Automobilbranche

Meinrad Happacher,

Smart Manufacturing als Ausweg?

Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im Umbruch. Statista hat im Auftrag von Avanade eine Studie durchgeführt mit dem Ergebnis: Smart Manufacturing könnte entscheidend für den Erhalt von Standorten der Branche werden.

© sizsus/stock.adobe.com

Ob die Transformation hin zu elektrischen Antrieben oder die Integration von immer mehr Software: Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im Umbruch – und muss sich gleichzeitig nach wie vor mit ihren Lieferketten beschäftigen.

Die Relevanz der Lieferketten-Thematik zeigt sich in dieser Zahl: 89 % der befragten Automotive-Entscheider haben mindestens eine Tochtergesellschaft im Ausland. 85 % der Unternehmen gaben bei der Erhebung zur genannten Studie an, noch von postpandemischen Auswirkungen oder dem anhaltenden Krieg in der Ukraine betroffen zu sein. Angesichts zunehmender globaler Krisensituationen und gleichzeitigem gesamtwirtschaftlichen Druck sind die Unternehmen bestrebt, ihre Kosten zu senken: 44 % der Teilnehmer gaben an, dass sie nach zusätzlichen Near- oder Offshoring-Optionen suchen.

Dabei scheinen die osteuropäischen Länder für die deutsche Automobilindustrie am attraktivsten zu sein (29 %), gefolgt von anderen westeuropäischen Ländern (27 %). Asien und Nordamerika liegen jeweils an dritter Stelle (15 %), und nur 5 % haben Pläne für Südamerika; hier waren Mehrfachnennungen möglich. Ein Licht am Ende des Tunnels für den Standort Deutschland: 54 % der Unternehmen haben keine Absichten, Arbeiten ins Ausland zu verlagern; 2 % haben dies bereits vollständig getan.

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Optimismus dank Smart Manufacturing

Angesichts des skizzierten Szenarios suchen die Unternehmen nach weiteren Möglichkeiten, ihre Lage vor Ort zu verbessern. Eine Hauptaufgabe ist dabei die Optimierung der Produktionsanlagen in Bezug auf Digitalisierung und Automatisierung im Sinne eines sogenannten Smart Manufacturing: 89 % der Automobilunternehmen haben entsprechende Pläne. Das gilt, obwohl ein erheblicher Teil der Hersteller und Zulieferer derartige Technologie bereits mehr oder weniger intensiv einsetzt. Wo das noch nicht der Fall ist, herrscht überwiegend (64 %) Optimismus vor, dafür grundlegend bereit zu sein; 23 % sind in dieser Frage unentschlossen, und nur 13 % halten sich nicht ausreichend für Smart Manufacturing vorbereitet.

55 % der Unternehmen haben demnach bereits umfassende oder sehr umfassende Maßnahmen zum Monitoring und der Optimierung des Energieverbrauchs ergriffen; 45 % möchten dies 2024 oder 2025 angehen oder sich intensiver um das Thema kümmern. Weitere 31 % halten dies für sehr wahrscheinlich. 47 % der Unternehmen nutzen digitale Zwillinge umfassend oder sehr umfassend; 67 % werden damit beginnen oder haben zumindest konkrete Überlegungen für dieses oder nächstes Jahr. Und natürlich setzt in dieser fertigungsorientierten Branche eine beträchtliche Anzahl (65 %) Roboter und Roboterprozessautomatisierung (RPA) umfassend oder sehr umfassend ein; drei Viertel werden entsprechende Aktivitäten bis spätestens 2025 beginnen oder ausbauen.

Fachkräftemangel als Treiber

Bei all diesen Überlegungen spielt auch der Faktor Mensch eine wichtige Rolle: 27 % der Unternehmen halten den Fachkräftemangel für ein Problem – eine deutliche Mehrheit von 61 % leitet daraus das Potenzial ab, dass der Mangel an Talenten zum Treiber für eine weitere Verbreitung von Smart Manufacturing sein wird. Künstliche Intelligenz führt die Liste zugehöriger Technologien mit 56 % an, gefolgt von Robotern und Automatisierung (52 %) sowie RPA (44 %). Augmented und Virtual Reality bilden mit 13 % das Schlusslicht.

»Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Autohersteller und Zulieferer haben erkannt, dass Software sowohl in den Autos als auch in den Fabriken eine immer größere Rolle spielt. Zudem prägen neue Akteure den Markt, der auch durch Elektromobilität stark verändert wird,« sagt Stefan Smolka, Geschäftsführer der Avanade Deutschland. »Angesichts all dieser Herausforderungen hat die deutsche Automobilindustrie den notwendigen Wandel zu einer intelligenten Fertigung eingeleitet. Diese Transformation ist im Gange, aber in einer insgesamt fragilen wirtschaftlichen Gesamtsituation. Sowohl Hersteller als auch Zulieferer sind daher erst auf halbem Weg zum Ziel, und der Standort Deutschland ist noch immer von Verlagerungen bedroht. Dennoch sind wir optimistisch, dass die hiesige Automobilindustrie wieder in den Fahrersitz wechseln wird.«

Methodik der Studie

Für die Durchführung der Studie hat Statista im Auftrag Avanades in der zweiten Jahreshälfte 2023 Führungskräfte – CEOs sowie Bereichs-, Abteilungs- und Teamleiter – von insgesamt 450 Unternehmen aus Deutschland befragt. Über die Hälfte der Firmen erzielt einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro und beschäftigt über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für die Stichprobe wurden Unternehmen der Branchen Automotive, Maschinenbau, Informationstechnologie, Konsumgüter und verarbeitendes Gewerbe ausgewählt. 

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