüber steht etwa die mobile Lagerlogistik – einer der häufigsten mobilen Anwendungsbereiche neben Service, Instandhaltung und Vertrieb. Hier müssen Barcodes über eine lange Distanz in einem Lager gescannt werden, um beispielsweise Lagerplätze von Produkten zu verändern. Dank geeigneter WLAN-Ausleuchtung sowie einfacher Datenstrukturen funktioniert dies online meist problemlos. Eine Middleware ist dafür nicht nötig. Hier bieten sich hybride Lösungen an, bei denen die eigentliche Anwendung offline auf dem Endgerät läuft und die Daten erst später aktualisiert werden.
Man sieht: Vor der Einführung von mobilen Anwendungen sollten diese Punkte mit dem Lösungsanbieter oder einem Dienstleister diskutiert werden. Je nach Einsatzgebiet variieren die Anforderungen. Anhand von Best-Practice-Beispielen lassen sich viele Regeln automatisieren – etwa die manuelle Nachverbuchung von Datenkonflikten. Auch die Wahl der Endgeräte spielt eine Rolle: Manche Unternehmen legen sich langfristig fest, andere wollen lieber flexibel bleiben.
Autor:
Jens Beier ist Division Manager SAP Solutions & Technology bei Axians IT Solutions











