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KI ist, was wir daraus machen
Generative Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Doch welchen Mehrwert bringt sie? Wie kann sie in industrielle Prozesse integriert werden? Eine Einschätzung von Microsoft.
Im November 2022 stellte das kalifornische Unternehmen OpenAI der Öffentlichkeit seinen KI-Chatbot vor, der Unterhaltungen in natürlicher Sprache führen kann: ChatGPT. Knapp zwei Monate später kündigte Microsoft-CEO Satya Nadella an, dass Microsft KI-Modelle wie ChatGPT in alle Produkte integrieren wird. Bereits jetzt entwickeln mehrere tausend Kunden weltweit ihre eigenen KI-Lösungen, die auf den generativen KI-Modellen wie ChatGPT, Codex (Erstellung von Programmcode) und DALL-E (Generierung von Bildern) basieren. Sie werden ihnen durch Azure OpenAI Service bereitgestellt und verbinden die Basismodelle von OpenAI mit der regionalen Verfügbarkeit der Microsoft Cloud. Unterstützt wird diese Entwicklung auch durch die Microsoft-365-Tools, indem die KI als Microsoft Copilot in Software für die tägliche Arbeit integriert wird.
Generative KI wird damit unternehmenstauglich. Sie soll im Arbeitsalltag unterstützen, beispielsweise zur Erstellung von Texten und Bildern sowie für Meeting-Zusammenfassungen oder Analysen umfangreicher Berichte. Gleichzeitig kann generative KI auch Programmcode, etwa für Robotik-Anwendungen, oder Skizzen für neue Produkte und Maschinen liefern oder wirkt an der Verbesserung und Automatisierung von Prozessen in den Unternehmen mit.
Der größte Erfolgsfaktor der generativen KI ist ihre Zugänglichkeit: Durch sie können wir in natürlicher Sprache mit Maschinen kommunizieren, ohne Programmcode oder technische Details beherrschen zu müssen. Welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, hat die Unternehmensberatung McKinsey ausgerechnet: Die Auswirkungen von generativer KI auf die Produktivität könnten der Weltwirtschaft einen Mehrwert von 2,6 bis 4,4 Billionen US-Dollar pro Jahr bringen. Nur mal zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands betrug 2022 umgerechnet 4,3 Billionen US-Dollar. Die Technologie, so McKinsey, könnte ihren Beitrag dazu leisten, „das insgesamt verlangsamte Produktivitätswachstum der vergangenen Jahrzehnte“ auszugleichen.
Was kann KI in der Industrie leisten?
Generative KI hat auch insgesamt den Blick auf die möglichen Vorteile der Technik geschärft: KI kann die Automatisierung von Produktions- und Wertschöpfungsketten beschleunigen. Eine der größten Stärken von KI ist ihre Fähigkeit, Muster zu erkennen. Das kann sie wesentlich schneller und genauer als Menschen. So kann KI aus Daten neue Erkenntnisse extrahieren und dieses Wissen für Prognosen aufbereiten – etwa über die Auslastung von Produktionskapazitäten, den Abverkauf von Produkten oder den Zustand von Maschinen. Wenn die zugrunde liegende Datenqualität stimmt und die Modelle auf den Anwendungszweck trainiert sind, liefert die KI zuverlässige Ergebnisse.
Die Fähigkeiten zur Mustererkennung sowie die Dialog- und Interaktionsfähigkeit durch generative KI führen zu spannenden Szenarien, etwa in der Materialwissenschaft. Hier kann KI helfen, neue Wertstoffe zu entwickeln. Bei diesem Prozess, der als ‚inverses Design‘ bezeichnet wird, werden zuerst die erforderlichen Eigenschaften definiert und erst danach Materialien gesucht, die diese Qualitäten aufweisen. Mit dieser Methode lassen sich Materialien finden, die zum Beispiel leitfähiger sind, eine höhere magnetische Anziehungskraft besitzen oder korrosionsbeständiger sind. Hersteller können zudem ‚generatives Design‘ nutzen, um leichtere Konstruktionen zu entwickeln und damit zum Beispiel Autos sparsamer zu machen.
Microsoft-Kunden und -Partner erproben bereits spannende Anwendungsbereiche. So integriert ein Anwender, ein global führender Automobilkonzern, ChatGPT über Microsoft Azure OpenAI Service in seine Fahrzeuge. Damit wird der eingebaute Sprachassistent noch intuitiver bedienbar und dialogfähig. Künftig können diese Sprachassistenten ganze Gespräche führen, sich über Interessantes zum Zielort unterhalten, neue Rezeptideen vorschlagen, oder Wissensfragen klären.
Der Autor: Gilbert Jacqué ist Azure Solutions Go-To-Market Lead bei Microsoft Deutschland.
© MicrosoftAuf der Hannover Messe zeigte Microsoft, wie ein deutsches Industrieunternehmen durch generative KI auf der Basis des Azure OpenAI Service die Entwicklung und Wartung beschleunigt, etwa beim Fehler-Reporting im Product-Lifecycle-Management-System, beim Schreiben von Programmcode für Maschinen oder bei der Fehlerbehebung an industriellen Robotern in der Fabrikautomation.
Anhand dieser Anwendungsfällen wird klar: KI wirkt mit anderen Technologien zusammen und das Industrial Metaverse entsteht. Beispielsweise indem dialogfähige KI-Modelle gemeinsam mit Lösungen für das Internet der Dinge (IoT) einen echten Interaktionsraum für Menschen und Maschinen in den Fabriken entstehen lassen. Durch generative KI sprechen die Maschinen zum ersten Mal unsere Sprache.
KI hilft Unternehmen, Wissen aus Daten zu generieren, um bessere Entscheidungen zu treffen oder Aufgaben effizienter zu lösen. Je besser die bereitstehende Datengrundlage ist, desto effektiver ist der Einsatz. Allerdings funktioniert das nur in einer durchgehend digitalen Umgebung – denn analoge Prozesse erzeugen keine digitalen Daten. Dafür werden sich die Unternehmen weiterentwickeln müssen. Durch KI erreichen sie eine neue Stufe der Automatisierung, die eine Vielzahl von Aktivitäten erfasst. Sie ermöglicht eine neue Qualität der Gestaltung von Unternehmensprozessen.
Künstliche Intelligenz? Sicher, aber nach Regeln!
Damit KI nicht nur funktional ist, sondern auch sicher und fair funktioniert, braucht es einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie. Microsoft fordert diesen nicht nur von sich, sondern auch von seinen Partnern und Kunden ein.
© MicrosoftDamit KI aber nicht nur funktional ist, sondern auch sicher und fair funktioniert, brauchen wir einen verantwortungsvollen Umgang mit der neuen Technik. Microsoft legte schon 2017 die Grundlagen für eine verantwortungsvolle Entwicklung und Umsetzung von KI fest. Diese Prinzipien kommen bereits ab dem Beginn jedes neuen Projekts zum Tragen, denn wir haben sechs Grundsätze für eine ‚Responsible AI by Design‘ formuliert: Fairness, Inklusion, Zuverlässigkeit und Sicherheit, Transparenz, Sicherheit und Datenschutz sowie Rechenschaftspflicht.
An diese Prinzipien hält sich nicht nur Microsoft: Wir verpflichten auch unsere Partner und Kunden zur verantwortungsvollen Nutzung von KI. Deshalb müssen alle Kunden, die sich für Azure OpenAI Service interessieren, ein spezielles Freigabeverfahren für ihre Anwendungen durchlaufen. Dabei definieren sie die geplanten Einsatzszenarien und diese werden von unseren spezialisierten Teams darauf geprüft, ob sie die Prinzipien für den verantwortungsvollen Umgang mit KI erfüllen.
Wir nehmen auch die Bedenken über den Schutz von Daten sehr ernst. Als Teil der Microsoft-Cloud erfüllt Azure OpenAI Service dieselben Standards wie alle anderen Cloud-Dienste von Microsoft. Das bezieht sich auf Datenschutz und -sicherheit, die zuverlässige Verfügbarkeit der Dienste sowie das Serviceversprechen von Microsoft hinsichtlich der Datenhoheit, die vollständig bei unseren Kunden verbleibt.
Wie das praktisch funktioniert, zeigen die erwähnten Einsatzbeispiele: Bei der Nutzung von Azure OpenAI Service behalten Unternehmen zu jeder Zeit die Hoheit über ihre IT-Prozesse. Darüber hinaus sind alle Daten, die verwendet werden, ausschließlich in der eigenen Cloud-Umgebung auf Azure zugänglich. Mit diesen Daten findet zudem kein weiteres Training der zugrundeliegenden KI-Modelle statt.
Work Trend Index – Entlastung durch KI
KI kann die Automatisierung von Produktions- und Wertschöpfungsketten beschleunigen. Eine der größten Stärken von KI ist ihre Fähigkeit, Muster zu erkennen.
© MicrosoftMicrosoft gibt jährlich den sogenannten ‚Work Trend Index‘ heraus, in dem wir Einblicke in das subjektive Wohlbefinden arbeitender Menschen geben. Der aktuelle Report liefert unter anderem wertvolle Erkenntnisse über den Einsatz von KI. Demnach warten sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter buchstäblich darauf, dass KI ihnen Arbeitsaufgaben abnimmt: 70 Prozent sind bereit, so viele Aufgaben wie möglich an KI zu delegieren, um ihre Arbeitsbelastung zu verringern. Die Menschen wünschen sich auch, dass KI ihnen hilft, die richtigen Informationen und Antworten zu finden, ihre Meetings und Aufgaben zusammenzufassen und ihren Tag zu planen.
Aber immerhin 49 Prozent befürchten auch, dass KI ihren Arbeitsplatz ersetzen könnte. Für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI bedeutet das: Die Fragen nach Arbeitsplätzen und Qualifikationen müssen im Sinne der Menschen beantwortet werden – von Unternehmen und der Gesellschaft. Jeder Mensch sollte KI für sich als persönliche Chance wahrnehmen und von den Vorteilen profitieren können. Dazu gehört auch, dass diese Veränderungen auf eine demografische Entwicklung treffen, die viele Unternehmen derzeit als anhaltenden Fachkräftemangel erleben. KI ist also auch eine Chance, diesem Mangel durch Automatisierung zu begegnen.
Chancen und Risiken entschlossen angehen
Die ersten Industrie-Anwendungen in Deutschland sowie die Begeisterung für generative KI, die man im neuen ‚Work Trend Index‘ sieht, zeigen die vielfältigen Chancen der Technologie. Ein Teil der Erfolgsgeschichte ist aber auch, dass wir uns um die möglichen Risiken kümmern. Zusammen müssen wir uns mit der gleichen Entschlossenheit auf die Herausforderungen und Risiken konzentrieren, mit der wir nun die neuen Möglichkeiten erkunden. Denn KI ist das, was wir gemeinsam daraus machen.
| Schon gewusst? Die sechs Grundsätze für „Responsible AI by Design“ entstanden im Rahmen einer gemeinsamen Strategie unter der Leitung des Microsoft-Ausschusses für KI und Ethik in Technik und Forschung (AETHER) und seiner Arbeitsgruppen und den Büros für verantwortungsvolle KI (ORA). Mehr Infos unter: microsoft.com/ai/our-approach |

















